Der Aton Kult

Die Entwicklung der Sonnentheologie

Echnaton und Aton

Konsequente Verkündung der Königsherrschaft eines Gottes

Der Aton-Kult ein Monotheismus?

Die besondere Rolle Echnatons und seiner Familie

Jenseitsvorstellungen im Aton-Kult

 

Die Entwicklung der Sonnentheologie

Die Erhebung Atons an die Spitze des ägyptischen Pantheons und die Theologie der Amarna-Epoche kam nicht von heute auf morgen und nicht durch Echnaton alleine. Der theologische Hintergrund geht bis in die frühe 18. Dynastie zurück, etwa bis zu Hatchepsut und entwickelte sich stetig weiter bis sie unter Echnaton schließlich den Höhepunkt erreichte. Der Gott Aton (jtn) erscheint auch nicht erst zu Echnatons Zeiten, sondern wurde seit jeher von den Ägyptern als eine spezielle Erscheinungsform der Sonne bzw. des Gottes Re angebeten.

Aton stellte für die Menschen den "realen [...] sinnlich fassbaren Aspekt des Sonnengottes dar, der jedem Tag von Neuem in seiner Barke den Himmel überquert und Licht und Leben spendet" (Höber-Kamel in Kemet 1/2002). Durch seine "Kraft" wurde demnach erst das Leben ermöglicht, denn ohne das Sonnenlicht würde kein Leben existieren. Bereits in der 5. Dynastie wurde der Sonnenkult in Bezug auf den Gott Re überaus wichtig, da Atum bzw. auch Re durch den Schöpfungsmythos von Heliopolis an die Spitze des ägyptischen Pantheons gestellt wurde.

[Nach dem Schöpfungsmythos (=Kosmogonie) von Heliopolis ("Enneade von Heliopolis") entstieg Atum (in manchen Erzählungen auch Re), der Schöpfergott, als Singularität dem präexistenten Urgewässer Nun, ließ einen Urhügel entstehen und ließ sich auf diesem nieder. Später wird Heliopolis mit dem Urhügel gleichgesetzt. Nachdem nun das Wasser und der Schöpfergott existierten, begann Atum aus sich selbst die Elemente der Schöpfung hervorzubringen. Dabei wurde die Luft und Feuchtigkeit, der Himmel und die Erde geschaffen, die zyklische Zeit aktiviert und die lineare Zeit durch die Entstehung von Dies- und Jenseits in Gang gesetzt].

 Im Mittleren Reich hatte die Sonnentheologie weiterhin Bestand, so dass der Sonnengott immer noch als Schöpfer der Welt galt. Dies wird durch folgenden Text deutlich:

 

Wohlversorgt sind die Menschen, das Kleinvieh Gottes; ihretwegen erschuf er Himmel und Erde; und erschuf die Luft damit ihre Nasen leben. Ihnen zuliebe geht er am Himmel auf, für sie erschafft er Pflanzen und Tiere, Vögel und Fische, damit sie zu essen haben. Ihnen zuliebe lässt er es Licht werden, um sie zu sehen, fährt er am Himmel dahin. Er errichtete sich eine Kapelle hinter ihnen, wenn sie weinen hört er. Er schuf ihnen Herrscher im Ei, und Befehlshaber um ihren Rücken zu stärken.

(aus der Lehre für Meri-Ka-Ra, gekürzt)

 

Textquelle: Höber-Kamel in Kemet 1/2002

 

Obwohl Re an der Spitze des ägyptischen Pantheons stand, verloren die anderen diversen Götter nicht ihre Funktion oder ihre Stellung. Im Neuen Reich trat schließlich Amun an die erste Stelle der Götter und wurde an den Ursprung der Entstehung der Welt gesetzt. Dies geschah indem Amun "der Verborgene" in der Kosmogonie von Hermopolis ("Ogdoat (Achtheit) von Hermopolis") an die Stelle des Schöpfergottes gesetzt wurde. Die Hermopolitaner sahen ihn am Ursprung des Weltgeschehens, wodurch er zu den Urgöttern gezählt wurde.

