Einleitung: Die Nutzung der AstronomieDie Vorstellung der alten Ägypter vom Leben auf der diesseitigen und jenseitigen Welt korrelierte mit dem theologischen Glauben. Ihre ganze Umwelt, der Nil, der Kreislauf von Leben und Wiedergeburt, die Luft und das Wasser sowie das Weltbild gingen auf den Glauben an die Götter zurück. Demnach ist es nur logisch, dass selbst die Gestirne auf ihre theologischen Vorstellungen zurückgingen. Sie sahen die Götter als Personifikation verschiedener Sterne an, sahen den Gott Re oder Re-Harachte, Atum, Aton, etc. als Elemente der Sonnenpersonifikation und brachten auch Sternbilder wie den Orion mit dem Gott Osiris in Verbindung.
Auf der Grundlage der aufgezeichneten astronomischen (beispielsweise heliakischer Frühaufgang des Siriussterns) und geographischen Naturphänomene (wie die Überschwemmung durch den Nil) wurde bereits zu Beginn der dynastischen Ära, spätestens zu Beginn des Alten Reiches, ein Jahreskalender (vgl. der altägyptische Kalender) entwickelt. Diesbezüglich wurde die Astronomie zu naturphänomenalen Voraussagen genutzt, zum Erstellen notwendiger Listen um die Zeit, d.h. Tages – und Nachtstunden zu berechnen (vgl. Die Zeitmessung – Gegenwart und Ewigkeit) und möglicherweise auch um astrologische Erkenntnisse zu gewinnen. Der ägyptische Kalender und die Astronomie des Himmels Aufgrund der astronomischen Beobachtungen gelang den alten Ägyptern die Einteilung des Jahres in Monate, Jahreszeiten und sogenannte Dekane. Dies geschah – so Beckerath (1997) wahrscheinlich im 29. Jahrhundert v.Chr. Sie teilten das Jahr, das 360 Tage zuzüglich der 5 Epagomenentage, in 3 Jahreszeiten zu je vier Monaten ein. Die Tages- und Nachtstunden waren nicht gleich lang, sondern variierten je nach Jahreszeit, wonach man sie auch als „Temporalstunden“ bezeichnet. Ausführliche Informationen zu dem altägyptischen Jahreskalender findest du hier Auf der Grundlage dieses Jahreskreislaufs teilten sie auch den Himmel in eine Kreisform ein. Dieser Himmelskreis beruhte demnach auf den 360 Tagen des Jahres (ohne die Epagomenen), woraufhin dieser in 36 Abschnitte, sogenannte Dekane geteilt wurde. Jede Dekade wurde dabei einer Gruppe besonders heller Sterne zugeordnet, den Dekansternen, deren Aufgang am Nachthimmel von den Astronomen beobachtet wurde. Zu diesen Dekansternen zählen beispielsweise einzelne Sterne des Orion oder der Sothisstern (dessen Aufgang nach 70 Tagen, an welchen er nicht zu sehen war, die Nilflut ankündigte). Durch die konstanten Beobachtungen fiel schließlich auf, dass sich der Aufgang einzelner Dekansterne nach 10 Tagen um eine Stunde verschob. Dies bedeutet, dass ein Dekanstern nach 10 Tagen genau eine Stunde früher aufging. Anhand dieser Entdeckung entwickelten die alten Ägypter sogenannte Dekan- oder Sternuhren, mit welchen man die Nachtstunden bestimmen konnte. Die Aufgabe des Astronomen nach Har-ChebiDer nachfolgende Text wurde auf der Statue des Astronomen Har-Chebi gefunden, welcher uns über die Aufgaben eines Astronomen im Alten Ägypten aufzuklären versucht:
Aufgabe der AstronomenDen Astronomen oblag die Aufgabe der Beobachtung der Himmelskörper um daraus zum Einen die Nachtsunden abzulesen, zum Anderen um die Nilflut oder andere Naturphänomene vorauszusagen. Sie tätigten spezielle Aufzeichnungen und konnten so den Himmel und die verschiedenen Sternkonstellationen über Jahrhunderte beobachten. Anhand ihrer Beobachtungen stellten sie sogenannte Sterntafeln her und konstruierten Zeitmesser, welche die unterschiedliche Längen der tages- und Nachtsunden wiedergaben.
