Die Himmelfahrt des Unas - Spruch der Pyramidentexte

Einleitende Worte

Die Himmelfahrt des Unas

 

Einleitende Worte

Die "Himmelfahrt des Unas" ist der Spruch 273/274 der Pyramidentexte. Dabei handelt es sich um einen Text, der davon berichtet, wie der Pharao Unas (letzter Pharao der 5. Dynastie) nach seinem Ableben im Diesseits zum Himmel emporsteigt und selbst den Schöpfergott Atum an Macht übertrifft. Doch dies ist nicht alles, der Spruch steigert sich noch hin bis zum Kannibalischen, indem Unas sich durch Verschlingen der Himmelbewohner deren magische Kräfte aneignet. Demnach wird der Text - der sich in den Pyramiden des Unas und des Teti finden lässt -  auch als "Kannibalenspruch" bezeichnet (vgl. Hornung 1996).

entnommen aus:

Hornung, Eric: Altägyptische Dichtung. Stuttgart: Reclam, 1996.

 

Die Himmelfahrt des Unas

 

Verhüllt ist der Himmel, die Sterne fahren durcheinander. Es beben die Bogen der Welt, die Knochen des Erdgottes zittern. Doch jede Bewegung erstarrt, wenn Unas erblickt wird, der beseelt ist als ein Gott, der von seinen Vätern lebt, von seinen Müttern sich nährt.

Dies ist Unas, dem Wissen eignet, dessen Namen (selbst) seine Mutter nicht kannte. Die Herrlichkeit des Unas ist im Himmel, und seine Macht erfüllt den Horizont wie die seines Vaters Atum, der ihn geformt hat - doch hat er ihn so geformt, daß er mächtiger ist als er.

Die Ka-Kraft des Unas ist um ihn, Erhabenheit ist zu seinen Füßen. Seine Kronen sind auf seinem Haupt, seine Uräusschlangen an seinem Scheitel. Das Schlangendiadem sitzt an seiner Stirn, mit durchbohrendem Blick und leuchtender Flamme. Die Macht(zeichen) des Unas sind am rechten Platz.

Dies ist Unas, der "Stier" des Himmels, Ungeduld im Herzen, der vom Wesen aller Götter lebt, indem er ihre Eingeweide auffrißt, wenn sie zaubererfüllt aus der "Flammeninsel" kommen.

Dies ist Unas, wohlversehen, der seine Zaubermacht zusammengefaßt hat. Unas ist erschienen als jener "Große", der (viele) Gehilfen hat. Er thront zur Seite des geb. Denn Unas ist es, der recht spricht, gemeinsam mit dem, dessen name verborgen ist, an jenem Tag, an dem die Ältesten erschlagen werden.

Dies ist Unas, der über Opferspeisen verfügt, der den Meßstrick knotet, der selber für seine Speisen sorgt. Dies ist Unas, der Menschen frißt und von Göttern lebt, der Boten hat, die (seine) Aufträge durchführen.

Der "Scheitelpacker" in den Oasen(?) ist es, der sie mit dem Lasso für Unas fängt. Die hochgereckte Schlange ist es, die sie bewacht und sie von ihm fernhält. "Der über seine Röte" ist es, der sie ihm bindet. Chons ist es, der die "Herren" niedermetzelt und für Unas schächtet, der ihm herausnimmt, was in ihrem Leib ist. Der Bote ist es, den er ausgesandt hat, um zu strafen. Schesemu ist es, der sie für Unas schlachtet, der ihm ein Mahl aus ihnen kocht auf seinen abendländischen Feuerstelen.

Dies ist Unas, der ihre Zauber aufißt, der ihre Zaubermacht verschlingt. Ihre Großen sind für sein Frühstück, ihre Mittleren für sein Abendbrot, ihre Kleinen für sein Nachtmahl, und ihre Greise und Greisinnen für seinen Räuchertopf. Der Größte (Stern) des Nordhimmels zündet ihm die Flamme an unter den Kesseln, die sie enthalten, mit den Schenkeln ihrer Ältesten. Die im Himmel sind, warten dem Unas auf, wenn die Feuerstellen für ihn angezündet werden mit den Beinen ihrer Frauen.

Er hat die Himmel insgesamt durchmessen und die beiden Ufer (Erde) durchlaufen. Denn Unas ist die größte Macht, ist der Allermächtigste. Unas ist ein Götterbild, das Bild der Bilder des "Größten" (Gottes). Wen er findet auf seinem Weg, den frißt er auf Stück für Stück.

Der Platz des Unas ist an der Spitze aller Edlen, die im Horizont sind, denn Unas ist ein Gott, älter als die Ältesten. Ihm dienen Tausende, und Hunderte opfern für ihn. Ihm wurde eine Urkunde ausgestellt als "Größter Macht" von Orion, dem Vater der Götter.

Unas ist wiederum am Himmel erschienen, er ist gekrönt als Herr des Horizontes. Er hat die Rückenwirbel zerbrochen und die Herzen der Götter ergriffen. Er hat die Rote Krone aufgegessen und die "Papyrusfarbene" verschluckt. Unas nährt sich von den Lungen der Wissenden, er findet Gefallen daran, von Herzen zu leben und von ihren Zaubern dazu.

Unas ekelt sich, wenn er die "Brechmittel" verschluckt, welche die Rote Krone enthält, aber er freut sich, wenn ihre Zauber in seinem Leib sind. Die Würde des Unas kann ihm nicht fortgenommen werden, denn er hat sich die Weisheit jeglichen Gottes einverleibt.

Die Lebenszeit des Unas ist alle Zeit, seine Frist ist ewige Dauer in dieser seiner Würde des "Will er, so tut er, will er nicht, so tut er nicht", der im Bereich des Horizontes bleibt, immer und ewig. Wahrlich, ihre Seele (Ba) ist im Leib des Unas, ihr Geist ist im besitz des Unas als sein Zusatzopfer, das (er) den Göttern voraus hat, das aus ihren Knochen für Unas gekocht wurde. Wahrlich ihre Seele ist im Besitz des Unas, ihre Schatten sind ihren Eigentümern (fortgenommen).

Unas ist es, fortwährend erscheinend und fortwährend (sich) verbergend. Die Täter von Taten können ihn nicht zerstören, den Aufenthalt des Unas unter den Lebenden in diesem land, immer und ewig.