 Demnach trat er in eine Art Umformungsprozess ein, der ihn an die Spitze des ägyptischen Pantheons brachte. Amun stellte die elementare, verborgen bleibende Lebenskraft dar, die als Singularität entstand und in Raum und Zeit fassbar wurde. Um seine Position als Ur- bzw. Schöpfergott zu festigen, verschmolz Amun in nachfolgenden Zeiten mit verschiedenen anderen Göttern, wie Min, Atum oder Ra. Die Verschmelzung der Götter Amun und Ra zu einem Gott, nämlich Amun-Ra, ist dabei wohl die wichtigste, denn so existierte die personifizierte Schöpferkraft weiter.

Wie wir gesehen haben, war die Sonnentheologie durch alle Dynastien hinweg von großer Bedeutung. Der Sonnengott stellte den Weltschöpfer dar, der alles Leben ermöglicht. Demnach ist es durchaus logisch, dass Personifizierungen des Sonnengottes einen hohen Stellen wert in den altägyptischen Glaubensvorstellungen inne hatte. Nach E. Hornung wurden die Weichen für die religiöse "Revolution" Echnatons bereits von Theologen und Dichtern am Hofe Amenhotep I. und seines Nachfolgers gesetzt (vgl. Clauss 2001). Der Gott Aton – als weitere Personifizierungsform des Sonnengottes – bekommt insbesondere durch Amenhotep III. (den Vater Echnatons) eine große Bedeutung (El-Mahdy 2000).

Dadurch wuchs Echnaton bereits mit Aton-Glauben auf, auch wenn dieser seine "extreme" Ausbildung erst unter der Herrschaft Echnatons erfuhr. Amenhotep III. verehrte neben Aton dennoch alle anderen Götter, wodurch Aton als "ein" Gott neben anderen existent war. Die Verehrung anderer Götter durch Amenhotep III. bis zu seinem Tod (im 37. Regierungsjahr) zeigt beispielsweise ein Relief im Grab des Cheriuf in Theben, wo Amenhotep III. als "geliebt von Sokar" bezeichnet wird. Teje (Echnatons Mutter) und Echnaton – Amenhotep IV. – werden opfernd vor anderen Göttern abgebildet, wonach die Ächtung anderer Götter auszuschließen ist.

 

Echnaton und Aton:

In Echnatons Glaubensvorstellung gewann Aton als Erscheinungsform der Sonne eine sehr hohen Stellenwert, so dass (später) alle anderen Personifikationen der Sonne bedeutungslos wurden. (Laut Schlögl (1993) blieben die solaren Gottheiten wie Re, Harachte oder Schu zunächst noch präsent, wobei in den ersten Regierungsjahren vor allem die Totengötter wie Osiris, Sokar oder Tatenen verschwnaden). Da Aton demnach der Weltschöpfer wurde und alles Leben durch seine Sonnenstrahlen ermöglicht, wurden auch die anderen Götter (regional und überregional) überflüssig.

   Es ist durchaus verständlich, dass Aton diese Position einnahm, denn er war auch der einzige, der sich den Menschen in Form der Sonne offenbarte, während andere Götter "verborgen" blieben. Durch die alleinige Anbetung Atons und die Überflüssigkeit und Bedeutungslosigkeit anderer Götter manifestiert sich Echnatons Theologie soweit, dass schließlich alle anderen Götter verleumdet werden und der Monotheismus in Ägypten (für eine kurze Zeit) Einzug hält. Dieser Übergang von einer henotheistischen Lehre zu einer monotheistischen (die unter Echnaton zum ersten mal in der Menschheit stattfand) kann nach Schlögl in die Regierungsjahre 6 bis 12 datiert werden. Doch war es überhaupt ein Monotheismus?