Das Gnomon setzte sich aus einem Lineal mit rechtem Winkel, an welchem ein Lot befestigt war und einem Visierstab mit Schlitzvisier zusammen (siehe Bilder unten). Mit diesem Handwerkszeug ausgerüstet konnten sie die aktuelle Stunde bestimmen (vgl. Höber-Kamel).
Visierstab nach Borchardt: © H. Rau
Die PlanetenkenntnisAus verschiedenen Gräbern und deren Darstellungen wissen wir, dass die alten Ägypter bereits 5 der Planeten unseres Sonnensystems kannten. Als exemplarisch gilt hierfür der Sarg eines gewissen Huni aus dem Mittleren Reich. Wie alle Himmelskörper verbanden die Menschen auch die Planeten mit verschiedenen Göttern. Die Planeten galten als Erscheinungsform verschiedener Götter. So wurden drei von ihnen mit verschiedenen Aspekten des Gottes Horus identifiziert, einer mit dem Gott Seth und die Venus galt allgemein als "Überquerer", später wurde sie auch als „Gott des Morgens“ in ihrer Erscheinung als Morgenstern bezeichnet:
Hieroglyphen nach R. Hannig: als wird „H“ geschrieben, für „S“, für „x“
Astronomische Darstellungen in den Gräbern des NR Viele Totentempel, exemplarisch das Ramesseum oder Medinet Habu, sowie Gräber und Särge sind mit astronomischen Darstellungen – speziell des Nachthimmels - bemalt und geschmückt worden. Bevorzugt findet man diese Abbildungen in den Särgen des Mittleren Reiches und der Spätzeit, sowie in den Totentempeln und Grabkammern des Neuen Reiches. Die wichtigsten astronomischen Elemente sollen im Folgenden aufgelistet werden:
Eine Abbildung des südlichen und nördlichen Sternhimmels findet sich beispielsweise im Grab Sethos I. Die Sterne des südlichen Himmels stellen die Dekansterne dar, die von der Göttin Isis geleitet wird. Isis gilt hier als Erscheinungsform der Göttin Sothis (vgl. Höber-Kamel).
Eine weitere astronomische Decke – die auch die bisher älteste gefundene darstellt – ist jene im Grab Senen-muts, des bedeutsamsten Staatsbeamten unter Hatschepsut (siehe Bild unten). Hier sehen wir im südlichen Sternenhimmel Darstellungen des Osiris und der Isis in ihren Erscheinungsformen als Sterngötter, sowie die Planeten Jupiter, Saturn, Merkur und Venus in Göttergestalt (der Mars fehlt).
