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Der Horus Tempel von Edfu
Die Baugeschichte des Tempels nach den Inschriften
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Eingangspylone des Edfu-Tempels
Der Horus-Tempel von Edfu befindet sich - wie der Name schon andeutet - in der Stadt Edfu, ca. 100 km südlich von Luxor. Die Stadt selbst ist eine ehemalige Hauptstadt des zweiten Oberägyptischen Gaues. Die Stadt wurde von den Ägyptern als Djeba bezeichnet und von den Griechen und Römern als Apolonopolis Magna (Rachet 2002). Eine besondere Bedeutung - zum Einen durch den Reichtum der Stadt, zum Anderen durch die strategisch günstige Lage - ist bereits seit der frühesten Zeit belegt. Die Stadt - im Alten Reich als "Wächterin des Tores von Elephantine" bezeichnet - war wie Koptos Ausgangspunkt einer Route zwischen arabischer Wüste und Rotem Meer, wonach (fast) zwangsweise Reisende daran vorbeikamen.
Quelle: http://www.rrz.uni-hamburg.de/Edfu-Projekt/Edfuallg.html
Die "Herren" des Tempels von Edfu sind Horus von Edfu, seine Gemahlin Hathor von Dendera sowie deren beider Sohn Harsomtus (Hersemtaui). Horus ist der Sohn des Totengottes Osiris und deren Schwester Isis. Er ist der Gatte der Hathor von Dendera und Vater des Harsomtus, wobei er gelegentlich (so Gros de Beler) - in der Erscheinungsform des Falken - auch mit diesem gleichgesetzt wurde. Horus Hauptkultort ist die Stadt Edfu, wo auch sein, bis in die heutige Zeit, fast vollständig erhaltener Tempel steht: der Horus-Tempel von Edfu. Der Name Horus bedeutet "Der oben befindliche" oder "Der Ferne". Horus wurde als Vater des jeweils regierenden Herrschers angesehen, symbolisiert durch die Horusnamen des Königs, die er bei der Thronbesteigung bekam.
Horus Dass der Tempel von Edfu insbesondere für Horus gebaut wurde und diesem demnach auch geweiht ist und gehört, geht eindeutig aus den Inschriften des Tempels hervor, wo es da heißt:
Hathor: Die kuh- oder menschengestaltige Göttin mit der gehörnten Sonnenscheibe auf dem Kopf war seit der frühesten Zeit mit dem Himmels- und Königsgott Horus verbunden, worauf auch ihr Name "Haus des Horus" verweist. Sie ist die Muttergöttin, Mutter bzw. Gemahlin des Horus und gleichzeitig Mutter des jungen Königs, der von ihr gesäugt wird. Ihr solarer Aspekt wurde durch die Sonnenscheibe verdeutlicht, die zwischen ihren Kuhhörnern erscheint. Ihr Hauptkultort ist Dendera in Oberägypten. Einmal im Jahr machte sich die Göttin (deren Statue dabei von den Priestern getragen wurde) auf zu ihrem Gatten Horus, in das etwa 160 km nilaufwärts gelegene Edfu, um dort mit ihm die Wiedervereinigung (mythische Hochzeit) zu feiern, die exakt auf die achte Stunde des Neumondtages des elften Monats fällt (Gros de Beler).
Hathor selbst besitzt im Tempel von Edfu eine kleine Kapelle die ihr geweiht ist. In den Inschriften des Tempels wird sie erwähnt als " [...] die Große, die Herrin von Dendera [...]" (Kurth, 1994, 55) oder auch als "vollkommene Gebieterin" sowie als "die Goldene" (ebd.61, 48). Harsomtus:
Sie werden sich jetzt wahrscheinlich fragen um welchen Verfasser es hier geht und was das Ganze mit dem Tempel von Edfu zu tun hat. Nun, der Horus-Tempel ist - wie viele anderen auch - über und über mit Inschriften versehen. Das besondere daran ist, dass diese Inschriften insbesondere Auskunft über Baugeschichte und Beschreibung des Tempels geben, unmittelbar nachdem er gebaut wurde. Dies bedeutet für uns, dass wir Informationen "aus erster Hand" haben und die Geschichte des Baus "mit den Augen der alten Ägypter" (Kurth 1994) sehen können. Der Verfasser der Texte lebt vor mehr als 2100 Jahren in der Stadt Edfu und war - so Kurth - zum Einen einer der besten Kenner des Tempels, zum Anderen einer der hochrangigen Priester, welche die Texte entwarfen. Wie alle Priester schöpfte er sein Wissen aus Papyrusrollen, welche die Grundlage jeder Priestertradition waren. Das vielleicht seltsame - und doch konventionelle - ist, dass er seinen eigenen Namen nie erwähnt hat. Er bleibt bis in alle Zeiten anonym, lediglich sein Werk, das viele Millionen Besucher schon bezaubert hat, bleibt noch viele Jahre erhalten. Seine Inschriften liefern uns die genaue Angaben, welche uns durch die Geschichte des Tempels geleiten.....quasi "ein Reiseführer" (ebd.).