 

 

Konsequente Verkündung der Königsherrschaft eines Gottes

Echnatons theologische Vorstellungen wurden immer radikaler, was zu Änderungen des Namens von Aton führte (vgl. Höber-Kamel 2001), der dadurch eindeutig zu einem Gott als "Pharao" wurde: 

vor dem Jahr 8:

"Es lebe Ra, Horus der beiden Horizonte, der sich am Horizont erfreut/in seinem Namen als Sonnenlicht, das Aton ist"

Nach dem Jahr 8:

"Es lebe Ra, Herrscher der beiden Horizonte, der sich am Horizont erfreut/in seinem Namen als der Vater Ra, der als Aton kommt"

(Übersetzung nach Höber-Kamel)

Die Namensänderung bezieht sich auf verschiedene Details. Zunächst ist mit Ra, Herrscher der beiden Horizonte in der ursprünglichen Form "Re-Harachte" gemeint. Da Re-Harachte aber als Namensteil "Horus" inhärent hat, wurde Harachte durch Herrscher der beiden Horizonte ersetzt.

Weiterhin wurde nach dem Jahr 8 der Zusatz "schu" (hier das Sonnenlicht in der ersten Variante) durch "der Vater Ra" ersetzt. Schu bedeutet zwar auch das Sonnenlicht, ist jedoch gleichzeitig der Name des Gottes Schu. Im Zuge der religiösen Umwälzung konnte der Terminus "schu" nicht weiter in dem Namen existieren, so dass eben die genannte Ersetzung eingeführt wurde. Durch diese Veränderung musste auch der letzte Teil des Namens verändert werden, da der ursprüngliche (erste Variante) Schluss nun nicht mehr passte. Durch "der als Aton kommt" konnte erneut eine "Passung" erreicht werden.

El-Mahdy (2000) geht ihrerseits davon aus, dass die Sonnenscheibe vor dem "it" (= Vater) nun als "Aton" gelesen wird und dass die Sonnenscheibe in diesem Fall als Determinativ für "it" steht. Als Grund für diese Annahme sieht die Ägyptologin die Einzigartigkeit des Aton unter Echnaton, da durch die weitere Verwendung von "Re" die Einzigartigkeit des Aton verloren geht (El-Mahdy 2000, S.255). Demnach müsste die göttliche Titulatur nach dem Jahre 8 gelesen werden als:

"Es lebe Aton, Herrscher der beiden Horizonte, verehrt am Horizont in seinem Namen als Vater, der gekommen ist als der Aton"

 

  

Laut Schlögl (1993) erhielt Aton als Allgott und Weltschöpfer eine Königstitulatur (siehe oben), wobei die Namen  - gemäß aller Königsnamen - in Kartuschen geschrieben wurden. Um den königlichen Aspekt zu betonen wurden weiterhin Regierungsjubiläen des Gottes gefeiert, wodurch die königliche Ideologie mit der religiösen verbunden wurde.

Für Echnaton existierte nur ein Gott der durch keine anderen Götter eine "Verunreinigung" erfahren durfte. Aton war in der Armana-Theologie überall präsent. Dargestellt wurde er als konkave Sonnenscheibe mit Uräus, von der Strahlen ausgehen, welche in Form von menschlichen Händen enden, die wiederum ein anch (in seltenen Fällen auch ein was-Zepter) halten (siehe Bild links). Die Armana-Familie wurde stets unter diesen licht- und lebensspendenden Strahlen dargestellt. 

 

Der Aton-Kult ein Monotheismus?

Um Aton gebührend anzubeten, verlagert Echnaton die Hauptstadt Theben an einen Ort, an dem zuvor noch kein anderer Gott angebetet wurde: Achit-Aton (Horizont des Aton). Nach Echnaton Auffassung herrschte schließlich Ra in Form des Aton über die ganze Welt. Vor einigen Zeiten gingen noch viele Wissenschaftler von der Annahme aus, dass der Aton-Kult eine monotheistische Lehre war. Diese wurde durch den radikalsten Schritt Echnatons  - nach der Namensänderung Atons - angenommen, indem er alle anderen Götter ächtet, deren Namen und Darstellung tilgt und somit die physische Existenz der Götter vernichtet. 

