Die Arbeiter von Deir el-Medina 

 Wohnkultur, Arbeiter, Frauen

die ausgegrabene Siedlung Deir el-Medina

 

Deir el-Medina wird das Arbeiterdorf bezeichnet, aus welchem die Handwerker kamen, die an den königlichen  Gräbern arbeiteten. Die Arbeitersiedlung ist heute eines der best erhaltensten altägyptischen Dörfer und liefert somit, durch Papyri und Ostraka (Kalksteinscherben), wertvolle Hinweise auf das Leben der damals dort ansässigen Familien.

Das Dorf liegt südöstlich des Tals der Könige, über steile Bergpfade etwa eine halbe Stunde entfernt, in einer unfruchtbaren und wasserlosen, für Agrarwirtschaft geradezu undenkbar geeigneten Talsenke im thebanischen Westgebirge. Das Dorf wurde von etwa 100 Menschen bewohnt, von Frauen, Männern und Kindern. Von der theologischen Frömmigkeit der Bewohner zeugen einerseits viele Votivstelen, andererseits auch mindestens 16 Tempel, welche verschiedenen Göttern geweiht waren (Reeves 2000).

Thutmosis I. gründete in der 18. Dynastie die "Bruderschaft" (Arbeiter). Das Dorf war von einer Mauer umgeben und von Wachmännern bewacht. Nahrungsmittel wurden den hier lebenden Menschen von "außen" gebracht, so dass auch deren Versorgung gesichert war.  Das Dorf erstreckte sich in etwa auf einer Fläche von 130 Metern Länge und 50 Metern Breite.

Ausgegrabene Überreste der Wohnhäuser geben wertvolle Hinweise auf den Status der Bewohner. Viele der Arbeiter besserten ihren Lohn durch Herstellung von Möbelstücken und Grabbeigaben  auf. Diese wurden auch an außerhalb der Siedlung lebende Menschen verkauft. Zur Zeit der Arbeiten am königlichen Grab, lebten die Männer in einem provisorischen Lager oberhalb des Tals der Könige. Nur zum Wochenende und zu Feiertagen kamen sie nach Hause zu ihren Familien. Die Siedlung wurde in der damaligen Zeit set-ma'at genannt: "Stätte der Wahrheit". Die Arbeiter - die Diener an der Stätte der Wahrheit - wurden während ihrer Arbeit in zwei "Mannschaften" eingeteilt; man könnte auch sagen in zwei "Barken": die Mannschaft an Backbord entsprach dem östlichen Bezirk des Dorfes, die Steuerbord-Mannschaft dem westlichen Bezirk (Jacq 1992). Die Mannschaften wechselten sich, Inschriften zur Folge, in Perioden von 10 Tagen ab und unterstanden jeweils einem Vorarbeiter. Die Siedlung selber unterstand nur dem Pharao und der Leitung eines Wesirs.

Die Wohnhäuser der Siedlung waren weiß getüncht und aus getrockneten Lehmziegeln erbaut. Sie verfügten über einen steinernen Unterbau, bestanden konventioneller Weise aus zwei Zimmer, ein oder mehreren Schlafzimmern, Waschzimmer, Küche, Terrasse und Keller. In jedem Haus befand sich ein Altar, welcher den diversen Gottheiten und de Ahnen gewidmet war, wie auch einen Opfertisch.

Den Frauen oblagen nicht nur die herkömmlichen Pflichten der konventionellen ägyptischen Frau, sondern sie hatten oftmals auch religiöse Titel wie Chorsängerin, Priesterin oder Vorsängerin (Reeves 2000). Viele von ihnen konnten womöglich auch lesen und schreiben, da laut Reeves mindestens ein Fall belegt ist, bei welchem eine Frau (nach Abwesenheit des Vorarbeiters) die Löhne der Männer auszahlte.