Die Entstehung der Ägyptischen Hieroglyphen

Die Entstehung der Schrift: Annahmen und neue Befunde

Die fünf Phasen der antiken ägyptischen Sprache und Schrift

Zeitdaten und Sprachstufen nach R. Hannig

Was die alten Ägypter über die Entstehung ihrer Schrift glaubten

 

Die Entsehung der Schrift: Annahmen und neue Befunde

Die Entsehung der Schrift wurde bis vor kurzem noch auf einen Zeitraum vor ca. 3000 v.Chr. datiert. Jüngere Ausgrabungen in Abydos zeigten doch ein anderes Bild. Mitarbeiter des  Deutschen Archäologischen Instituts konnten in der Nekropolenstadt wenige Kilometer hinter dem Tempel Sethos I. neue Funde zutage fördern, wonach die Entstehung der Hieroglyphen wohl einige Jahrhunderte vor der bis dahin angenommenen Zeit zu datieren ist:

 

"Die Ausweitung der Grabungsarbeiten auf den benachbarten, seit Naqada I belegten, prädynastischen Friedhof U erbrachte die Erkenntnis, daß die Königsnekropole eine weit zurückreichende Tradition hat. Seit ca. 3400 v.Chr. sind dort nur noch Angehörige der Oberschicht und schließlich wohl ausschließlich Herrscher bestattet worden. Unter den Funde aus diesen Elitegräbern, insbesondere dem Grab U-j (Abb.: Grab U-j), das einem prädynastischen König Skorpion I (um 3200 v.Chr.) zuzuweisen ist, sind u.a. die ältesten bisher bekannten, phonetisch lesbaren Zeugnisse der Hieroglyphenschrift (auf Siegeln, Tongefäßen und kleinen Anhängetäfelchen) (Abb.: Schrifttäfelchen mit Herkunftsvermerken aus Grab U-j). Sie geben völlig neue Aufschlüsse über die Entwicklung der altägyptischen Hochkultur und ermöglichen zugleich die weitgehende Rekonstruktion der prädynastischen Herrscherfolge (Dyn. 0) unter denen die schrittweise Vereinigung der beiden Landesteile Ober- und Unterägypten erfolgte." (Deutsches Archäologisches Institut)

Damit wird - so S. Wimmer (1997) - erneut die Frage aufgeworfen, ob das antike Ägyptisch parallel zu anderen Sprachen (wie die in Mesopotamien oder dem Iran) und in deren Abhängigkeit entwickelt wurde. Heute ist die allgemein anerkannte Vorstellung, dass das antike Ägyptisch zu einer Familie von Sprachen in Afrika und dem nahen Osten gehört. Die Grundlage für diese These ist beispielsweise in der Grammatik und dem Vokabular dieser Sprachen fundiert, da diese Bereiche eine hohe Ähnlichkeit aufweisen. Demnach wird davon ausgegangen, dass es eine gemeinsame "Ursprache" oder "Ausgangssprache" gab. Wissenschaftler sprechen diesbezüglich von der "afroasiatischen" oder "hamitosemitischen" Sprachgruppe.

Dennoch ist anzumerken, dass das antike Ägyptisch keinen Entwicklungsprozess erkennen lässt,  wie beispielsweise die Sprache Mesopotamiens. Andererseits ist es durchaus logisch und notwendig, dass eine bestimmte Entwicklung stattgefunden hat, auch wenn wir bis dato keine historischen Funde liefern können, welche diese Theorie bestätigen. Die Hieroglyphen tauchen mehr oder weniger urplötzlich, als fertiges System, das mehr als 3000 Jahre Bestand haben wird, auf.

Die ältesten Funde der Schrift beschränken sich nach S. Wimmer (1997) auf einzelne geschriebene Worte. Bereits seit der 1. Dynastie existieren jedoch vollständige Bücher.

 

Die fünf Phasen der antiken Ägyptischen Sprache und Schrift

Nach P. Silverman (1997) kann man fünf verschiedene Phasen der ägyptischen Sprache unterscheiden:

