Architektur & Symbolik des Tals der Könige

 

   

 

 

Architektur:

 

Jedes Gab im Tal der Könige ist ein Unikat. Keines ist gleich dem anderen, jedes von ihnen unterscheidet sich in verschiedenen Darstellungen, Farben oder in der Anordnung bzw. in der Architektur. Bezüglich der Architektur differenziert Reeves drei deutlich voneinander unterschiedliche Phasen, welche sich auf die 18., 19. und 20 Dynastie verteilen (teilweise sich auch überschneiden):

 

Frühgräber:

Die Frühgräber der 18. Dynastie sind hauptsächlich mit genickten bzw. gekurvten Achsen ausgestattet. Diese Gräber der Thutmosiden sind zwar weit in den Fels hineingetrieben, dennoch kleinflächig, mit einer Ganghöhe von nur 2 Metern . Der charakteristische Achsenknick dieser Gräber könnte möglicherweise die gewundenen Pfade der Unterwelt symbolisieren. Die Königsgräber der frühen 18. Dynastie bestehen aus vier Passagen , wobei die erste mit der Eingangstreppe beginnt. Nach Reeves symbolisiert jeder Part des Zugangs zum eigentlichen Grab, den jeweiligen Abschnitt des sogenannten "Sonnenpfades". Hierbei soll die nächtliche Reise der Sonne unter der Erde dargestellt werden. 

Der Eingangsteil des Grabes wurde von in den Fels gehauenen Nischen gefolgt, welche die göttlichen Statuen beherbergte, wonach man diesen Part auch "Sanktuarien, in denen die Götter des Ostens und Westens ruhen" bezeichnete. Diese Nischen wurden gefolgt von der "Halle des Wartens", einer Kammer die durch einen Brunnenschacht charakterisiert wurde. An diese Kammer schloss sich der oben erwähnte Knick in der Achse an, der in einer "Ersten Säulenhalle" vollendet wurde. Diese Säulenhalle wurde auch "Wagenhalle" genannt. Von dieser Kammer aus gingen weitere Durchgänge ab, die unter anderem in einer größeren Halle endeten ("Haus des Goldes"). In dieser und den abzweigenden Nebenkammern befand sich der Grabschatz und die Grabbeigaben des Königs, die von der eigentlichen Grabkammer gefolgt wurden.

 

Abbildung 1: Grab des Amenhotep II

 

Zwischengräber (Korridorgräber):

Die monumentalen Zwischengräber oder Korridorgräber der 19. Dynastie sind visuell durch die Ganghöhe zu den Frühgräbern zu unterscheiden. Hier beträgt die Ganghöhe fast 4 Meter. Weiterhin unterschieden sich mehrere Aspekte, wie der Wegfall der Knickachse, der weniger steil abfallende Abstieg zur Grabkammer, eine Modifikation der Sarkophaghalle  und das Versiegeln der Grabkammern mit Holztüren (anstatt diese zu vermauern). Der Wegfall der Knickachse wurde durch zwei parallel zueinander verlaufende Gänge ersetzt, welche womöglich auf einen mythologischen Dualismus zurück zu führen sind. 

Die obere Achse war dem Sonnengott Re-Harachte zugeordnet, quasi dem Osten, die untere dem Totengott Osiris (Westen). Als Erneuerung dieser Dynastie wurde neben die erste Säulenhalle ein Nebenraum gehauen. Der Sinn dieser Kammer ist nicht ganz eindeutig. Nach Reeves (2000) könnte sie eventuell als Täuschungskammer gesehen werden. Dieser Nebenraum wurde bis zum Ende dieser Dynastie stetig in die Gräber eingefügt, wurde erstmals im Grab Sethos I. entdeckt und lässt sich nach Ende der 19. Dynastie noch einmal im Grab Ramses III. finden.

Abbildung 2: Grab des Haremhab:

 

 

 

Spätgräber:

In der 20. Dynastie wird der Grabplan vereinfacht. So wurden auch hier die parallel verlaufenden Gänge im Grab abgeschafft und statt dessen ein gerader Achsenverlauf vorgezogen. Als signifikante Erneuerung kann der Schacht- oder Brunnenraum gesehen werden, welcher den ersten Grababschnitt abschloss und in der Tiefe und Gestaltung unterschiedlich ausgeprägt war. Die Ganghöhe der Gräber erreichte nun endgültig die 4 Metergrenze und zeigte eine Breite von 3 Metern auf. Der Sarkophag wurde in dieser Dynastie entlang der Hauptachse des Grabes ausgerichtet, während in den vorlaufenden Gräbern der Sarkophag quer zur Achse aufgestellt wurde. Durch diese Umstellung konnte der tote Pharao stetig in den Osten, die Richtung der aufgehenden Sonne blicken.

Abbildung 3: Grab des Ramses IV.