Grundriss des Tempels
Die Baugeschichte des Tempels nach den Inschriften
Aus dem inschriftlichen Text geht hervor, dass der Tempel unter Ptolemäus III. Euergetes I. begonnen wurde. Dieses Datum fällt - so Arnold - auf den 23. August 237 v.Chr. Am 10. September 142 v.Chr. wurde das Heiligtum von Ptolemäus VIII. Euergetes II. geweiht. Innerhalb dieser Zeitspanne wurde der Tempel jedoch noch noch nicht fertiggestellt. Im weiteren Verlauf der Zeit wurde exemplarisch der Pronaos (140-124 v. Chr.) vorverlegt und der Säulenhof sowie ein 36 Meter hoher Pylon (116-71 v. Chr.) errichtet (Arnold 2000, 71). Am 5. Dezember 57 v. Chr. wurden die Bauarbeiten - nach insgesamt 180 Jahren - schließlich im 25. Regierungsjahr des Ptolemaios XII. Neos Dionysos beendet. Dies bedeutet, dass elf Pharaonen in jenen tagen die Bauarbeiten verfolgen konnten und als Bauherr fungierten. So heißt es in den Inschriften über Ptolemäus IX. (ca. 110 v. Chr.):
Durch das 180 Jahre andauernde Bauprojekt gab es verschiedene Bauherren die im nachfolgenden aufgelistet werden.
Thronnamen:
Bevor der Besucher in den Tempelkomplex eintritt, wird er von zwei riesigen Pylontürmen empfangen, welche nach den Inschriften eine Höhe von 60 Ellen erreichen. "Pylontürme befinden sich davor von 120 (Ellen Länge). Die Höhe bis zu ihrer Spitze beträgt 60 (Ellen), und es ist so, daß ihre Breite von 21 Ellen auf einem jeden von ihnen zugemessen wurde, auf der rechten und auf der linken Seite. Ihre Fassade ist dekoriert worden gemäß den Inschriften und allen Anweisungen zum Abwehren der Fremdlandbewohner." (zit. n.:Kurth 1994, 60). Gemäß den Inschriften wurden die Pylontürme mit dem Bild des Königs verziert, welcher mit hocherhobenem Schwert die Feinde Ägyptens (Fremdländer) bedroht. An den Pylonen selbst befinden sich Schlitze für die sogenannte Flaggenmasten, die Isis und Nephthys symbolisieren sollten Auf die beiden Pylontürme folgt der Säulenhof, welcher - so Wildung - die architektonische Verbindung zwischen den göttlichen Sphären und der Erde darstellt. Der Hof wird von 32 Säulen umsäumt und wurde 116-71 v.Chr. erbaut. Genauere Angaben zu den Ausmaßen des Opferhofes finden sich ebenfalls in den Tempeltexten, wo steht: "Das ist dieser Hof, der vor dem Pronaos liegt, der breiter ist als (jen)er auf der einen und auch auf der anderen Seite. Er mißt 90 Ellen von Süden nach Norden und 80 von Westen nach Osten, was dem Innenmaß der Mauer entspricht, welche dieses alles umgibt." (ebd., 59). An den Opferhof schließt sich schließlich das Pronaos an. Das Pronaos ist eine dem Tempelhaus vorgelagerte Säulenhalle (äg.: Chentit), welche ab der 30. Dynastie unter den Ptolemäern und Römern - als architektonisches Tempelmerkmal - seine Blüte erreichte. Das 1,5 Meter hohe und 34 Meter breite Pronaos besteht aus 3 x 6 Kompositsäulen. In seine Fassade wurde links ein kleiner Raum bzw. Kapelle für die Riten des Morgenhauses eingelassen. Im Morgenhaus wird der Königspriester symbolisch gereinigt, was eine Voraussetzung für den Tempeldienst war. Rechts davon befindet sich ein Bibliotheksraum (Arnold). Zwischen den Säulen der Pronaosfront befinden sich halb hohe Säulenschranken, auf welchen Reinigungsriten abgebildet sind. Sie dienten nach Wildung zum Einen dazu, das Tempelinnere vom Tageslicht weitgehend abzuschirmen, was den Übergang vom Profanen zum heiligen betont, zum Anderen um die Tempelfassade zu verhängen. Über diese Elemente des Tempels heißt es in den Inschriften:
Auf beiden Seiten des Pronaos führt vom Hof aus ein Umgang um das Tempelhaus, welcher wie ein dunkler Graben zwischen der fenster- und türlosen Umfassungsmauer und den Außenwänden entlang läuft. Dieser Umgang hat eine Länge von 113 Ellen und eine Breite von 90 Ellen.
