Der Nil - Lebensader Ägyptens

Der Nil und Ägypten

Vorstellungen der Alten Ägypter über den Nil

Der Nil als Verkehrs- und Wasserstrasse

Der Gott Hapi als Personifikation des Nils

Hymnus an Hapi

 

Der Nil und Ägypten

Die Kultur Ägyptens und das Leben der Menschen wurde vom Nil geprägt. Selbst Herodot schrieb Ägypten sei ein "Geschenk des Nils", denn ohne den Fluss gäbe es in Ägypten nur Wüste und demnach kaum Leben. Der Fluss nährte das Land uns seine Bevölkerung und bestimmte den Jahresrhythmus. Er setzt sich zum Einen aus dem Blauen Nil, aus dem äthiopischen Hochland, zum Anderen aus dem Weißen Nil, des Südsudan zusammen und mündet schließlich ins Mittemeer. Er erstreckt sich insgesamt über 6700 km und ist damit der längste Fluss der Erde. Den heutigen Namen "Nil" hat er von den Griechen bekommen, die ihn als Nileos bezeichneten. 

Der Nil selber wurde von den alten Ägyptern einfach als Fluss (oder großer Fluss) =iteru bezeichnet. 

Das wesentlichste Naturphänomen war das Anschwellen des Nils. Herodot schrieb, er habe die Priester nach dem Grund für Überflutungen gefragt, aber keiner konnte ihm so recht Antwort geben. Er selbst vermutete dass "[...] die Sonne an der Anschwellung schuld ist." Seit dem 19. Jahrhundert wissen wir es jedoch besser. Das Hochwasser wird durch die Monsunregen in Äthiopien und durch die regelmäßigen Niederschlage des Tropengürtels verursacht. Der Nil trug Hochwasser und legte seinen fruchtbaren Schlamm auf den Feldern Ägyptens ab. Das Hochwasser selbst wurde wie der Gott Hapi der als Personifikation der Nilfluten galt, als "hapi" bezeichnet. Dieser mineralienhaltige Schlamm sicherte die Nahrungsmittel der Ägypter, indem die Felder nach Rückgang des Hochwassers bepflanzt werden konnten. Allerdings gab es auch Jahre in welchen der Nil nur wenig oder gar kein Hochwasser mit sich führte. Dies führte zum Verlust der Ernten und konnte - sofern dies mehrere Perioden hintereinander geschah - auch zur Hungersnot und Dürrekatastrophen führen. Die Ägypter versuchten das Eintreffen der Nilflut zum Einen mit Hilfe von Naturphänomenen - wie das Auftreten des Sirius/Sothissterns - zu beobachten, zum Anderen indem sie stetig den Stand des Nils mit Hilfe von Nilometern - =Treppenschächte mit Höhenmarkierungen - überprüften. Insgesamt gab es an die 20 Nilometer in ganz Ägypten - von denen heutige noch einige zu bewundern sind. 

Um die Wassermassen ökonomisch zu nutzen legten die damaligen Menschen Kanäle und terrassierte Felder an, welche das Wasser nach und nach abgaben (vgl. hager 1999).

Heute schwillt der Nil nicht mehr an. Dies wurde durch den Bau des Assuanstaudamms im Jahre 1902 unterbunden. Mit Hilfe dieses Staudamms kann zum Einen - im Wasserkraftwerk von Assuan - Energie gewonnen werden, zum Anderen werden die Wassermassen über das ganze Jahr verteilt. Damit können mehrere Ernten jährlich eingefahren werden, womit auch mehr produziert werden kann. Allerdings begann seit dem Bau des Staudamms der Grundwasserspiegel in mehreren gebieten Ägyptens zu steigen, was zur Zerstörung einiger Jahrtausende alter Stätten und Tempel führen kann.

 

Vorstellungen der Alten Ägypter über den Nil

Priester Chensumose der in einem Boot über die Wasser der Unterwelt segelt. Q.: Das Alte Ägypten

Die Alten Ägypter glaubten, dass der Nil ein Wiederaufwellen des Urozeans Nun war. Er kommt direkt aus den unterirdischen Seen des Nun, und fließt auch wieder dahin zurück, so dass ein ewiger Kreislauf besteht (vgl. de Beler (2001; Hagen 1999). 

Der Nil bestimmte die gesamte Vorstellungswelt der damaligen Menschen.  

So wurden auch die Jahreszeiten je nach Stand des Nils bestimmt:

Jahreszeit: Die Zeit der Überschwemmung die Zeit des Sprießens die Zeit der Hitze
altägypt. Bezeichnung achet   peret  schemu 
Hieroglyphen

Weiterhin unterlag der Vorstellung des Nils auch eine theologische Dimension. Sie glaubten, dass der Sonnengott Re am Tag  in einem Boot (Barke) über den Himmel fährt und am Abend auf den Wassern der Unterwelt in den Osten fährt. Dieses mythologische Fährboot erinnert auch an die Feluken und  Boote auf dem Nil. 

