Die Schlacht von Kadesch

Kurzinformation

Die Schlacht um Kadesch

Skizze der Schlacht

Der erste Friedensvertrag der Welt

 

Kurzinformation

 

wer gegen wen? Ramses II. gegen den Hethiterkönig Muwatalli
wann? Jahr 5. der Regierung Ramses II (16. Mai 1274 v.Chr.)
warum? Feindseligkeiten zwischen Ägyptern und Hethitern
wo? Kadesch am Orontes
wer siegte? Keiner - Es entstand der erste Friedensvertrag der Welt

 

Die Schlacht um Kadesch

      Während der 19. Dynastie kam es zu militärischen Auseinandersetzungen mit den Hethitern, einem kriegerischen Volk, das Eisenwaffen besaß und seit dem 17. Jahrhundert v.Chr. von Anatolien aus, nicht nur ganz Kleinasien in Angst und Schrecken versetzte, sondern auch Feldzüge bis in den Libanon unternahm. Schon zur Zeit der religiösen Reform des Amenhotep IV – Echnaton - , konnten die Hethiter von der temporären Schwäche Ägyptens profitieren und in ägyptisches Hoheitsgebiet eindringen. Dieses Volk konnte sich unter den rivalisierenden Stadtstaaten eine besondere Stellung verschaffen und unterwarfen eine Stadt nach der anderen. 

Die Feindseligkeiten zwischen den Ägyptern und den Hethitern nahmen kein Ende. Ramses II. griff im fünften Jahr seiner Regierung die Hethiter unter ihrem König Muwatalli in Kadesch an. Die Hauptstadt dieses Hethiterkönigs war Hattusa, welche nicht weit von Kadesch entfernt liegt. Muwatalli, Herrscher von Chatti, der im gleichen Alter wie Ramses war, war jedoch durch den Sitz seiner Hauptstadt Hattusa, viel näher am militärischen Geschehen als Ramses und verfügte weiterhin über bessere Kenntnisse des Geländes, was ihm Vorteile verschaffte.

Warum gerade der Ort Kadesch? Die Stadt Kadesch liegt unweit des Orontostroms und war eine Bastion in der südlichen Verteidigungslinie des hethitischen Volkes. Des weiteren strebten die zwei Könige Muwatalli und Ramses II beide nach der Vorherrschaft in einer Region, die vom Zweistromland bis an das Mittelmeer reichte. Der Grund hierfür lag im Bestreben die größte „Macht“ dieser Zeit zu werden, denn nur wer den Handel in dieser Region kontrollierte war die bedeutendste Großmacht.

Mit vier Divisionen brach Ramses II Richtung Norden auf, um seine Streitmacht gegen Amurru zu führen. Der Weg führte ihn durch den Wald von Labui. An einem Furt südlich der Stadt Schabtuna wollte er den Orontes überschreiten, um dann am rechten Ufer weiter nach Kadesch vorzurücken. Von hieraus war Kadesch nur noch zwölfeinhalb Kilometer entfernt.

Ramses Späher stießen auf zwei Männer, Schasu-Beduinen, welche sich scheinbar versteckten und sich als Abgesandte aus einer hethitischen Koalition ausgaben:

Unsere Brüder, die Führer der Stämme, die mit dem Besiegten von Chatti verbündet sind, haben uns zu eurer Majestät geschickt, um auszurichten, wir wollen Diener des Pharaos sein und uns vom Herrn von Chatti lösen.“ Da sprach seine Majestät zu ihnen: „Sie befinden sich beim elenden Herrn und Besiegten von Chatti. Und er hält sich im Land Aleppo, im Norden von Tunip auf, und er fürchtet den Pharao so sehr, dass er sich nicht nach Süden wagt. Denn er hat erfahren, dass Pharao nach Norden zieht!“  

 

Dies war eine Falle, welcher Ramses II nicht bemerkte. In Wahrheit war Muwatalli mit seinen zwanzigtausend Soldaten und zweitausendfünfhundert Streitwagen ganz in seiner Nähe. Er hielt sich im Nordosten der Festung von Kadesch versteckt. Ramses II versuchte diese scheinbar günstige Situation zu nutzen und entwickelte einen neuen Schlachtplan, basierend auf den falschen Informationen der hethitischen Späher. Der große Pharao dachte, die Festung läge schutzlos, ohne die Anwesenheit Muwatallis, vor ihm und er könne sie ohne Komplikationen und Anstrengungen erobern. 

Er gab den Befehl mit der Division des Amun gen Kadesch zu ziehen und die Festung zu erobern. Er führte seine Soldaten wie vorgesehen an den Furt südlich von Schabtuna, um rasch über den Orontes zu gelangen. Am linken Flussufer zog er weiter nach Norden bis zu einer Stelle an dem zunächst das Lager aufgeschlagen wurde. Von diesem Lagerplatz aus, wollte er die Festung von Norden her einnehmen. Durch die Falschinformation der beiden Schasu-Bduinen glaubten sich die  Soldaten des Ramses II in ihrem Lager fälschlicherweise in Sicherheit. Sie wussten nicht, dass Muwatalli  seine Truppen im Norden von Kadesch versammelt hatte und der Hethiterkönig diese hinter der Festung versteckte.  

