Hatschepsut  

Hatschepsut - Maat-ka-Ra

Genealogie - Herkunft der Hatschepsut

Hatschepsut - die Pharaonin

Königstitulatur der Hatschepsut

Der el-Bahri - der heilige Amun-Tempel

Die Reise nach Punt

Die Obelisken der Hatschepsut

Der Tod der Hatschepsut

Die Gräber der Königin

 

 

 

Hatschepsut – Maat-ka-Ra

Der Name der großen Pharaonin ist vielen Menschen ein Begriff. Sie kennen die Königin durch großartige Bauwerke, wie den Hatschepsut-Tempel in Der-el-Bahari, durch die Vernichtung ihrer Namenskartuschen, durch das nicht Auffinden ihrer Mumie oder durch die Tatsache, dass eine Frau den Pharaonenthron bestieg, vielleicht auch einfach nur aufgrund diverser Erzählungen und Berichte von Verwandten, Freunden oder Reiseführern. Um etwas Licht in das Dunkel zu bringen, werde ich hier auf bestimmte, m.E. wichtige Daten und Geschehnisse im Leben der Maat-ka-Ra eingehen.

 

Genealogie – Herkunft der Hatschepsut

Beterfigur der Hatschepsut

Hatschepsut herrschte als fünfte Königin in der 18. Dynastie, welche nach der Vertreibung der Hyksos, durch Pharao Ahmose Neb-pehti-Ra etwa 1551 v.Chr. begann. Auf Ahmose Neb-pehti-Ra folgte sein und Ahmose-Nefertari’s Sohn: Amenhotep I Djoser-ka-Ra als zweiter Pharao der 18. Dynastie. Dieser heiratete Ah-hotep II. Als dritter König dieser Dynastie gilt Thutmosis I, welcher gleichzeitig Vater der Hatschepsut ist. Thutmosis I war jedoch kein direkter Sohn des Amenhotep I. Um für den Thron legitimitiert zu werden heiratete er Ah-mose, deren Herkunft nicht eindeutig belegt ist. 

Einige Fachwissenschaftler halten sie für die Tochter Amenhotep I und Ah-hotep II, andere wiederum für die Tochter von Ahmose Neb-pehti-Ra und Ahmose-Nefertari. War sie überhaupt königlichen Geblütes? Wenn man von der Theorie ausgeht, dass der Pharao – sofern er kein direkter Sohn des herrschenden Königs und seiner Großen königlichen Gemahlin ist – durch eine Erbprinzessin (gewöhnlich direkte Tochter des Königs und der Großen königlichen Gemahlin) legitimitiert werden muss, um auf den Thron zu kommen, dann muss Ahmose zwangsweise der Königsfamilie angehört haben. 

Gegen diese Theorie sprechen in diesem Fall jedoch die Überlieferungen. So trägt Ah-mose lediglich den Titel der „Königsschwester“ nicht jedoch den der „Königstochter“. „Königsschwester“ – und dies sind nur Spekulationen – könnte exemplarisch ein Hinweis sein, dass Ahmose die Halbschwester oder Schwester des Thutmosis I war. Sie könnte aber auch eine Schwester des AmenhotepI. Sein. 

Fest steht lediglich die Tatsache, dass sie - bei Annahme der Erbprinzessinnentheorie – königlichen Geblütes war, um durch Heirat Thutmosis I zu legitimitieren. Königin Hatschepsut wurde als Tochter Thutmosis I und Ah-mose geboren. Thutmosis I. hatte eine zweite Gemahlin: Mutnofret. 

Sie gebar ihm den Thronfolger Thutmosis II. Da auch er „nur“ von einer Nebenfrau war, bekam er als Pharao durch die Heirat mit Hatschepsut, der Erbprinzessin und Königstochter, den legitimen Anspruch auf den Thron der beiden Länder. Neben Hatschepsut hatte auch er eine weitere Nebenfrau, Isis, welche ihm Tuthmosis III. gebar. Hatschepsuts Brudergemahl herrschte aber nicht lange über Kemet, die schwarze Erde, so dass eigentlich der junge „Falke im Nest“ Thutmosis III Pharao werden sollte.  Hatschepsut übernahm jedoch die Regentschaft für ihren Neffen und Stiefsohn, bis dieser alt genug war den Thron zu besteigen.

