Jean Francois Champollion

Biographie & Entschlüsselung der Hieroglyphen

Jean Francois Champollion wurde am 23. Dezember 1790, als  zweiter Sohn eines Buchhändlers in Figeac, im Südwesten Frankreichs geboren. Jean Francois und sein älterer Bruder Jacques-Joseph wuchsen in bescheidenen Verhältnissen auf, teilten doch beide die Leidenschaft für die Philosophie, Bücher und den Orient.

Jean Francois Champollion im Alter von etwa 30 Jahren

Jean Francois Champollion

Jean Francois erlernte bereits in jungem Alter Sprachen, wie Latein und Griechisch, wobei nach dem Besuch der Schule Abbé Dussert in Dauphiné noch orientalische Sprachen hinzukamen. Später wechselte er zunächst auf das Gymnasium von Grenoble über und besuchte im Anschluss die "Ecole des langues orientales", eine Schule für orientalische Sprachen, auf welcher er Persisch, Sanskrit und Arabisch erlernte.

Sein Bruder arbeitete bei dem Physiker und Ägyptenkenner Joseph Fourier, durch welchem Jean Francois auch erstmals mit den Hieroglyphen in Berührung kam. Sein Entschluss stand fest, er musste die Hieroglyphen entziffern.

Nachdem Jean Francois auf den koptischen Priester Cheftitchi stieß, der ihm Bruchstücke des Koptischen beibrachte, vertiefte er seine Studien dieser Sprache, bis hin zum flüssigen Lesen und Verstehen. Diese Sprache sollte ihm noch große Erleichterung bei der Entzifferung der Hieroglyphen bringen.

In Grenoble, als Assistenzprofessor für Geschichte, schrieb er "L'Egypte sous les Pharaons" (Das Ägypten unter den Pharaonen), wurde jedoch nach der Niederlage von Waterloo aus der Stadt verbannt und kehrte demzufolge wieder in seine Geburtststadt Figeac zurück. Erst 1817 durfte Champollion nach Grenoble zurückkehren und seine Forschungen  - die Entzifferung der Hieroglyphen - erneut ins Leben rufen.

Da Champollion politisch sehr aktiv war, sich an einem 'bonapartistischen Putsch' beteiligte, wurde er 4 Jahre später (1821) erneut aus der Stadt vertrieben und ging zu seinem Bruder nach Paris. Jacques-Joseph arbeitete dort als Mitarbeiter von Monsieur Dacier, dem ständigen Sekretär der Akademie der Inschriften und Belletristik. Hier (in Paris) wurde Champollion und seine Forschungen von einem Liebhaber und Sammler der ägyptischen Kunst unterstützt, so dass Jean Francois seine Arbeit fortsetzen konnte.

In den Jahren zuvor stellte Champollion wichtige Überlegungen an, die schließlich zu der Entzifferung der "Gottesworte" führen sollten. So erkannte er beispielsweise 1813, dass im hieroglyphischen Texten keine Vokale geschrieben werden; 1818, dass die Wortfolge im Hieroglyphentext der des koptischen Textes entspricht. 1821 konnte er nachweisen, dass die hieratische Schrift nichts anderes ist, als die "Schreibschrift" der Hieroglyphen und dass nicht jede Hieroglyphe für ein ganzes Wort stehen könne. Damit konnte er nachweisen, dass die altägyptische Schrift keineswegs eine Bilderschrift ist, sondern auch Phoneme enthält.

Der Basaltstein von Rosette verhalf ihm bei der Entschlüsselung der Hieroglyphen. Auf diesem verglich er zunächst die Kartusche des Ptolemaios mit dem griechischen Pendant. An weiteren Stellen im Text machte der Jean Francois den Namen des Gottes Ptah ausfindig machen, welcher in den Beinamen (Epitheta) des Königs auftaucht. Durch dieses Merkmal konnte er mit Sicherheit sagen, dass die beiden Zeichen P und ë T in beiden Namen vorhanden sind. Dennoch stößt Champollion zunächst auf Ratlosigkeit: die beiden Namen Alexander und Arsinoe (entnommen aus einem Papyrus und dem Stei von Rosette) beginnen beide mit dem selben Buchstaben. In Hieroglyphenschrift wird der eine Name mit dem Vogel geschrieben, der andere mit dem Schilfblatt am Wortanfang. Jean Francois nimmt an, dass die Hieroglyphenzeichen für Homophone (Gleichlaute) stehen. Der Name der Königin Kleopatra sollte weiterhelfen. Durch die Kenntnis der hieroglyphische Schreibweise des Namens "Ptolemaios" überträgt er den Namen "Kleopatra" versuchsmäßig in die altägyptische Schrift. Dennoch weiß er noch nicht, ob dieser Versuch überhaupt gelungen ist, da er das Schriftbild lediglich in Demotisch kennt und einzelne Zeichen aus dem Wort "Ptolemaios".

Im Januar 1822 erhält er eine Abschrift eines Obelisken aus Philae. Auf diesem Obelisken steht der Beweis. In der zweiten Kartusche ist der Namen der Kleopatra genauso geschrieben wie er ihn aus dem Demotischen zurückgebildet hat. Innerhalb der Namen findet er das "l" als Löwen geschrieben, durch weitere Vergleiche ergeben sich insgesamt 5 Buchstaben denen er die Hieroglyphenzeichen zuordnen kann. Danach begann er die Namen griechischer und römischer  Herrscher zu lesen und verglich weiterhin Übereinstimmungen und Abweichungen.

Im Sommer 1822 entdeckte Champollion, bei der Analyse des "Tierkreises von Dendera", die Bedeutung er Determinative, da hinter jedem Sternbild jeweils ein Stern abgebildet wurde.

Am 14. September 1822 erhielt Champollion Lithographien der Inschriften des Tempels von Abu Simbel. In einer Kartusche entdeckte er zwei bekannte Lautzeichen ss am Ende der Kartusche. Das erste Zeichen stellte die Sonne dar und hieß im Koptischen RA. Dieser Überlegung zufolge, mit dem Hinweis, dass bereits die anderen Königsnamen in Kartuschen standen, könnte der Name Ra.?.ss heißen. Das fehlende Zeichen könnte demzufolge ein M darstellen (das Zeichen stellt ein Zweikonsonantenzeichen dar und steht für MS).

Champollion hat nicht nur das ägyptische Alphabet entziffert, sondern auch die gesamte Struktur. Das Rätsel war gelöst. nachdem er seine Errungenschaft seinem Bruder in paris mitteilte wurde Jean Francois ohnmächtig. Am 27. September 1822  hielt er erstmals einen Vortrag über seine Forschungsergebnisse. In dem Werk "Précis du système hiéroglyphique" bewies er seine Kenntnisse.

Später vertiefte Champollion weiterhin seine Studien über die Hieroglyphen, unternahm Reisen nach Italien und wurde später (1826) Direktor der Abteilung für ägyptische Kunst im Louvre (Paris). 1828 besuchte Champollion zum ersten und zum letzten mal Ägypten, wo er viele Denkmäler und deren Inschriften studierte. Am 12. März 1831 bekam er einen Lehrstuhl  für Ägyptologie am Collège de France. Bereits ein Jahr später, am 4. März 1832 starb Jean Francois Champollion im Alter von 42 Jahren.