Nofretete

Nofretete ist wohl, unter "Laien", die bekannteste Person aus der altägyptischen Zeit. Ihr Bekanntheitsgrad geht auf die von dem Archäologen Ludwig Borchardt gefundene Büste der Nofretete zurück. Er entdeckte sie am 6. Dezember 1912 bei Ausgrabungen in Tell el-Amarna, dem ehemaligen Achet-Aton, in der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis. Das Faszinierende an der Büste ist wohl die Lebendigkeit und die Ausstrahlung der Königin. Bei genauerem Hinsehen erkennt man sogar Doppelfalten unter den Augen, die von den Augenwinkeln bis hin zu den Wangenknochen reichen. Andererseits ist wiederum auffällig, dass die Büste nur mit ein wenig Fantasie den anderen Darstellungen der Königin ähnelt. Seit neuester Zeit wird die Büste der Königin durch punktgenaue Anstrahlung in ein "neues" Licht gerückt, wodurch die Ähnlichkeit aller Skulpturen hervorgehoben werden soll.

Woher kam Nofretete?

Eltern und Geschwister

In Achet-Aton

Die letzten Jahre der Königin

Töchter der Königin

Das Rätsel der älteren Dame

 

Woher kam Nofretete?

 

Büste der Nofretete Woher kam Nofretete? Diese Frage beschäftigte viele Ägyptologen jahrelang. Man nahm zunächst an, sie sei eine Prinzessin aus dem fernen Mitannireich: Taduchepa. Diese Hypothese basierte aber lediglich auf der Übersetzung ihres Namens: Nofretete = "Die Schöne ist gekommen" und entzieht sich dadurch jeder archäologischen Grundlage. Feststeht allerdings, dass eine derartige diplomatische Heirat mit einer Mitanniprinzessin unter Amenhotep III. stattgefunden hat. Durch die Heirat mit Amenhotep III., dem Vater Echnatons, kam die Mitanniprinzessin nach Ägypten.

Über die Herkunft  der Nofretete ist heute mehr bekannt: sie muss eine hochwohlgeborene Ägypterin gewesen sein, da ihre "große Amme" (ägypt.:menat-aat) die Frau des königlichen Privatsekretärs und  späteren Pharaos Eje, Tiji war. Dadurch ist einerseits belegt, dass Nofretete bereits im Kleinkindalter in Ägypten war und zweitens, dass sie aus der ägyptischen Oberschicht entstammte  (eine so große Hofdame wie Tiji wäre nicht die Amme einer Bürgerlichen gewesen, geschweige denn einer Nichtägypterin (Schlögl 1993)).

 

Eltern und Geschwister der Nofretete:

Über die Eltern der Nofretete lassen sich nur Spekulationen anstellen. Unter den Fachwissenschaftlern sind zwei Thesen die gängigsten:

  • Nofretete war eine Tochter Amenhotep III. mit einer Nebengemahlin
  • Sie war die Tochter des Eje aus einer früheren Ehe, wobei diese erste Ehefrau im Kindbett gestorben ist (Kemet 1/2002; Schlögl 1993). Hierfür sprechen auch die Titel des Eje die mit denen des Juja - Vater der Königin Teje  - gleichzusetzen sind, bzw. sehr ähnlich sind.

Weiterhin ist eine Schwester bzw. Halbschwester der Nofretete bekannt: Mut-nedjmet bzw. Mutbeneret (Schlögl 1993).Aufgrund der schlecht erhaltenen Inschriften ist die genaue Lesung des Namens nicht möglich, so dass Mut-nedjmet wie auch Mubenert in der Literatur zu finden ist (innerhalb meiner Ausführungen verwendet ich den Namen Mut-nedjmet). Mut-nedjmet ist in den Funden von Amarna als "Schwester der Königin" belegt. Laut Kemet 1/2002 vermutete C. Aldret, dass sie eine Tochter der Tjiji gewesen war, demnach eine Halbschwester der Nofretete. Sie wird oftmals als Frau und Großen Königsgemahlin des letzten Pharaos der 18. Dynastie - Har-em-hab -  identifiziert, was bei dem Namen Mut-beneret nicht zutreffen kann, sollte sich dieser als folgerichtig ergeben.

 

In Achet-Aton:

Nachdem Echnaton seine Residenz von Theben nach Achet-Aton verlegte, bekam Nofretete den Namenszusatz "nefer-neferu-Aton" (= vollkommen ist die Schönheit des Aton). Nofretete nahm in der Religion und im Leben von Amarna ein besondere Stellung ein: Sie wurde in Szenen dargestellt die ansonsten üblicherweise nur den Pharao abbildeten (z.B. auf einem Streitwagen oder beim Erschlagen der Feinde), sie durfte das Ehrengold austeilen und beteiligte sich an außenpolitischen Korrespondenzen. Es wird sogar vermutet, dass sie die praktische Regierungstätigkeit in den Händen hielt.

 

Die letzten Jahre der Königin:

Nach 13 Jahren verschwindet Nofretete von den Darstellungen und Reliefs und ihren Platz nehmen ihre Töchter Merit-Aton und Anches-en-pa-aton ein. Über den Verbleib der Königin ranken sich verschiedene Theorien: So glaubte man viele Jahre, dass Nofretete von Echnaton verbannt bzw. verstoßen wurde. Diese Theorie konnte aber weitgehend  wiederlegt werden, da nicht Nofretete sondern möglicherweise die Nebenfrau Kija verstoßen wurde (El Mahdy 2000).