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Hatschepsut – die Pharaonin

Zu welchem Zeitpunkt sich Hatschepsut als Pharao ausrufen ließ ist unklar. Artefakte und Inschriften auf Denkmälern weisen auf den Zeitraum zwischen dem Jahr 2 und 7 der eigentlichen Herrschaft Thutmosis III. hin.  Später zählt sie die vorangegangen Jahre ihres Stiefsohnes zu ihren eigenen Herrscherjahren hinzu und setzt ihn als Mitregenten ein, was beispielsweise an Darstellungen (der junge Thutmosis steht hinter Hatschepsut) zu erkennen ist. Jacq (1996)  spricht von Hatschepsut und Thutmosis III als „zwei legitime Pharaonen“, wobei er erwähnt, dass Thutmosis III sich während der Herrschaft Hatschepsuts im Hintergrund aufhielt und er erst nach ihrem Tod den Thron bestieg. 

 Den legitimen Anspruch auf den Thron versucht Hatschepsut Maat-ka-Ra durch ihre „göttliche Herkunft“ zu sichern. Darstellungen sprechen von ebendieser  göttlichen Herkunft und ihrer Geburt auf Erden. Hier heißt es, dass der Gott Amun, ihre Mutter die Königin Ahmose verführt habe. Er soll die Gestalt Thutmosis I angenommen haben und seinen göttlichen Samen in den Schoß Ahmoses gelegt haben. Durch ein überirdisches Parfüm, welches eine überschwängliche Verliebtheit bei der Königin auslöste, gab sich Amun zu erkennen. Des weiteren setzte sie auf das Orakel der Götter. Im Tempel von Karnak soll die Statue des Amun, bei einer Festprozession, während des Opet-Festes,  zu sprechen begonnen haben und verkündete, dass Hatschepsut Pharao werden würde. Das Orakel endete mit den Worten: „Du bist die, die an der Spitze aller Lebenden steht“ (Jacq, 1996). Durch diese zweifach Erwählung – einmal durch Amun in Gestalt ihres Vaters und durch den Orakelspruch – hatte  Hatschepsut den legitimen Anspruch auf den Thron der beiden Länder.

 

 

Königstitulatur der Hatschepsut

Horusname: Wsrt-k3t mächtig an Ka-Kräften  
Nebtiname: W3dt-rnpt Jung an Jahren  
Goldhorusname: Ntrt-h'w mit göttlichen Erscheinungen  
Thronname: M3't-k3-R' Maat ist die Lebenskraft des Sonnengottes Ra (bleibt i.d.R. unübersetzt)
Geburtsname: H3t-spswt Erste der vornehmen Frauen

 

 

 

Deir el-Bahri – der heilige Amun Tempel

            Der Hatschepsuttempel in Der-el-Bahri besteht aus drei hintereinander liegenden Terrassen, wodurch er auch als „Terrassentempel“ bezeichnet wird. Die Terrassen sind aufsteigend angelegt und jeweils durch Rampen miteinander verbunden. Die obere Terrasse bildet den Eingang in den eigentlichen Tempel, dem Hatschepsut den Namen „Djoser Djoseru („Der heiligste der Heiligen“) gab.  Der Tempel ist ein architektonisches Meisterwerk. Er gliedert sich perfekt in die felsige Umgebung ein und versinnbildlicht Licht und Stein als eine Einheit. 

 In der Säulenhalle kann man scheinbar lebendige Szenen erkennen, die mit einer außerordentlichen Eleganz eingemeißelt wurden. Selbst nach Hatschepsuts  Tod pilgerten die Ägypter zu diesem Tempel, um Amun zu ehren. Nach Jacq kamen die damaligen Menschen unter anderem zu dem Tempel, damit physische und psychische  Krankheiten geheilt werden konnten oder um sich dort pflegen zu lassen (Jacq 1996). Im 4.-5. Jahrhundert n.Chr. wurde der Tempel zum letzten Mal von christlichen Mönchen bewohnt.

 

 

Die Reise nach Punt

In ihrem 9. Regierungsjahr befahl Hatschepsut eine Reise nach Punt  . Nach eigenen Aussagen beauftragte Amun selbst die Pharaonin, sie solle Weihrauch für die Götter, für die Rituale im Tempel spenden. Der Orakelspruch ebnete den Weg für die Reise: „ Suche die Wege nach Punt. Erschließe die Straßen zur Myrrhenterrasse. Führe das Heer auf dem Wasser und dem Lande [...] um die Wunder aus dem Gottesland zu bringen für diesen Gott, der ihre Schönheit schuf“. 

Punt  befand sich im Südosten Ägyptens, in der Nähe des heutigen Eritrea und Somalia. Die Handelsexpedition startete mit 5 ägyptischen Schiffen. Diese brachten Ebenholz, Leopardenfelle, Affen und vor allem die ersehnten und erhofften Weihrauchbäume mit, die mit ihren Wurzeln nach Ägypten gebracht wurden, um sie dort zu pflanzen. Der durch die Hyksoskriege unterbrochene Verkehr mit den Küsten des roten Meeres wurden somit durch Hatschepsut und die Reise nach Punt wieder aufgenommen.

