Chephren-Pyramide 

Die Pyramide

Das Innere der Chephren-Pyramide

Überblick über das Innere der Pyramide

Toten- und Taltempel

Nebenpyramide

 

Die Pyramide

Die Chephren-Pyramide (4. Dynastie) steht in unmittelbarer Nachbarschaft (südwestlich) zur großen Cheops-Pyramide. Sie setzt sich aus der Pyramide selbst, dem Totentempel, dem Aufweg und dem Taltempel zusammen (vgl. Dr. Z. Hawass 1997). Sie erreicht eine Höhe von 143,5 m (vgl.Wildung) und hatte eine Basislänge von 215 Metern. Die Pyramide des Chephren ("Chephren ist groß") ist heute in vielen Teilen besser erhalten als die seines Vorgängers Pharao Chufu (Cheops).  Zwar war die Pyramide etwas kleiner, aber dies wurde durch den 10 Meter höher gelegenen Felssockel wieder wett gemacht. Der Neigungswinkel ist etwas steiler als jener der Cheops-Pyramide: 53° 10' zu 51° 50' 40''. Laut Lehner (1997) ist an der Spitze der Pyramide eine leichte Verzerrung zu erkennen, die möglicherweise durch die ungenaue Ausrichtung der Eckwinkel herrührte. 

Pharao Chephren; 4. Dynastie. Quelle: Lehner 1997

Pharao Chefren

Heute sind noch Reste der Tura-Kalksteinverkleidung am oberen Viertel zu erkennen, wie auch Teile der einstmaligen Granitverkleidung am Sockel der Pyramide. Unter der unteren  - heute noch erhaltenen - Verkleidungslage befindet sich ein "Band" oder "Gürtel" aus gleichmäßig gestuften Kernsteinen. Die Unregelmäßigkeit der Steine stellt die Wissenschaftler vor einige Fragen, da dieses Mauerwerk bis weit in den Kern der Pyramide hineinragt. Nach Lehner könnte die Unregelmäßigkeit auf zwei Baustile oder Bauphasen hindeuten, zwischen welchen möglicherweise eine Zeit lag, in der die Arbeiten eingestellt wurden.  Eine andere Möglichkeit wäre aber auch - so Lehner - dass der Kontinuitätsverlust am Sockel der Pyramide aus technischen Gründen bewusst hergestellt wurde, ebenso die nach oben hin regelmäßigere Auslegung der Steine. 

Chephren-Pyramide Quelle: Welt der Pharaonen

An der Nord- und Westseite der Pyramide sind auf dem Felsgrund - nach Wildung - heute immer noch Spuren der Bautätigkeit, Aufmessung und Bauvorbereitung zu erkennen, so dass diese Spuren wichtige Hinweise zum Bau der Pyramiden liefern können. 

 

Das Innere der Chephren-Pyramide

Die Chephren-Pyramide enthält zunächst zwei absteigende Passagen, die sogenannte "obere" und "untere" Passage. Beide Gänge führen zu einer Kammer hinab. 

Nebenkammer. Q.: Lehner 1997

Der untere und gleichzeitig auch ältere Gang wurde in das Felsgestein des Giseh-Plateaus gehauen und beginnt - so Hawass - 68 Meter nördlich der Pyramide selbst. Beide Gänge sind durch einen weiteren Gang miteinander verbunden. 

 Das untere Korridorsystem fällt schräg zu einem 1,7 Meter hohen horizontal gelegenen Gang ab. An diesem Ende schließt sich eine Nebenkammer mit Giebeldach an. Möglicherweise diente die Kammer als Opfergabenmagazin, oder als serdab-Grab. Der untere Gang wurde wahrscheinlich zugunsten der oberen Passage aufgegeben. Der Grund für zwei Eingangspassagen ist nicht ganz eindeutig und weiterhin unter den Fachwissenschaftlern umstritten.

 

So nimmt Hawass an, der Architekt der Pyramide hätte das Bauwerk im nachhinein - nach dem Bau des ersten, unteren Gangs - die gesamte Pyramide etwas südlicher verlegt. M. Lehner vermutet hingegen, dass ein früherer Plan, der für eine breitere Pyramide spricht nur schwer vorstellbar ist, da Terrasse, Umfassungsmauer und Grundfläche einheitlich angelegt sind.  Der Autor postuliert, dass es wahrscheinlicher ist, dass  die Baumeister sich zunächst nicht eindeutig für einen Gang entscheiden konnten und so zwei Korridorsysteme entstanden. Aber auch diese Vermutung scheint nicht sehr logisch, da die Ägypter Meister der Architektur waren und dies auch eine sorgfältige Planung impliziert. 

Grabkammer; Quelle: Welt der Pharaonen

Grabkammer der Chefrenpyramide

Die obere Passage beginnt 11,54 Meter über der Grundfläche, das heißt in mitten des Mauerwerks. Beide Passagen kreuzen sich schließlich und führen auf direktem Weg in die Grabkammer (Bild) die sich auf Höhe der Terrasse befindet. Die Decke der Grabkammer besteht aus schrägliegenden Kalksteinbalken. Sie befindet sich rechtwinklig zur Achse des Korridorsystems woraufhin der Sarkophag des Chephren nahe der Nord-Süd-Achse der Pyramide aufgestellt wurde (vgl. Lehner).