 C. Aldred nimmt an, dass das Königspaar in Achet-Aton eines natürlichen Todes starb (Aldred 1973), allerdings wurden im Königsgrab von Achet-Aton nur Reste der Grabausstattung des Königs gefunden (mit einigen Ausnahmen), was vermuten lässt, dass Nofretete niemals dort beigesetzt wurde. Es wurden lediglich Überreste einer kleinen Uschebtifigur und ein Siegelring mit der Kartusche der Königin gefunden, was als Indiz für eine Bestattung jedoch nicht ausreichend ist. Einige weitere Fachwissenschaftler (wie El-Mahdy oder Reeves) glauben, dass Nofretete unter dem Namen Ach[et]-cheperu-ra auf den Thron Ägyptens stieg. Laut der Königsliste von Manetho existierte wirklich eine Königin mit diesem Namen, die auch in die Zeit der Amarna-Epoche zu datieren ist. Sollte dies der Wahrheit entsprechen könnte Nofretete = Semenchkare sein, dessen Thronnamen Ach-cheperu-re war, doch starke Zweifel bleiben bestehen. Zu dieser Diskussion siehe Semenchkare [noch nicht bearbeitet].

Im Großen und Ganzen gibt es nur Theorien und Hypothesen über die Letzten Jahre der Königin. Um genaueres sagen zu können müssen neue Beweise gefunden werden

 

 

Töchter der Königin:

Nofretete war es gegönnt sechs Töchter mit ihrem Gemahl und Pharao zu haben. Als mögliches weiteres Kind kann Tut-anch-aton bzw. Tut-anch-amun gesehen werden, wenn man davon ausgeht, dass das Baby, welches mit seiner Amme bei der Beerdigung der Maket-Aton im Königsgrab östlich von Achet-Aton (Raum Gamma, Wand A) dargestellt ist, der kleine Tut-anch-amun ist. Der Name des Kindes ist heute nicht mehr zu entziffern, sondern nur nur Reste der Inschrift: "[...]geboren von [...] Nefer-neferu-A[ton]-Nofretete, die lebt für immer und ewig".

Merit-Aton

Maket-Aton

Anches-en-pa-Aton

Nefer-neferu-Aton ta-scherit

Nefer-neferu-Ra

Setep-en-Ra

zurück zum Seitenanfang

Das Rätsel der älteren Dame:

Der Franzose Victor Loret fand 1898 im Tal der Könige, im Grab des Amenhotep II. eine weitere Nebenkammer. In dieser fand man drei unbandagierte Mumien: zwei Frauen und einen Jungen. Die ältere der beiden Frauen wurde, aufgrund der Altersunterschiede eben als die "ältere Dame" bezeichnet und von Ellioth Smith 1912 in den Katalog  Königlicher Mumien aufgenommen. Die Identität der "ältern Dame" (elder lady) schien zunächst geklärt zu sein: Harris analysierte die Haarprobe der 1,45 m großen Mumie mit der Haarlocke die im Grab des Tutanchamun gefunden wurde. Die Haarlocke die bei den Grabbeigaben des jung verstorbenen Pharaos gefunden wurde, war der Königin Teje zuzuordnen, da ihr Name anbei gefunden wurde. Nach der chemischen Analyse bestand zunächst eine verblüffende Ähnlichkeit, wonach die Mumie der "älteren Dame" als die der Teje - Gemahlin Amenhotep III und Mutter des Echnaton - identifiziert wurde.

Doch diese Annahme konnte nach durchgeführten Röntgenaufnahmen nicht standhalten. Harris selber führte diese Röntgen- und Zahnuntersuchungen durch, wonach er ein Alter von maximal 30 Jahren feststellte. Diesem Alter zufolge kann die Mumie nicht die der Teje sein, da aufgrund der historischen Belege Teje viel älter wurde (S. James). Nofretete hingegen wird dieses Alter allgemeinhin zugeschrieben. Anschließend wurde eine Fotoanalyse der Mumie im Vergleich zu den vier erhaltenen Bildnissen der Nofretete erstellt. Das Ergebnis war verblüffend, da die Gesichtsproportionen der Bildnisse mit dem Kopf bzw. Gesicht der Mumie fast identisch waren (M. Hagmann), mit den erhaltenen Bildnissen der Teje jedoch nichts gemein hatten.

Dennoch lässt sich Genaueres erst sagen, wenn man eine Genanalyse erstellen kann. Das Problem liegt hierbei in zweifacher Hinsicht. Zum Einen ist die Mumie der älteren Dame verschwunden (James vermutet, dass sie vielleicht wieder in das Grab des Amenhotep II. zurückverlegt wurde - da auch die zuvor zur Nebenkammer durchbrochene Wand zugemauert wurde), zum Anderen fehlen Familienmitglieder, exemplarisch die Töchter, um genaue Ergebnisse aus der Genanalyse ziehen zu können. Ob Nofretete die ältere Dame ist, kann bis heute nicht genau festgestellt werden, dennoch hofft man auf weitere Funde.

zurück zum Seitenanfang