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Die Obelisken der Hatschepsut

Im Tempel von Karnak ließ Hatschepsut zwei Obeliskenpaare  errichten. Das erste Paar wurde wohl anlässlich  ihrer Krönung zur Pharaonin aufgestellt, während das zweite zum Heb-sed Fest (Regierungsjubiläum im 15. Regierungsjahr der Hatschepsut) errichtet wurde.

 

Das erste Obeliskenpaar:

Das erste Obeliskenpaar befand sich im östlichen Bereich des Amuntempels. Leider sind heut zu Tage nur noch Bruchstücke davon erhalten. Die Aufsicht über das Unternehmen zur Her- und Aufstellung der Obelisken übernahm der Vertraute der Hatschepsut „Senen-mut“, der seinen Aufenthalt an der Obeliskenbaustelle, an Felsen in den Steinbrüchen von Assuan dokumentiert:

 

„Große Fürstin, gelobt an Beliebtheit, groß an Liebe, der ihr Vater Ra das Königtum gegeben hat, die wahr in der Meinung der Götterneunheit ist, Königstochter, Königsschwester, Gottesgemahlin, Große Königliche Gemahlin Hatschepsut, die leben möge, geliebt von Satis, Herrin von Abu, geliebt von Chnum, dem Herren der Katarakte. Berichten über diese Arbeit an die Gottesgemahlin, die Gebieterin der beiden Länder insgesamt, durch den königlichen Siegelbewahrer, den großen Freund und Beliebten, den großen Vermögensverwalter, Senen-mut, den Gerechtfertigten. Kommen des Erbprinzen, des Fürsten, des großen Vertrauten der Gottesgemahlin, dessen Worte der Herrin der beiden Länder gefallen, des Schatzmeisters des Königs von Unterägypten, des Oberdomänenverwalters der Prinzessin Neferu-Ra – sie möge leben -, Senen-muts, um die Arbeit an den beiden Heh-Obelisken zu inspizieren. Alles was getan wurde, geschah so, wie es befohlen worden war; es geschah wegen der Macht Ihrer Majestät.“  

(Quelle: Kemet, 1/2001)

 

Laut Kemet 1/2001 geben die Titel der Hatschepsut Aufschluss darüber, um welches Obeliskenpaar es sich handelt. Da hier der Thronname „Maat-ka-Ra“ noch nicht erscheint, sondern lediglich alle anderen Titel wie Große Königliche Gemahlin, etc. muss es sich um das erste Obeliskenpaar handeln. Die Tatsache, dass sich am Pyramidion Reste ihrer Königskartusche „erahnen“ lassen, weisen auf den Umstand, dass sie wohl zur Zeit ihrer Krönung aufgestellt wurden.

 

 

Das zweite Obeliskenpaar:

Dieses Paar wurde anlässlich des Heb-sed Festes errichtet. Es befindet sich in der Festhalle Thutmosis I, dem Vater der Hatschepsut, zwischen dem 4. und dem 5. Pylon. Sie befinden sich in der Nähe des Obeliskenpaares ihres Vaters und überragen diese  um 10 Meter. Sie haben jeweils ein Gewicht von 323 Tonnen. Aufgrund einer Inschrift auf einem Reliefblock in der „Roten Kapelle“, auf welchem unter anderem der Aufstellungsort genannt wird, geht eindeutig die Identifikation des Obeliskenpaares als „zweites“ Paar hervor. Heute steht nur noch einer der beiden Obelisken des letzten Paares; der andere befindet sich abgebrochen am Ufer des heiligen Tempelsees. Hatschepsut selbst betonte, dass ihr Herz sie anleitete für Amun ihren Gottvater die Obelisken aufstellen zu lassen:

Ich saß in meinem Palast und gedachte meines Schöpfers. Mein Herz leitete mich, für ihn zwei Obelisken aus Elektron zu errichten, deren Spitzen den Himmel berühren würden, in der ehrwürdigen Säulenhalle zwischen den beiden großen Pylonen des Königs, des starken Stiers, des Königs von Ober- und Unterägypten Aa-cheper-Ka-Ra, des seligen Horus.“ 

(Urk. IV. 365) (Quelle: Kemet 1/2001)

 

 

 

Der Tod der Hatschepsut

Hatschepsut regierte Kemet ca. 20 Jahre lang. Es gibt keinerlei Belege für einen unnatürlichen Tod, Verbannung oder ähnliches. Tuthmosis III nahm in den letzten Regierungsjahren seiner Stiefmutter und Tante eine weitegehend militärisch bedeutungsvolle Rolle ein. Er war Oberbefehlshaber der Armee und unternahm bereits Expeditionen (Sinai) und Feldzüge (exemplarisch Nubien und  Maau). Die Archäologin Joyce Tyldesley gibt eine Regierungszeit von 22 Jahren und 6 Monaten an, was  mit denen nach Clauss (22 Jahre – 1479-1457) übereinstimmt. 

