Die Felsentempel von Abu Simbel, herausgehauen aus den Felskuppen Meha und Ibschek, gehören zu den großartigsten Bauwerken des ägyptischen Altertums. Sie befinden sich etwa 280 Kilometer südlich von Assuan und wurden von Ramses II. in Auftrag gegeben. Der Felsentempel von Meha im Süden: Bei dem sogenannte „Große Tempel“, ein bis zu 63 Meter in den Fels gehauenes „Hohlraumsystem“, besteht die Fassade aus vier 20 Meter hohen kolossalen Sitzstatuen Ramses II. Sie sollten gewisse göttliche Eigenschaften des Pharaos verkörpern und trugen auch verschiedene Namen. Zwischen ihnen befindet sich das Eingangsportal zum Inneren des Tempels. An diesem schmalen Gang gliedert sich eine Halle an, welche mit Osirispfeilern (sie zeigen Ramses im Schurz des lebenden Königs) ausgestattet ist. Die wichtigsten Etappen der Schlacht von Kadesch sind hier an der Nordwand der Pfeilerhalle aufgeführt. Eine weitere Säulenhalle schließ sich an. Hier werden die Götterbarken des Amun und des Re dargestellt, während die Götterbarke des Thot ihren Platz in der Felsenkappelle fand.
Die Tempelachse war so ausgerichtet worden, dass der erste Strahl der aufgehenden Sonne zweimal im Jahr auf eine der vier Sitzfiguren im Allerheiligsten (Sanktuarium) an der Rückwand des Tempels fiel. Genau am 20. Februar wurden zuerst die Statue des Amun, dann die des Pharaos und schließlich die des Re-Harachte angestrahlt, während am 20. Oktober zuerst Re-Harachte, Pharao Ramses und dann Amun angestrahlt wurden. Die Statue des Ptah wurde von den ersten Sonnenstrahlen jeweils nur an der linken Schulter berührt. Durch dieses natürliche „Wunder“ konnte die Götterkraft auf den Pharao übertragen werden , Pharao bekam „Eingang in den Kreis der Götter“. Der Felsentempel von Ibschek im Norden In der leicht nach vorn geneigten Fassade öffnen sich rechts und links vom Eingang je drei Nischen, in denen man schon aus der Ferne in den Fels geschlagene Standfiguren von 8 Metern Höhe erblickte. Hier wurde Ramses in zwei kleineren Standstatuen verewigt, die von Ramses und Nefertaris Söhnen flankiert wurden. Amunherchepeschef und Meriatum wurden ebenfalls im Stehen abgebildet, aber in kleinerer Größe als ihr Vater. Auch hier stellten die Figuren Ramses II unterschiedliche göttliche Eigenschaften dar, welche je einen Beinamen des Königs trugen: „Heka-taui, meri amun“ (Herrscher der Länder, geliebt von Amun) und „Re-en-hekau, meri atum“ (Sonne der Fürsten, geliebt von Atum).
Nefertari wurde mit der Krone der Sothis auf dem Kopf dargestellt, neben ihr ihre beiden Töchter Meritamun und Henuttaui. Auffallend ist, dass das Bildnis der Nefertari genauso groß ist, wie das des Ramses, wodurch Ramses wahrscheinlich der Weiblichkeit gehuldigt hat. Dieser kleinere Tempel stellte das Heiligtum der Hathor da und war der Nefertari geweiht. Der Felsentempel mit Hathorsäulen, die das Weibliche beschworen, war mit Reliefs ausgeschmückt, die scheinbar jugendlichen Charm darstellten und dem Alter entsagten.
Bild der Nefertari
1970 wurden die beiden Tempel versetzt, um sie vor dem Nilwasser zu retten. Heute stehen sie über dem Nassersee, dennoch ereignet sich das zweimal im Jahr stattfindende Schauspiel der ersten Sonnenstrahlen in dem großen Felsentempel von Meha.
|