 Nach El-Mahdy (2000, S.256) besteht jedoch ein "verbreiteter Irrglaube" wenn man davon ausgeht, dass Echnaton alle anderen Götter im Laufe seiner Regierung ächtete. Dies macht die Autorin vor allem an den gefunden Götterfiguren in Achit-Aton (dem heutigen Tell-el Amarna) fest. Nach dem Grabungsbericht des britischen Teams, der unter dem Titel "City of Akhnaten" erschienen ist,  wurden folgende Figuren anderer Götter gefunden:

Haus Nummer Ausgrabungsjahr gefundenes Artefakt
0.49.23 1922 Skarabäen; 2 Affen
0.49.23 1922 Hathorkopf
K.51.1 1922 Isisplakette aus Bronze; Isiskopf mit Sonnenscheibe
K.51.2 1922 Bes-Amulett
M.50.15 1922 Bes-Amulett
N.49.12 1921 2 Bes-Figuren aus Fayence
N.49.20 1921 Horus-Auge
0.47.17 1922 Isis-Figürchen
0.47.18 1922 Isis-Figürchen
0.49.22 1921 Skarabäus mit eingraviertem Sphinx

(Tabelle nach El-Mahdy 2000, S.257)

Daneben wurde weitere Artefakte gefunden, wie beispielsweise ein Bildnis der Hathor, Plaketten mit Namen von Amun und/oder Hathor, Horus- und Udjat-Augen, usw. Hierbei stellt sich jedoch die Frage ob es erlaubt war, Figuren anderer Gottheiten zu nutzen oder ob dieser Besitz "heimlich" war. Nach Auffassung von Christine El-Mahdy war Aton lediglich ein Lokalgott der in Achit-Aton verehrt wurde wie etwa Hathor in Dendera oder Amun in Theben. 

Bei genaueren Recherchen findet sich jedoch eine Fülle von Götter, Bildnissen und Namen die scheinbar nicht verfolgt wurden. Hornung schreibt diesbezüglich, dass die Verfolgung wenig konsequent blieb.

 

Echnaton als Schu:

 Nach der altägyptischen theologischen Vorstellung hat der Sonnengott Re die Welt erschaffen und die Herrschaft seinem Sohn Schu übergeben. Statuen Echnatons (im thebanischen Sonnentempel), zeigen, dass er die vier Straußenfedern - die zur Ikonographie des Gottes Schu gehören - trägt, wonach er scheinbar die Rolle des Gottes Schu (als Sohn Res) für sich beanspruchte.  So wird Echnaton auch in einem Gebet eines königlichen Beamten angesprochen als "Du bist Schu, ich lebe von deinem Anblick" (vgl. R. Krauss 2000). Diesbezüglich benannte Echnaton sich selbst zeitweise als "Ältester Sohn des Sonnengottes", was der mythologischen Vorstellung "Schu als Sohn des Res" gleichkommt.

Atum:

Wenn das Postulat "Echnaton sei ein Monotheist gewesen" der Wahrheit entsprechen würde, so hätten alle anderen Götter - außer Aton - vernichtet werden müssen. Allerdings ergibt sich ein anderes Bild. Echnaton verschonte beispielsweise den Gott Atum, einen alten ägyptischen Sonnengott. Der Schwerpunkt des Atum-Kultes lag in Heliopolis, wo Bruchstücke ausgegraben wurden, welche Echnaton in Verehrung vor dem Gott Atum abgebildet wurde.  Diese Tatsache ließ unter anderem die Ägyptologen vermuten, dass Echnatons Sonnenreligion auf den Sonnenkult von Heliopolis zurückgeht (vgl. R. Krauss 2000). 

Osiris:

Allgemein wird behauptet, dass gerade der Name und die Darstellung von Osiris (und Amun) getilgt wurden. Dies muss jedoch teilweise widerlegt werden. In dem Totentempel von Amenhotep III - dem Vater Echnatons - blieb der Totengott Osiris unangetastet, auch wenn er sonst auf thebanischen Abbildungen entfernt wurde. Dies lässt die Vermutung zu, dass das Bildnis vielleicht vergessen wurde. Aber auch in den thebanischen Gräbern - die von der Tilgungsaktion nicht verschont wurden - blieben Darstellungen des Osiris erhalten. Als Beispiel hierfür können die Gräber der Beamten Neb-Amun und Ipuki angeführt werden (vgl. ebd.).