Darstellung des nördl. und südl. Sternenhimmels im Grab des Senen-mut Bildquelle: http://www.maat-ka-ra.de Astronomie in der Perserzeit der „Zodiak“ In der spätägyptischen Zeit wurde das astronomische Denken und die Darstellungen mit babylonischen und griechischen Eigenschaften in Verbindung gebracht. Eine der bekanntsten Darstellungen diesbezüglich ist der sogenannte „Zodiak“, der beispielsweise im Hathortempel von Dendera abgebildet wurde. Der Zodiak (Bild unten) stammte aus der griechisch-römischen Epoche und zeigt die Darstellung des babylonischen Tierkreises. Das Original befindet sich heutzutage im Pariser Louvre. Die ägyptischen Dekane wurden hier in die babylonische Abbildung eingeflochten, indem sie nicht mehr die Nachtsunden anzeigten, sondern indem jeweils drei Dekangruppen einem Tierkreiszeichen zugeordnet wurden. Die großen Pyramiden und das Orion-MysteriumÜber Jahre wurde in der Fachwelt darüber gerätselt, wie es zu der Anordnung der drei großen Pyramiden von Giseh kam. Zwei – die Cheops und die Chephren-Pyramide - stehen genau auf einer Linie, während die Dritte – die Mykerinos-Pyramide – von dieser Linie abweicht. Alle drei Erbauer gehörten ein und der selben Familie an. Sollte die Konstellation tiefere Bedeutung haben? Aber dies war nicht alles. Es kam sogar soweit, dass vermutet wurde die „Luftschächte“, welche Gantenbrink mit Hilfe seines Roboters „Upuaut“ erforschte, zeigten auf verschiedene Sterne, was schließlich den Ausschlag für die nachfolgend diskutierte Theorie gab. 1994 erschien ein Buch, das den Anspruch erhob dieses Rätsel der Konstellation gelöst zu haben: Bauval/Gilbert: „Das Rätsel des Orion“. Es schien, dass die Pyramiden von Giseh sich zueinander verhalten, wie die Gürtelsterne des Orion, was untenstehendes Bild veranschaulichen soll. Bauval erfuhr weiterhin, dass der Pharao mit dem Totengott Osiris identifiziert wurde, der gleichzeitig auch durch den Orion (Sahu) symbolisiert wird. Bei näherer Untersuchung konnte er feststellen, dass die beiden großen Pyramiden (Cheops und Chephren) „gleich“ hoch sind. Dies scheint tatsächlich, da die Chephren-Pyramide auf einem höheren Felsen erbaut worden ist, und damit trotz der 3 Meter geringeren Höhe, scheinbar genauso hoch ist wie die seines Vorgängers Cheops. Als erstaunlichen Beweis für die Theorie, dass die Pyramiden gemäß dem Orion Sternbild erbaut wurden, führte er demnach weiterhin an, dass die beiden Sterne des Orion, die beide auf der selben Linie liegen, heller sind als dritte und dazu noch gleich hell.
© http://www.alien.de/doernenburg/Orion1.html
Der dritte Stern ist damit ca. 50% lichtschwächer als die beiden anderen Sterne (vgl. Dörnenburg). Laut Dörnenburg stimmt die Neigung des Oriongürtels nicht mit der Neigung der Pyramide gegenüber dem Äquator überein. Damit diese beiden Neigungen übereingestimmt hätten – hinsichtlich der Voraussetzung, dass die Ägypter wirklich versucht hätten den Oriongürtel mit Hilfe der Pyramiden nachzubauen – hätten die Pyramiden zu einer anderen Zeit erbaut werden müssen. Die Zeit der Übereinstimmung wäre 10500 v.Chr.!!! In dieser erstaunlichen Zeit, die theoretisch 6000 Jahre vor dem bisher vermuteten Baujahr gewesen wäre, zeigte seltsamer Weise auch der Schacht der Königinnenkammer genau auf den Siriusstern. Orion als Erscheinungsform des Osiris und der Sirius- bzw. Sopetstern haben auch in der altägyptischen Mythologie eine besondere Bedeutung: Wie bereits erwähnt stellt der Orion Sahu) die Erscheinungsform des Osiris dar, während der Siriusstern Sopet, die Erscheinungsform der Isis (der Gemahlin des Osiris) symbolisiert. Sollte dieses mythologische Denken sich im Pyramidenbau niederschlagen? Neben diesen Feststellungen wurden auch andere Pyramiden auf den Orion bezogen, so dass sich ein „komplexes“ Bild ergeben würde. Kann es ein, dass die Ägypter ihre Astronomie-Kenntnisse nutzen um das Bild des Orion durch die Pyramiden auf der Erde nachzubauen? Da Antwort hierzu lautet Nein!!!! Eine sehr gute und ausführliche Erklärung hierzu findest du unter http://www.alien.de/doernenburg/Start_js.html
Quelle der Konstruktionsbilder: HP von Karl Schwarzinger
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