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Außenpolitik Echnatons
Heutzutage ist die Meinung weit verbreitet, Echnaton habe sich aus allen politischen Geschäften herausgehalten und eine pazifistische Herrschaft bestritten. Überlieferte Dokumente belehren uns eines anderen. So berichtet beispielsweise die Siegesstele von Buhen über einen nubischen Feldzug, der im Jahre 12 der Herrschaft Echnatons geführt wurde:
Der hier beschriebene Feldzug wurde möglicherweise durch Thutmosis den Vizekönig geleitet. Echnaton besetzte hohe Posten mit Menschen, die oftmals eine militärische Laufbahn beschritten (Schlögl 1993) haben und die seiner Ideologie treu ergeben waren. Der Inhalt dieser Stele ist symbolisch zu verstehen. Echnaton selber gab höchstwahrscheinlich nur den Auftrag bzw. den Befehl zum Kampf. Diese kriegerische Handlung geschah ausdrücklich auf den Befehl Echnatons, was der pazifistischen Theorie eindeutig wiederspricht. Weiterhin sind die sogenannten Amarna-Briefe bekannt, die einen guten Einblick in die außenpolitische Lage der damaligen Zeit geben. Die Verantwortung für den diplomatischen Umgang mit den Nachbarländern hatte Tutu, ein Günstling Echnatons (Schlögl 1993). Die Texte der Amarna-Briefe sind in hauptsächlich in Keilschrift geschrieben und geben die Machtverteilung im vorderasiatischen Raum wieder. Man bisher etwa 379 dieser Tontafeln gefunden, wobei einige in babylonischer, zwei in hethitischer und einer churritischer Sprache verfasst sind. Die Briefe erhalten Korrespondenzen der mitannischen Könige, der Könige von Assur und Babylonien, von Stadtfürsten in Syrien und Palästina und dem ägyptischen Königreich. Laut der Amarna-Briefe bedrohten die Hethiter unter dem dem König Suppiluliuma das Mitannireich, das mit Ägypten verbündet war. Echnaton sah jedoch keinen Grund in das militärische Geschehen einzugreifen, da die Hethiter die ägyptische Oberhoheit in Syrien und Palästina respektierten und tolerierten. Der Fürst Aziru von Amurru, wie auch der Fürst Aitakama von Kadesch gaben sich Ägypten als treue Vasallen hin, wechselten trotzdem zu den anscheinend stärkeren Hethitern über. Der "Abfall" der beiden Vasallen ereignete sich im Jahre 12 der Herrschaft Echnatons. Dennoch musste Ägypten die Oberhoheit über Mitanni erst nach Echnatons Tod abgeben. Ein weiteres wichtiges politische Ereignis wird im Grab des Merire abgebildet. Es wird ebenfalls in das Jahr 12 datiert und zeigt ausländische Gesandte, die dem Pharao Tribute zahlen. Im Vordergrund sitzt Echnaton (Nofretete befindet sich im Hintergrund), dahinter seine sechs Töchter. Die einzelnen Delegationen werden von Beamten aus Asien und Afrika vorgestellt. In dieser letzten Darstellung, auf welcher die Amarna-Familie komplett dargestellt wird, sieht man die Gaben bzw. die Tribute der Gesandten: Geparden, Gazellen und an stricken befestigte Gefangene. |