Altägyptisch: Diese Sprache geht auf das Alte Reich zurück. Wie oben erwähnt entstammen dieser Zeit (1. Dynastie) die ersten vollständigen Texte, welche sich auf Grab- und Tempelwänden, Verwaltungs- und Rechtstexten sowie privaten Schriften finden lassen. Das Altägyptisch zeigt einen synthetischen Charakter auf.
Mittelägyptisch: Aus dem Altägyptischen entwickelte sich in der ersten Zwischenzeit und im Mittleren Reich das sogenannte Mittelägyptisch. Dieses "klassische" Mittelägyptisch hielt sich im literarisch, monumentalen und theologischen Bereich bis in die griechisch-römische Epoche, demnach bis ins 5. Jahrhundert n.Chr.
Neuägyptisch: Das Neuägyptisch wurde im Neuen Reich, d.h. seit Beginn der 18. Dynastie gesprochen und hat, im Gegensatz zum Altägyptisch einen eher analytischen Charakter. Das Neuägyptisch wurde wohl eher als reine Sprache und zur Aufzeichnung weltlichen Materials verwendet, während das Mittelägyptisch weiterhin als vorherrschende Schrift in oben genannten Inschriften Bestand hatte.
Demotisch: Das Demotische wurde zunächst vorwiegend in nichtreligiösen Texten verwendet und stellt eine Weiterführung des Neuägyptischen dar. Mit Hilfe des Demotischen war es bereits möglich Wörter alphabetisch zu schreiben. Es wurde zunächst in Verwaltungs- und Alltagsangelegenheiten als Kommunikationsmedium verwendet. Seit der Ptolemäerzeit wurde es auch für literarische und theologische Werke benutzt. Die Zeichen haben hier ihren bildhaften Charakter fast vollständig verloren (R. Hannig 1995).
Koptisch: Das Koptische kam im dritten Jahrhundert n. Chr. in Gebrauch. Im Zuge der Verbreitung neuer Religionen in Ägypten - wie das Christentum - bildete sich das Koptische als Alphabetschrift heraus. Als Besonderheit hinsichtlich der antiken Ägyptischen Sprache und derer Phasen kann das Einführen von Vokalen genannt werden, wonach erstmals eine Identifizierung verschiedener Dialekte möglich wurde (Silverman, 1997).
 
 

Zeitdaten und Sprachstufen nach R. Hannig (1995)

Älteres Ägyptisch:

Sprache: Feingliederung: Zeitdaten der Verwendung
Altägyptisch:        27. bis 21. sowie 7. Jh. v.Chr.
                          -----» Archaisches Altägyptisch: 27. bis 2.. Jh. v.Chr.
                          -----» Standartaltägyptisch 25. bis 21. Jh. v.Chr.
                          -----» Neoaltägyptisch 7. Jh. v.Chr.
     
Mittelägyptisch:    23. Jh. v.Chr. bis 4. Jh. n.Chr.
                          -----» "Klassisches" Mittelägyptisch 23. bis 14. Jh. v.Chr.
                          -----» Spätmittelägyptisch 20. bis 13. Jh. v.Chr.
                          -----» Medio-neuägyptisch 15. bis 12. Jh. v.Chr.
                          -----» Neomittelägyptisch 11. Jh. v.Chr. bis 4. Jh. n.Chr.

 

Jüngeres Ägyptisch:

 

Sprache: Feingliederung Spezifikation Zeitdaten der Verwendung:
Neuägyptisch   -----»     14. bis 10. Jh. v.Chr.
       
Spätägyptisch  -----»     11. Jh. v.Chr. bis 5. Jh. n.Chr.
  Demotisch                     -----»   8. Jh. v.Chr. bis 5. Jh. n.Chr.
    Frühdemotisch -----» 8. Jh. v.Chr. bis 4. Jh. n.Chr.
    Mitteldemotisch-----» 4. bis 1. Jh. v.Chr.
    Spätdemotisch -----» 1. Jh. v.Chr. bis 1. Jh. n.Chr.
       
Koptisch     1. bis 19. Jh. n.Chr.
  Altkoptisch                    -----»   1. bis 5. Jh. n.Chr.
  Klassisches Koptisch     -----»   3. bis 11. Jh. n.Chr.
  Spätkoptisch                 -----»   11. bis 17. Jh. n.Chr.
  Neokoptisch                 -----»   19. und 20. Jh. n.Chr.

 

Was die Ägypter über die Entstehung ihrer Schrift glaubten:

Für die alten Ägypter war die Entstehung der Schrift ein Geschenk der Götter. Um es genauer zu sagen: ein Geschenk des Gottes Thot. In der Eigenschaft als Mondgott war Thot (der als ibisköpfiger Mensch bzw. als Ibis dargestellt wurde) zuständig für das Kalenderwesen, die Mathematik und die Zeitrechnung.  Thot galt als der Erfinder der Schrift und der Sprache wonach die Ägypter die Schrift wohl als vollkommenes fertiges System ansahen, das ihnen von Thot gegeben wurde.

Die Hieroglyphen wurden von den Menschen des dynastischen Ägypten "Mdw-ntr" genannt. Übersetzt bedeutet dies soviel wie "heilige Worte" oder "Gottesworte", worauf erneut auf die göttliche Gebung Bezug genommen wird. Aus diesem Terminus wird auch unsere heutige Bezeichnung "Hieroglyphen" (gr.: hieroglyphicos= heilige Zeichen) abgeleitet.

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