Muwatalli griff in zweierlei Hinsicht an: zum einen  wurde Ramses Lager von en hetithischen Soldaten angegriffen und zum anderen die zweite Division des Re, welche gerade bei Schabtuna den Orontes überschritt, um sich der ersten Division des Amun anzuschließen. Zwei weitere Spione, welche von Ramses Truppen aufgegriffen wurden informierten die umzingelten Soldaten  über die Wahrheit, woraufhin Ramses sofort reagierte:

Seht, in welcher Lage die Statthalter in den fremden Ländern und die Herren der Länder des Pharaos sind. Jeden tag versichern sie seiner Majestät: ‚Der elende herr von Chatti ist im Land Aleppo, ist vor seiner Majestät geflohen, als er erfuhr, dass seine Majestät ihm entgegenzog.’ Doch seht! Wie ich von diesen beiden Spionen des Besiegten von Kadesch soeben erfahren habe, ist der elende Besiegte von Chatti mit zahlreichen verbündeten Ländern, mit Soldaten und Pferden, zahlreich wie Sandkörner, herbeigeeilt. Und seht! Sie liegen hinter der alten Festung Kadesch [während] meine Statthalter in den fremden Gebieten und unsere Führer, denen die Länder des Pharaos unterstehen, nicht imstande waren, uns über ihr Eintreffen zu informieren!“  

 

Ramses legte seine ganze Hoffnung auf die Division des Ptah, welche sich möglicherweise zu diesem Zeitpunkt  noch in den Wäldern von Labui befand. Die Division des Seth war zu weit entfernt, um Ramses zu unterstützen. Muwatalli griff an. Er schickte zunächst seine Streitwagen in Richtung Oronts los und behielt die Fußsoldaten bei sich. Die Streitwagen stießen auf die Division des Re, bekämpften diese und griffen anschließend das Lager des Pharaos an. Ramses ließ sofort seine Pferde einspannen und stürzte sich in die Schlacht, die weniger als einen Tag in Anspruch nehmen sollte. Seine rettende Hilfe kam aus dem Osten: die Naruna-Truppe. Soldaten der Naruna-Truppe des Pharaos beschrieben ihr Eintreffen, auf einem Relief  wie folgt:

Die Naruna  des Pharaos trafen aus dem land Amurru ein. Sie entdeckten, dass die Truppen der Chatti auf der Westseite ins königliche Lager eingefallen waren, während seine Majestät dort allein ausharrte. Die Streitkräfte waren nicht beim Pharao, weder seine Fußtruppen, noch seine Wagenkämpfer [...] seine Soldaten. Das Heer des Amun, das ihn umgab, hatte das Lager noch nicht vollständig eingerichtet, und die Armeen des Re und des Ptah waren unterwegs. [Sie verließen] den Wald von Robawi [=Labui] und mussten erst noch eintreffen. Dann vielen die Naruna  über die Reihen des elenden Besiegten von Chatti her, die ins Lager des Pharaos eingebrochen waren – die Diener seiner Majestät töteten sie und ließen keinen entrinnen. Ihre Tapferkeit wurde gestärkt durch die große Kraft des Pharaos, ihres wohltätigen Herrn, der als berg von Kupfer und als Mauer aus Eisen für immer hinter ihnen stand.“  

Mit Hilfe der Naruna-Truppe verfolgte Ramses II den Feind in Richtung Festung und sammelte seine restlichen Soldaten der Division des Re ein, zu welcher auch die Division des Ptah gestoßen ist. Die beiden Feinde standen sich nun gleichermaßen gegenüber, wodurch die zunächst ungerechte Position Ramses, mit Hilfe der Naruna-Truppe kompensiert wurde. 

Ramses trieb die hethitischen Streitwagen durch die Furt in die andere Richtung über den Orontes, welchen sie kurz zuvor überquert hatten. In der herrschenden Panik stürzten Pferde, Krieger und Streitwagen des Muwatalli in den Orontes, wo sie ertranken. Muwatalli selbst blieb mit seinem Fußvolk am linken Ufer des Orontes östlich von Kadesch. Verschiedene Reliefs zeigen, dass er nicht in den Kapmf eingriff. Die Reliefbilder, welche den „Bericht“ der Schlacht begleiten zeigen Muwatalli südöstlich von Kadesch auf seinem Streitwagen. Der hethitische König hebt die Hand zum Rückzug.

Reliefbilder zeigen weiterhin, dass Ramses die Festung nicht erobert ha, da die feindliche Standarte immer noch  auf den Türmen der Festung Kadesch zu erkennen ist. Ramses konnte die Hethiter zwar zurückdrängen, aber nicht vollständig besiegen, auch wenn er sich auf ägyptischen Abbildungen, beispielsweise im Tempel von Karnak,  als einziger Sieger der Schlacht rühmt. Dennoch ging die Schlacht unentschieden aus.

Muwatalli eröffnete Ramses II ein Waffenstillstandangebot, welchen er auch annahm und daraufhin den friedlichen Abzug der Truppen  nach Süden befahl.

 

 

Skizze der Schlacht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der erste Friedensvertrag der Welt

Zwischen dem 5. und 21. Regierungsjahr führte Ramses viele Verhandlungen mit den Hethitern, welche allerdings immer wieder von kleinen Kriegen unterbrochen wurden. Zu Guter Letzt sahen die Gegner ein, dass es keinen Sieger geben würde. 16 Jahre nach der Schlacht von Kadesch wurde der erste Friedensvertrag der Welt, zwischen den beiden Großmächten, abgeschlossen. Ramses II und der zu dieser Zeit herrschende Hethiterkönig Hattuschili entschlossen sich im Jahr 21 der Herrschaft Ramses II über einen Nichtangriffspakt, welcher die jahrzehntelangen Feinde zu Verbündeten machte. Der Wortlaut des Vertrages wurde sowohl in den hethitischen Archiven gefunden, wie auch im Tempel von Karnak und im Ramesseum. Besiegelt wurde der Vertrag endgültig, durch die Heirat Ramses II mit einer hethitischen Prinzessin, einer Tochter Hattuschilis, im 34. Jahr seiner Herrschaft .   

Der Friedensvertrag zwischen Ägypten und dem  Hethiterreich in Keilschrift: