| Kija -
Gemahlin und Große geliebte des Einzigen-des-Re
Was wir sicher über Kija wissen
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"Wer war Kija?" Diese Frage ist wohl eine der ungeklärtesten Fragen der Ägyptologie und führt diesbezüglich zu einer Fülle von Spekulationen. Wenn man sich die unterschiedlichsten Identifikationsversuche der Ägyptologen anschaut, erkennt man, dass das was wir 100%ig über diese Frau wissen kaum zu einem objektiven Bild führen kann. Dennoch haben einige Fachwissenschaftler versucht "das Rätsel" Kija zu lösen, wobei erstaunliche Unterschiedlichkeiten herausgekommen sind. Ich will hier versuchen diese Differenzen aufzuzeigen, damit sich jeder selbst ein Bild dieser Frau machen kann. Daneben soll zunächst aufgezeigt werden was wir genau wissen, denn diese Fakten bilden den Rahmen der diversen Spekulationen.
Was wir sicher über Kija wissen Kija tauchte - so Hornung (1995) - in den fachwissenschaftlichen Publikationen, erstmals im Jahre 1959 und 1961 auf. W. C. Hayes machte 1959 zum ersten Mal auf diese Frau aufmerksam. Er fand einen Hinweis auf einem Kosmetikgefäß (im Metropolitan Museum), welches schließlich einer unbekannten Harimsdame zugewiesen wurde (vgl. Helck). Nach und nach tauchten immer mehr Belege zu dieser Dame mit Namen Kija auf, so dass die Ägyptologie gezwungen war sich damit auseinander zu setzten. Aufgrund von Inschriften und Abbildungen wurde schließlich klar, dass sie eine enge Beziehung zu der Amarna-Familie hatte, insbesondere zu Echnaton. Das Ungewöhnliche und Außerordentliche war, dass das bis dahin allgemeingültige Bild des Echnaton (der stets als Familienvater, liebender Ehemann und Verfechter der Monogamie beschrieben wurde) mit Kenntnis der Kija - als Favoritin der Nofretete, bzw. als Geliebte des Echnaton (wie ihre Titel bezeugen) - aufgebrochen wurde. Es gab demnach eine zweite Frau an Echnatons Seite. Beide Frauen - Nofretete und Kija - sind aber eindeutig auf Inschriften, etc. anhand ihrer jeweiligen Titel von einander zu unterscheiden. Nofretete war stets die "Große königliche Gemahlin" während Kija den (ungewöhnlichen) Titel "Große geliebte Frau des Königs" trug (vgl. Hornung 1995). Beide Frauen erscheinen aber nie gemeinsam auf Abbildungen!! (Helck) Sicher ist, dass Kija während einer Weile die "höchste" und "beherrschende" Frau im Lande war. Dies wird insbesondere an einigen wenigen Darstellungen deutlich. So zeigt beispielsweise eine nur als Fragment erhaltene Darstellung (die zu den in Hermopolis gefundenen Blöcken aus Tell el-Amarna gehört) zum Einen Echnaton, der von einer Frau mit Kind gefolgt wird, zum Anderen auch zwei Frauen die in Proskynese auf dem Boden liegen. Die zwei auf dem Bauch liegend Frauen wurden als Merit-Aton und Anchesenpaaton identifiziert. Das erstaunliche an diesem Bild ist, dass Nofretetes Töchter in früheren Abbildungen immer stehend dargestellt wurden, was hier aber nicht der Fall ist. Helck leitet aus diesem Artefakt die politische Botschaft ab, dass zu dieser Zeit eine andere Frau als Nofretete (eben Kija) und deren Tochter dem König am nächsten standen und die Töchter der Nofretete diesen untergeordnet waren. Die Identifikation der anderen Frau als Kija, geht aus einigen anderen Steinblöcken aus Hermopolis hervor, auf welchen diese Frau (mit Tochter) als Kija ausgewiesen wurde.
Seltsam ist die Tatsache, dass in späteren Zeiten einige ihr zugeschriebenen Gegenstände und Inschriften durch die Namen der Nofretete-Töchter Merit-Aton und Anchsesenpaaton ersetzt wurden. Dies An dieser Stelle soll noch einmal zusammengefasst werden was wir sicher über Kija wissen:
Kija führte folgenden Titel:
Übersetzt lautet dieser: "Die große Geliebte, Gemahlin des Königs, der in der Wahrheit lebt, Nefer-cheperu-re Wa-en-re, Kija, das vollendete (prächtige) Kind". Laut Helck muss die Lesung des Namens Kija
Name der Kija auf einem Gefäß :
Der Name an sich warf schon viele Fragen und Spekulationen auf, ähnlich dem Namen der Nofretete, der als "die Schöne ist gekommen" übersetzt werden darf. Bei Nofretete wurde diesbezüglich auf eine ausländische Abstammung geschlossen, obwohl dies in Anbetracht bekannter Tatsachen zu bezweifeln ist (siehe hierzu: Nofretete). Bei Kija wurde ebendies - aufgrund ihres Namens - angenommen. Laut Helck dürfte der Name zum Einen auf eine Koseform, zum Anderen auf eine ausländische Herkunft hindeuten, da die Endung "-ja" bzw. "e" in Ägypten oft bei hurritischen Namen verwendet wurde. Er spricht sich aber entschieden gegen die These aus, dass Kija mit der Taduchepa - der Mitanniprinzessin, die im Jahr 10 des Amenhotep III. nach Ägypten verheiratet wurde - gleichzusetzen ist. Der Grund hierfür wird weiter unten noch erörtert. Diese These unterstützt El-Mahdy, aber vor einem anderen Hintergrund. Sie geht ihrerseits davon aus, dass Kija als Taduchepa identifiziert werden kann, da im Grab des Tutanchamun zwei Fundstücke - ein Dolch mit Eisenklinge und ein Armband - gefunden wurden, die nördlicher, nicht ägyptischer Herkunft sind und wahrscheinlich aus Mitanni stammen. Nach El-Mahdy ist der Name "Kija" eine Abkürzung (vgl. auch Annahme von Helck). Dies macht die Ägyptologin an den Amarna-Briefen fest, nach welchen die Aussprache des Namens "Tadukija" lauten muss. Dass der Name "Kija" eine Kurzform des
eigentlichen Namens ist, scheint sicher, denn Helck, El-Mahdy als auch
Hornung (1995) (als exemplarische Fachwissenschaftler) stimmen darin
überein. Auch Hornung geht davon aus, dass Kija ausländischer
Herkunft war. Er selbst sieht den entscheidenden Hinweis in der häufigen
Nennung einer "Dame" die in den Dokumenten schlicht als
"die Dame" bzw. "die hohe Frau" Nach Helck ist die Identifizierung der Kija als "die Dame" auszuschließen. Dies macht er exemplarisch an drei Gefäßinschriften fest: Inschrift 1: "Guter süßer Süßwein der Königsgattin Kija." Inschrift 2: "Jahr 11. Wein des Haushalts der hohen Frau Ki[...]" Inschrift 3: "[Jahr 1]6. Wein des Haushalts der hohen Frau von [...] Oberwinzer R'-mss." Bei der ersten Inschrift ist ganz deutlich der Titel hmt-nswt geschrieben. Dieser Titel wurde stets für Kija gebraucht. Die Titel der "hohen Frau" werden ohne weitere Namensnennung auf den beiden anderen Gefäßinschriften genutzt, so dass vermutet werden kann, dass diese Bezeichnungen ein und die selbe Frau bezeichnen. Laut Helck könnte der Name der Inschrift des Jahres 11 theoretisch als Kija ergänzt werden, was bedeuten würde, dass Kija aus Mitanni stammte. Allerdings wäre den Schreiber - die insbesondere großen Wert auf die korrekte Verwendung von Titeln in aktenmäßigen Notizen legten - ein großer Fehler unterlaufen, wenn sie zwei verschiedene Titel für ein und die selbe Frau königlichen Standes gebraucht hätten. Von dieser Argumentation ausgehend steht für Helck fest, dass Kija keineswegs die sogenannte "hohe Frau" ist. Der Namensbeginn "Ki..." kann nach Helck nur durch folgende Weiterführung ergänzt werden: "Kir-gi-pa" das heißt also: Kiluhepa (= Taduchepa), die Mitanniprinzessin die im Jahr 10 des Amenhotep III. nach Ägypten kam. Zusammengefasst können wir anhand des Namens der Kija feststellen - so weit man die oben genannten Angaben nach Helck als richtig annimmt - sie war ausländischer Herkunft und wurde stets mit dem Titel "Königsgemahlin" betitelt, ist aber nicht mit Taduchepa gleichzusetzen. Des weiteren ist ihr Name wohl eine Abkürzung des vollständigen Namens, bzw. eine Koseform. C. Aldred machte - so El-Mahdy - auf ein weiteres wichtiges Detail aufmerksam. Er war der Ansicht, dass der Name "Kija" viel mit den Namen der Familie aus Achmin, d.h. der mit der Familie der Teje gemeinsam hatte. Folgende Namen gehören dieser Familie an: Jej, Juja, Tuja, Eje, Teje. Auffällig ist insbesondere die Endung der Namen. Im Angesicht der Tatsache, dass Kija eine sehr enge Beziehung zu Echnaton hatte, ihm höchstwahrscheinlich eine Tochter gebar, die hohe Stellung einnahm und demnach wohl auch einiges mit der Königsmutter Teje zu tun hatte, ist dieser Hinweis m.E. nicht zu vernachlässigen. Allerdings könnte es aber auch reiner Zufall gewesen sein.