Weiterhin galt die Vorstellung, dass der kosmische Raum durch vier Ecken begrenzt wurde:

  • Nilquelle im Süden
  • Polarstern im Norden
  • Sonnenaufgang im Osten
  • und Sonnenuntergang im Westen

Die Aufteilung zeigt, dass der Nil als einer der vier bedeutsamsten Punkte der kosmischen Vorstellung gesehen wurde, was er sicherlich seinen lebensbringenden Fluten zu verdanken hatte. Er teilte das Land in einen Osten und Westen. Diese Tatsache führte dazu, dass die beiden Ufer des Nils unterschiedliche Bedeutung erlangten. Der Osten war das Reich der Lebenden, der Westen, das Reich der Toten. Diese Gliederung zeigt sich am besten am Beispiel der Stadt Theben ( dem heutigen Luxor). Auf der westlichen Seite des Nils lagen die Totenstädte, das Tal der Könige und die Totentempel der Pharaonen. Auf der östlichen Uferseite fand das Leben statt. Dort standen Häuser und Tempel, es gab Werkstätten und Märkte, Schulen etc. Die einzige Ausnahme bildete das Arbeiterdorf von Deir el-Medina, in dem die Handwerker des Tals der Könige lebten. Diese Handwerker statt befand sich auf dem Westufer.

 

Der Nil als Verkehrs- und Wasserstrasse

aus einem Grab ca. 1900 v.Chr. Quelle: das Alte Ägypten Der Nil bestimmte auch den Verkehr im Alten Ägypten. neben den beschwerlichen Feld- oder Wüstenwegen, war er die einzige "Strasse" auf der man das gesamte Land von Norden bis Süden bereisen konnte. Hierfür wurden Schiffe gebaut (Beispiels Bild links) die meistens aus gebündelten Papyrusstauden bestanden (Hagen & Hagen 1999). Ein Originalexemplar eines derartigen Bootes (Königsbarke) befindet sich - in einem kleinen  Museum - in Kairo, unmittelbar neben der großen Cheops-Pyramide, wo es gefunden wurde. Dieses Boot ist über 4000 Jahre alt und 43,8 Meter lang.

Der Schiffsbau entwickelte sich  in der prädynastischen Zeit (ca. 3500-3100 v.Chr.), in welcher hauptsächlich Schilfbündelboote gebaut wurden. Später wurden auch Boote aus Holzblanken hergestellt. Die Boote wurden  - neben den Eseln zu Land - zum Personentransport als auch zum Transportieren von Tieren und Nahrungsmitteln verwendet.

 Mit dem Nil als Verkehrs- und Wasserstrasse gelangte Ägypten zur politischen und wirtschaftlichen Einheit, indem Informationen, Militär und Nahrungsmittel schnell von Einem zum Anderen Ende transportiert werden konnten. Um die Abwicklungen und die Sicherheit zu gewährleisten wurden im ganzen Land Häfen errichtet, so in Theben, Tanis, Memphis und im Nildelta (vgl. Prof. F. Hassan 1997).

 

Der Gott Hapi als eine Personifikation des Nils

Gott Hapi; Quelle: J. de Beler (2001) Nach de Beler (2001) gab es im ägyptischen Pantheon keinen einzigen Gott, der an sich den Nil verkörperte. Nichts desto trotz gab es eine Reihe von Götter die die Fruchtbarkeit und die Flut verkörperten (etwa Sopet oder Satis). Unter den diversen Personifikationen ist Hapi der einzige Gott der sich als Element des Nils - er verkörpert die Nilfluten - einer autonome Existenz erfreute.

 Hapi hatte die Aufgabe, den Nil in Bewegung zu bringen, damit die Überschwemmung kommen konnte. Demnach repräsentiert er auch die Fruchtbarkeit und die Fluten, wodurch er unter anderem zum Granat des Lebens wird. Dargestellt wurde er mit hängenden  Brüsten und einem fetten Bauch. In den Händen hält er Blumen, Früchte und Fische, demnach alle Produkte die der Bevölkerung Dank des Nils und seiner mineralhaltigen Schlammablagerungen zur Verfügung stehen. 

 Es war lebensnotwendig an Hapi zu  beten und ihm Opfer darzubringen, da nur das Hochwassers des Nils und der mitgeführte nährstoffreiche Schlamm Leben und Nahrung brachten. demnach gab es auch viele Hymnen und Lobpreisungen auf Hapi, welche die Freigebigkeit und die Freude über das Anschwellen des Nils widerspiegeln.

 

Hymnus an Hapi

Heil dir, o Hapi, der du aus der Erde gekommen bist, der du gekommen bist, um Ägypten das Leben zu bringen!

Verborgen von Natur, dunkel bei Tage, gepriesen von seinen Anhängern, er ist es, der die Felder bewässert,

 er der von Re erschaffen wurde, um der gesamten Heiligen Herde (Gottes) das Leben zu bringen;

er, der den Durst der Welt löscht, die fern vom Wasser ist: sein Tau ist es, der vom Himmel herabsteigt. [...]

Er ist es, der Überfluss gibt an allen guten Dingen: wer traurig war, wird froh, und alle sind fröhlich [...].

Glücklich ist dein Kommen, glücklich ist dein Kommen, o Hapi, glücklich ist dein Kommen.

Du kommst (nach Ägypten), um den Menschen und der gesamten Heiligen Herde (Gottes) mit deinen Feldfrüchten das Leben zu bringen.

Glücklich ist dein Kommen, glücklich ist dein Kommen, o Nil!

zit.n.: Edda Bresciani: An den Ufern des Nils. 2002.