Ptah und Sokar:

Echnaton ließ im Laufe seiner Tilgungsaktionen nicht nur Namen und Darstellungen aushacken, sondern ließ Bildnisse umarbeiten. So wurde beispielsweise die Darstellung des Amun im Totentempel seines Vaters in die Gestalt des Ptah modifiziert. Der Hauptkutort des Ptah war Memphis, die "zweite" Hauptstadt Ägyptens. Hier konnte keine einzige Tilgung des Namens oder der Gestalt von Ptah festgestellt werden. Weiterhin wurde Ptah, Osiris und Sokar in der Vereinigung "Ptah-Sokar-Osiris" verehrt. Darstellungen des dreigestaltigen  Totengottes finden sich wiederum im Totentempel Amenhoteps III. so dass - nach Krauss - zwingend angenommen werden muss, dass Echnaton die Verehrung dieses Gottes duldete. 

Thot:

     Thot war der Gott der Schreiber, des Wissens und galt als Erfinder der Schrift und Sprache. Weiter wurde er als Mondgott verehrt und in Gestalt eines Mannes mit Ibiskopf abgebildet. Nach Hornung wurde Thot insbesondere von der Tilgung und physischen Vernichtung verschont, was auch Krauss bestätigen kann. In ganz Ägypten, Amada und Hermupolis gibt es kaum Tilgungen seiner göttlichen Person.

Uto:

Sie galt als Landesgöttin Unterägyptens und wurde in einer Schlangegestalt abgebildet. Ihr Heimatort war Buto. Uto und die Geiergöttin von Oberägypten (Elkab), Nechbet, waren die "beiden Herrinnen der beiden Länder". Sie sollten dem König Schutz verleihen. Als Schlangengöttin sollte sie Fruchtbarkeit schenken. Nechbet war die Hauptgöttin der südlichen Nachbarprovinz von Theben und stand in einer "familiären" Beziehung zu Amun. Aus diesen verwandtschaftlichen Verhältnissen resultiert die konsequente Zerstörung ihrer Namen und Bildnisse. Uto, ihr Pendant, blieb jedoch unverschont. Uto galt sowohl als Symbol der Roten Krone Oberägyptens, als auch als Kobraschlange (Uräus) an der Krone von Königen und Königinnen. Sie galt als göttliche Partnerin des Sonnengottes Re, was wahrscheinlich für die Verschonung verantwortlich war.

 

Aus den dargestellten Befunden kann eindeutig geschlossen werden, dass nicht alle Götter Ägyptens  - außer Aton selbstverständlich - geächtet wurden. Die konsequente Vernichtung bezog sich auf die thebanische Göttertriade (Amun, Mut, Chons), wobei insbesondere versucht wurde die Existenz Amuns als "König der Götter" zu beseitigen. Demnach blieben andere Gottheiten und göttliche Personifikationen neben Aton bestehen. Montserrat hält ebenso fest: „ ... Akhenaten’s  ‚monotheism’ could accept gods other than Aten – as long as they fitted in with royal ideas about self-representation" (Montserrat: Akhenaten, S. 38.) Hinsichtlich der oben genannten Belege kann nicht von einer reinen monotheistischen Lehre die Rede sein. Die Tatsache, dass viele Kulte in Ägypten unbehelligt weitergeführt wurden, lässt den Schluss zu, dass Echnaton dem Polytheismus lediglich eine neue Gestalt gab, in der es für die thebanische Göttertriade keinen Platz gab. Dementsprechend sprechen viele Ägyptologen und Theologen von dem so genannten HENOTHEISMUS, bei dem es lediglich eine theologische und kultische Konzentration auf eine Gottheit gibt, wobei andere Gottheiten und göttliche Personifikationen jedoch nicht ausgeblendet werden. Nach Montserrat hat dies nichts mit dem Monotheismus zu tun. So dass die Einschätzung des Aton-Kults als früheste Form des Monotheismus verworfen wird (vgl. Montserrat: Akhenaten, S. 41).