Kommen wir zunächst zu den unterschiedlichen Titeln der beiden
Frauen. Wie bereits erläutert wird Kija stets als Wenn man nun davon ausgeht, dass die ägyptischen Schreiber stets genau waren - vor allem was die Titel angeht - so können wir Kija und Nofretete eindeutig unterscheiden. Andererseits bringt die Darstellungsweise der beiden Frauen weitere Unterschiede hervor, da Nofretete kontinuierlich mit einer Krone und Uräus abgebildet wurde. Wann starb Nofretete? Diese Frage warf vielfältige Diskussionen unter den Ägyptologen auf und konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Da Nofretete nur bis ins Jahr 13 des Echnaton eindeutig belegt ist - so Helck - , folgerten einige Fachwissenschaftler daraus, dass Nofretete verstoßen wurde. Nach diesem letzten Beleg, geht aus dem Amarna-Briefen hervor, dass Meritaton und eine weitere "hohe Dame" die wichtigste Rollen in Achet-Aton spielten. Was aber geschah mit Nofretete? Andere Ägyptologen wie etwa El-Mahdy oder N. C. Reeves glauben indes, dass Nofretete als Semenchkare nach dem Tod Echnatons den Thron Ägyptens besteig. Sie sollte wohl als Mitregend neben Echnaton als Semenchkare geherrscht haben und demnach als Ko-Regent eine neue Titulatur angenommen haben. Diese Theorie geht davon aus, dass Nofretete nicht vor Echnaton starb sondern noch mindestens drei weitere Jahre gelebt haben soll. Wie hätte sie aber eine Favoritin neben Echnaton dulden können und wie wäre es ihr ergangen wenn sie mit ansehen musste, dass ihre leiblichen Töchter der Geliebten untergeordnet wurden? Helck geht andererseits davon aus, dass Nofretete mit drei ihrer Töchter im Jahr 13 des Echnaton in ihre Heimat - soweit man eine ausländische Herkunft annehmen darf - zurückkehrte, da weder ein Grab noch Grabbeigaben gefunden wurden. Diese Ausführungen entsprechen aber nicht 100%ig der Wahrheit, da ein Uschebti - =Grabbeigabe, die als Diener im Jenseits fungieren sollte - der Nofretete gefunden wurde, was die Annahme stützt dass Nofretete im Königsgrab von Amarna beigesetzt wurde. Diese Tatsache erklärt Helck jedoch damit, dass Uschebtis auch sonst gerne außerhalb des eigentlichen Begräbnisses "bestattet" wurden, d.h. dass diese auch in anderen Gräbern zum Einsatz kamen. Mit der Theorie nach Helck würde sich allerdings die herausragende Rolle der Kija erklären, wobei Nofretete nicht mehr anwesend war um einen derartigen "Aufstieg" zu verhindern. Würde nicht jede Gattin um ihren Ehemann kämpfen, wenn dieser eine andere Frau an deren Stellen setzen würde? Und dazu noch die eigenen Kinder unter die einer anderen Frau stellen? Die logische Erklärung liefert m.E. die Theorie nach Helck, denn nur wenn Nofretete nicht mehr in Ägypten war konnte Kija ihre Position am Königshof einnehmen. El-Mahdy geht ihrerseits davon aus, dass Kija in die Verbannung geschickt wurde und nicht Nofretete, da Kijas Grabbeigaben nicht für sie verwendet wurden und ihr Name gegen den der Merit-Aton und Anchesenpaaton ausgetauscht wurden. Für die Verwendung der Grabbeigaben der Kija - im Grab KV55 - sieht Helck jedoch folgende Erklärung vor: Kija ist mit der Witwe Dachamunzu - die den Mitannikönig Schupiluliuma um einen Sohn zum Heiraten bat - gleichzusetzen. Da diese Bitte einem Staatsstreich gleichkommt, wurde sie mit samt ihrer Tochter umgebracht, so dass es zunächst keine Verwendung für ihre Grabbeigaben gab. Schließlich wurde der Sarg und die Kanopen für die Beisetzung Semenchkares verwendet. Wie wir gesehen haben kann das Leben der Kija bzw. die Person Kija nur rekonstruiert werden, wenn das Schicksaal der Nofretete geklärt was. Leider ist dies bis zum heutigen Tag nicht der Fall.
nach W. Helck (2001):
Wenn wir nun die oben diskutierten Ergebnisse zusammenfassen können wir folgendes Bild der Kija gewinnen: Sie war ausländischer Herkunft (soweit man dies auf ihren Namen zurückführen kann) und kam - wahrscheinlich im Gefolge der Prinzessin Tadechupa - nach Ägypten. Vor dem Jahr 12 der Herrschaft Echnatons nahm sie eine herausragende Rolle am Königshof ein. Sie gebar Echnaton eine Tochter und wurde die "höchste" Frau im Lande - unabhängig davon was mit Nofretete geschah. Sie wurde stets als Königsgemahlin oder "hohe Dame" bezeichnet, was erneut ihre Stellung betont. Nach dem Tod Echnatons - wenn man von der Verbannungstheorie ausgeht schon im Jahr 13 - geschah etwas Eigenartiges, da ihre Namen gegen die der Merit-Aton und Anchsenpaaton ausgetauscht wurden. Diese Vorfälle führten dazu, dass die für sie angefertigten Grabbeigaben nicht verwendet werden konnten. Sarg und Kanopen fanden sich schließlich im Grab KV 55. Was mit ihrer Tochter geschah ist nicht nachzuvollziehen. Das ist das was wir wissen. Erst wenn neue Erkenntnisse ins Spiel kommen könne neue Aussagen getroffen werden.
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