Um das Sanktuar ("der Große-Sitz") herum, welches als eigenständiger Bau fungiert, befinden sich Kapellen anderer Gottheiten, wie etwa der Raum Behedet, in welchem unter anderem das Abbild der Göttin Mehit aufbewahrt wurde. Daneben gab es im Tempel ein Schatzhaus, Treppenhaus, Raum Thron-des-Re, Raum Thron-der-Götter, Raum Inneres-der-Schetjit, das Haus-des-Fürsten, Raum Hasu-des-Stoffes, Raum Haus-des-Beines, Wabet (Raum in dem die Götterstatuen in der greichisch-römischen Zeit gekleidet wurden), etc.
Bereits seit dem Alten Reich hatte der Tempel die Funktion des göttlichen geordneten Kosmos (Wildung 2001). Dies bedeutet, dass der Tempel in seiner baulichen Architektur und der Dekoration dem Vorbild des Kosmos folgte. An unserem Beispiel des Horus-Tempels von Edfu fungieren die beiden Pylontürme demnach als Bild des Horizontes, an welchem die Sonne jeden Morgen von neuem aufgeht. Neben dieser Symbol wird diese Vorstellung auf den Pylonen auch bildlich dargestellt (ebd.). Der Hof, der sich unmittelbar an die Pylontürme anschließt stellt die Verbindung von Erde und Himmel dar. Der Hof selbst wird von mehreren Säulen umgeben, deren Dekorationsprogramm zum Einen die zum Sonnenlicht strebende Vegetation symbolisiert, zum Anderen Ägypten in das theologische Programm dieses Heiligtums integriert. Die Vorderseite des Pronaos wird von Säulen gebildet (Punkt 3 im Grundriss) von denen einige Palmkapitellen besitzen, andere typisch ptolemäische florale Kompositkapitelle. Diese Verbindung der unterschiedlichen Kapitelle scheint - so Wildung - die "ganze Bandbreite der Schöpfung zu spiegeln". Das Fußbodenniveau vom offenen Hof bis hinein in das Allerheiligste mit Naos steigt stetig an, während die Höhe des Raumes in umgekehrten Weg in gleichem Verhältnis abnimmt. Diese "Zusammenführung" symbolisiert die aufsteigende Erdlinie und die absteigende Himmelslinie, die sich schließlich in der Götterstatue vereinigen, d.h. an einem Ort wo Dies- und Jenseits zusammentreffen.
Arnold, Dieter: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Patmos. 2000. Beckerath, Jürgen von: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. Mainz: Zabern, 1999. Gros de Beler, Aude: Die Götter und Göttinnen Ägyptens. Komet. 2001. Kurth, Dieter: Edfu. Ein ägyptischer Tempel gesehen mit den Augen der alten Ägypter.1994. Kurth, Dieter: Weltordnung in Stein - die späten Tempel. In: Schulz/ Seidel (Hrsg.): Die Welt der Pharaonen. Könemann 1997. Rachet, Guy: Lexikon des alten Ägypten. Düsseldorf: Patmos, 2002. Wildung, Dietrich: Von der prähistorischen Zeit bis zu den Römern. 2001.
"1986 gründete Prof. Dr. Dieter Kurth, Universität Hamburg, ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Langzeitprojekt zur philologischen Gesamtbearbeitung der Inschriften des Tempels von Edfu. Ziel dieses Projektes ist es, eine Übersetzung aller Edfu-Texte unter Berücksichtigung aller internen Parallelen, der gesamten relevanten Sekundärliteratur und der Dekorationssystematik zu erarbeiten. Ausführliche analytische Indizes zu verschiedenen Sachbereichen, die auch Vertretern von Nachbardisziplinen einen raschen Zugriff auf das reiche Textmaterial ermöglichen sollen, sowie eine Grammatik des Ptolemäischen, der Hieroglyphenschrift des Edfu-Tempels, sind die zusätzlichen Ziele." (Quelle: http://www.rrz.uni-hamburg.de/Edfu-Projekt/Edfuallg.html) Verschiedene Veröffentlichungen zu dem Projekt sind bis heute publiziert worden. Weitere Infos gibt es in unten stehendem Link der Uni Hamburg. http://www.rrz.uni-hamburg.de/Edfu-Projekt/Edfu.html
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