 

Die besondere Rolle Echnatons und seiner Familie:

Amenhotep IV. Echnaton hat eine besondere Rolle innerhalb der Armana-Theologie inhärent. Er versteht sich als den Sohn des Sonnengottes Ra (wie auch alle anderen Pharaonen, was demnach nichts ungewöhnliches ist), der aber als einziges Lebewesen in der Lage ist "[...] das Werk seines göttlichen Vaters zu begreifen und das Wunder der Schöpfung zu verstehen." (Höber-Kamel in Kemet 1/2002). Demnach darf er als Einziger (ausgenommen seine Familie) direkt zu Aton beten, ihm opfern und huldigen.

Alle anderen Menschen müssen ihre Gebete an Echnaton richten, wonach dieser sie Aton vorbringt. Er ist somit die einzige Instanz die unmittelbaren Kontakt zu dem Gott hat. Aton ist demzufolge kein persönlicher Gott, den alle Menschen mit ihren Gebeten erreichen können. Neben Echnaton ist lediglich Nofretete und seinen Töchtern ein direkter Kontakt gewährt. Durch diese Regelung wird die königliche Armana-Familie mit den "verleumdeten" Göttertriaden (etwa Amun, Mut und Chons) gleichgesetzt, wodurch sie gleichsam deren Rolle ausüben und einnehmen. Die Darstellung der königlichen Familie innerhalb des Kultes ersetzt danach - so Hornung - die einstige mythologische Konstellation.

Im Gegensatz zu der großen Schar an Priestern, die unter anderen Pharaonen in bestimmten Kulten tätig waren (wie Amun-Priester, Min-Priester, etc.) gab es unter Echnaton eine sehr überschaubare Anzahl an Priestern, die lediglich assistierende Aufgaben inne hatten. Echnaton selbst führte die Kulte, Opferhandlungen, Gebete, etc. aus, wonach die Priester eine eher untergeordnete Funktion hatten.

 

Jenseitsvorstellungen im Aton-Kult:

Innerhalb der Armana-Theologie gab es durchaus die Vorstellung vom Jenseits. Die Menschen bzw. die Ba- und Ka-Seelen kamen aber nicht – wie ursprünglich, nachdem ihre Herzen gegen die Feder der Maat gewogen wurden, und diese Prüfung bestanden war - in die Gefilde des Jaru, sondern verharrten in der Nacht in ihren Gräbern um am Tage sich von den Mumien zu lösen und unter anderem im Aton-Tempel zu speisen (nach E. Hornung liegt das Totenreich im Aton-Tempel, wo der Ba mit neuer Lebensenergie versorgt wird). Laut Höber-Kamel (2002) ist das Jenseits nach Echnatons Vorstellung hingegen nicht genau erklärbar. Das Leben nach dem Tod "spielte sich in einer abstrakten, nicht näher spezifizierten Gegenwelt zum Diesseits ab".

Feststeht dennoch, dass die Nacht weiterhin gefährlich blieb, da Aton nicht über seine Geschöpfe wachen konnte. Die Seelen ruhten bei ihren Mumien in einem todesähnlichen Zustand, um bei erneutem Aufgang der Sonne neue Lebensenergie im Aton-Tempel (nach Hornung) zu erhalten. Da zum Einen die Vorstellung des Totengerichts vor Osiris verschwindet, zum Anderen demnach die Bezeichnung "Osiris" für einen Gerechtfertigten ("maa cheru" = wahr an Stimme) (gerechtfertigt = die Prüfung vor dem Totengericht erfolgreich bestanden) nicht mehr vorhanden war, musste es neue Wege geben, um in Echnatons Jenseits zu gelangen und sich dafür zu "qualifizieren". In der Vorstellung der Armana-Theologie wurde die Rechtfertigung vor Osiris (Totengericht) gegen die Loyalität dem Pharao gegenüber ersetzt. Dies bedeutet, wer Echnatons Ideologie unterstütze, an Aton glaubte und seine Gebete an den Pharao richtete, konnte auf das ewige Leben hoffen (vgl. Hornung).

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