 

 

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Symbolik:

Knickachse

Nischen

Brunnenschacht

Farben

Dekorationen

 

Knickachse:

Die Gräber der frühen 18. Dynastie wurden, wie bereits erwähnt, durch den Knick in der Achse charakterisiert. Die Erbauer der Gräber gingen davon aus, dass der Eingang des Grabes im Süden und die Grabkammer im Norden liegen sollte. Hierdurch symbolisiert die Rückseite des Grabes die nächtliche Reise der Sonne durch die Unterwelt (Nadir). Der Süden symbolisierte den Zeitpunkt, an dem die Sonne am höchsten steht. Der Knick könnte weiterhin an die gekrümmten Korridore der Pyramidengräber des Mittleren Reiches erinnern, welche wiederum die gewundenen Wege der Unterwelt darstellen sollten.

Nischen:

Die Nischen - die "Sanktuarien, in denen die Götter des Ostens und des Westens ruhen" - hatten nach Reeves eine vierfache symbolische Orientierung:  die Nord-Süd-Achse der Grabdurchgänge und die Ost-West-Achse der Seitenmauern. In späteren Dynastien (19. und 20.) scheint die symbolische Bedeutung der Hauptachse der Sonnbahn entsprechend zu sein: der Sonnenaufgang im Osten und der Untergang im Westen.

Brunnenschacht:

Der Brunnenschacht bzw. der Schachtraum könnte erbaut worden sein, um die periodisch wiederkehrenden, dann sintflutartig auftretenden Regenfälle vor der Sargkammer abzuhalten. Symbolisch sollte dieser Schacht wohl das Grab des chthonischen Unterweltgottes Sokar darstellen. Oftmals kursiert das Gerücht, dass diese Schächte die Grabräuber in die Irre führen sollten, bzw. diesen als Falle dienen sollte. Als Gegenargument kann das Verschließen der Rückwand (Durchgang) der Sargkammer angeführt werden. Diese wurde nach der Bestattung des Pharaos in aller Eile verschlossen und dekoriert, was zu Differenzen in der Dekoration führte, die visuell Hinweise auf eine nachfolgende Kammer gaben (M. Seidel 1997).

Farben:

In den Gräbern des Tals der Könige wurden nur 6 Farben benutzt:

  • Schwarz: symbolisierte den Tod und das ewige Leben (gewonnen aus Kohle)

  • Rot: symbolisierte Feuer und Blut sowie den Abend- und Nachtweg (Herstellung aus rotem Ocker)

  • Blau: symbolisierte den Himmel und die dort lebenden Götter (künstlich gewonnen)

  • Gelb: symbolisierte das Gold, das Fleisch der Götter und die Tagesfarbe der Sonne (Herstellung aus gelbem Ocker)

  • Grün: symbolisierte das Weiterleben nach dem Tod (gewonnen aus Kupfer)

  • Weiß: symbolisierte Silber

Um weitere Farben  oder Schattierungen zu Erhalten wurde diese 6 Farben auch untereinander vermischt

 

Dekorationen:

Während der 18. Dynastie wurden nur der Sarkophagraum mit der Pfeilerstellung und der Schachtraum dekoriert. Diese wurden so dargestellt, dass sie einer geöffneten Papyrusrolle des Amduat-Buches ähnelten. Ab der 19. Dynastie änderte sich das Bild ganz entscheidend: Sämtliche Bereiche des Grabes wurden mit Abbildungen und Darstellungen verziert. Durch diese Dekorationen wurde für den verstorbenen Pharao ein "eigenes" Jenseits  geschaffen, das an den Wänden des Grabes abgebildet wurde. Zunächst wurde nur die Unterwelt dargestellt, später kamen jedoch auch Himmelsdarstellungen und Zeichnungen des gesamten Kosmos dazu. Reeves unterschiedet hier drei Hauptthemen:

  • Die Bahn der Sonne unter der Erde (18. Dynastie)

  • gleichmäßige Betonung der Himmelsbahn der Sonne; Bedeutung von Osiris und anderen Unterweltsgöttern (19.Dynastie)

  • Betonung der Sonnenbahn unter und über der Erde (20. Dynastie)

In fast allen Gräbern befinden sich Abschriften und Darstellungen der sogenannten Begräbnisbücher. Das Auftreten der einzelnen Bücher ist von Grab zu Grab unterschiedlich. So finden sich exemplarisch erste Abbildungen des Pfortenbuchs im Grab des Haremhab, dem letzten Pharao der 18. Dynastie. In den Gräbern der 18. Dynastie wurde die Unterweltsfahrt des Sonnengottes durch die Vorstellung, dass die Sonne am Abend von der Göttin Nut verschluckt wurde, um am Morgen erneut von ihr geboren zu werden, erweitert. Diese Abbildung, wonach sich im Leib der Himmelsgöttin der solare Zyklus vollzieht, wurde zunächst durch flache gestirnte Darstellungen an der Decke manifest, während dies ab dem Grab Sethos I. als "astronomische" Darstellung an einer gewölbten Decke abgebildet wurde. In der 20. Dynastie wurde diese solar-zyklische Dekoration von den Himmelbüchern abgelöst, welche als zentrales Bildmotiv die Göttin Nut zeigen, die als langgestreckte Doppelfigur den Himmel symbolisiert.

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