Der Sarkophag selbst bestand aus schwarzem Hartgranit. Die Kanopenkrüge befanden sich wohl in einer Nische im Fußboden, welche durch eine Bodenfliese verdeckt wurde. Das Grab des Chephren wurde schließlich von Belzoni 1818 das erste mal betreten. Er musste leider feststellen, dass das Grabmal bereits vor ihm und nach der Beisetzung Chephrens aufgebrochen und betreten wurde, da selbst die Mumie des Pharaos nicht mehr im Sarkophag lag. In dessen Inneren wurden lediglich Stierknochen gefunden. Die ersten systematischen Ausgrabungen an der Chephren-Pyramide begannen unter Auguste Mariette 1869.

 

Überblick über das Innere der Pyramide

Quelle: Lehner 1997

Toten- und Taltempel

Zur Pyramide des Pharaos Chephren gehören neben der eigentlichen Pyramide sowohl ein Totentempel als auch ein Taltempel. 

Der Totentempel

Der Totentempel markiert einen echten architektonischen Fortschritt und beinhaltet alle 5 Elemente eines Totentempels die für nachfolgende Generationen zur Norm bzw. zum Muster werden sollten. Folgende Attribute gehören - nach Lehner - dazu:

  • Eingangshalle
  • Breiter Säulenhof
  • Fünf Nischen für Königsstatuen
  • Fünf Magazinkammern
  • Allerheiligstes - Stelenpaar oder Scheintür, oder beides

Um den Totentempel herum befinden sich des weiteren fünf Bootsgruben. Er wurde aus vor Ort gebrochenen Kalkstein-Megalithen errichtet, die den Wandkern bildeten (Hawass 1997; Lehner 1997). Sie wurden ihrerseits anschließend mit Steinen feinerer Qualität umkleidet. Das Innere des Totentempels besteht fast völlig aus Granit. Er ist durch einen 494,6 Meter langen Aufweg erreichbar, der seinen Anfang bzw. Ausgang am unteren Talende, am Rande des Fruchtlandes hat. Der Aufweg war durch hohe Seitenmauern gesäumt (vgl. Wildung 2001) und erreichte den Totentempel in der Nähe der südlichen Frontseite. Er verband den weiter unten gelegenen Taltempel mit dem Tempelkomplex.

Der Taltempel

Der Taltempel bezeichnet das Torgebäude zum Aufweg. Er ist besser erhalten als der Totentempel des Chephren und befindet sich unmittelbar neben dem Sphinxtempel. Er wurde aus mehreren meterstarken Kalksteinen erbaut, die einen T-Saal darstellen, dessen Wände mit Granitblöcken (Rosengranit aus Assuan) verkleidet sind (Wildung). Die Decke die ebenfalls aus Granitbalken besteht, wird von 16 Granitpfeilern getragen. Es gab zwei Eingänge - so Lehner - deren Türen aus Zedernholz bestanden. Zwischen diesen befand sich das Vestibül oder eine Vorkammer. Die Fußböden waren mit weißem Alabaster ausgelegt. 

Blick ins Innere des Taltempels. Quelle: Lehner 1997

Auf diese Vorkammer folgte der oben genannte T-Saal, der den größten Teil des Taltempels ausmachte. Die undekorierten Wände spiegeln nach Wildung eine "abstrakte Strenge" wider, da die Blöcke stereotypisch angeordnet sind und es sich keinerlei Inschriften oder Darstellungen dort befinden. In den Wänden der T-Halle wurden rechteckige Nischen angebracht, die wahrscheinlich Statuen des Pharaos beherbergten. Im Gesamtbild war der Taltempel ein düsterer Raum, da das Licht lediglich durch kleine Schlitze an den oberen Rändern der Wände eindringen konnte (Lehner). 

 

Nebenpyramide

Zur Chephren Pyramide gehörte auch eine Nebenpyramide die allerdings von Steinräubern fast völlig zerstört bzw. abgetragen wurde. Heute sind lediglich einige Kernblöcke sowie das Fundament übrig, das seinerseits auf der Zentralachse der Hauptpyramide gelegen ist.

Die Funktion der Nebenpyramiden bestand möglicherweise in der Bestattung der Ka-Statuen des Königs. Der Ka war die Lebenskraft des Körpers, die nach dem Tode zum weiterleben reaktiviert werden musste. Sie ist in etwa vergleichbar mit unserem Terminus der "Seele". In der Glaubensvorstellung der Alten Ägypter setze sich die "Seele" aus Ka und Ba zusammen.

Die Nebenpyramide beinhaltet zwei absteigende Passagen. Ein Gang führt unmittelbar auf die Pyramide des Chephren zu, endet jedoch in Form einer Sackgasse in einer kleinen Nische. In dieser kleinen Kammer fand man Überreste eines Möbelstücks. Durch das Zusammensetzen (von A. Youssef) fand man heraus, dass dieses Möbelstück einst eine Art Gotteskabine (sah netjer) aus Zedernholz war, die wohl aus rituellen Gründen in Einzelteile gestückelt wurde.