J.H. Breasted gibt für das Hinscheiden der Königin einen Zeitraum zwischen dem Jahr 20 und 21 an: „In den Bergwerken der Sinaihalbinsel wurde noch in ihrem 20. Jahre gearbeitet; zwischen dieser Zeit aber und dem ende des 21. Jahres finden wir Thutmosis III. als Alleinherrscher – die große Königin muß unterdes gestorben sein“ (Breasted, 1957 – Lizenzausgabe 2001). Die Datierung von Beckerath stimmt in etwa mit dieser überrein. Er gibt als Regierungsdaten die Jahre 1478 (1473 ohne die ersten Jahre von Thutmosis III.) bis 1457 an, was einer Regierungszeit von 21 Jahren entspricht. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Hatschepsut Maat-ka-Ra etwas mehr als 20 Jahre Ägypten regiert hat. 

Ursprünglich wurde fälschlicherweise unterstellt, dass Thutmosis III, unmittelbar nach dem Tod seiner Stiefmutter und Tante mit der Tilgung ihrer Namenskartuschen begonnen haben soll. Neuere Untersuchungen an den sogenannten Hatschepsut-Kammern im Tempel von Karnak zeigen, dass die Zerstörung der Namenskartuschen, Statuen, etc. zwar unter Thutmosis III. stattfanden, aber wohl eher im späteren  Verlauf seiner Regierungszeit.

 

 

Die Gräber der Königin

Als Hatschepsut noch Große Königliche Gemahlin des Thutmosis II. war, wurde für sie ein Grab im Wadi Sikket Taquet el-Zaid angelegt, welches 1916 von Carter entdeckt wurde. Dieses Grab blieb allerdings unvollendet und wurde möglicherweise aufgegeben, als Hatschepsut zur Pharaonin erhoben wurde.

Als rechtmäßiger „Pharao“ bekam Hatschepsut ein Grab im Tal der Könige, welches heute die Bezeichnung KV20 trägt. Es besteht laut Jacq (1992) aus einer Serie von Gängen, welche bis 97 Meter in die Tiefe reichten und welche sich auf 213 Metern entfalteten. Mehrere Archäologen und Ägyptologen wie John G. Wilkinson, James Burton, etc. versuchten das Grab, welches am Rande eines Abhangs gelegen ist, freizulegen, jedoch ohne Erfolg. Im Jahre 1903 machten sich schließlich Howard Carter und Theodor Davis daran, das Grab vollständig freizulegen. 

Hierbei stellten sich ihnen jedoch einige Schwierigkeiten in den Weg, wie Staub und Hitze, Sauerstoffmangel, Schutt und schlechtes Licht. Nachdem Carter das Ende des Grabes erreicht hatte, konnte er Fragmente entnehmen, wie Steinvasen, auf welchen die Namen der Königin Ahmose-Nefertari, diejenigen des Thutmosis I. und die von Hatschepsut selbst eingeschrieben waren. In der Begräbniskammer fand Carter zwei Sarkophage aus Quarzit, wobei einer der beiden für Hatschepsuts Vater Thutmosis I. bestimmt war, der andere für die Pharaonin selbst. 

Durch die besonderen Ausmaße des Grabes vermutete Romer, dass das Grab KV20 von Ineni, dem Baumeister und Bürgermeister von Waset (Theben) zur Zeit Thutmosis I., für diesen erbaut wurde. Wahrscheinlich ließ Thutmosis III. ein neues Grab (KV38) für Thutmosis I. bauen und überführte die Mumie „des Gerechtfertigten“ in dieses neue Grab. Die Mumie der Pharaonin wurde bis heute nicht eindeutig identifiziert oder vielleicht auch noch gar nicht gefunden. Aus den Überresten ihres Begräbnismobiliars ist lediglich ein Kästchen mit der Königstitualtur übriggeblieben, welches wahrscheinlich die mumifizierte Leber der Königin beherbergte und in der 21. Dynastie bei einer Bestattung wiederverwendet wurde. Weiterhin wurde eine Kanopentruhe aus Alabaster gefunden, welche, wie auch der Quarzitsarg, heute im Museum von Kairo ausgestellt sind. 

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