Bei genauerem Hinsehen fällt
auf, dass seine Söhne die gleichen Namen tragen wie jene seines großen
Vorbildes Ramses II. Die Namen sind insbesondere durch die Gräber der Söhne
im Tal der Könige belegt. Ramses III. war eine außerordentliche Herrscherpersönlichkeit. „Er besaß die Kraft und die nötige Autorität, sein Land mit starker und sicherer Hand zu lenken und vor militärischen Bedrohungen durch die Nachbarländer und den über das Mittelmeer nach Vorderasien eindringenden sogenannten Seevölkern zu schützen“ (Höber-Kamel 2/2002, 14). Die Vertreibung der Seevölkern (zu denen die Peleset – uns besser bekannt unter der Bezeichnung „Philister“ – und die Zekel gehörten) und die Abwehrung der von Westen einfallenden Libyer sind – so Schneider – die größten politischen Verdienste des letzten großen Pharaos.
Königstitulatur
Der KriegsherrWie bereits oben erwähnt sind die herausragenden Verdienste Ramses III. die Vertreibung der Seevölker und die Abwehrung der einfallenden Libyer: Die Feldzüge gegen die Libyer: Bereits in seinem 5. Regierungsjahr musste Ramses III. gegen die von Westen einfallenden Libyer antreten. Drei verschiedene libysche Stämme, die Libu, Meschwesch und Seped, bildeten eine Koalition, um gemeinsam gegen Ägypten vorzugehen. Ausführliche Informationen zu diesem Feldzug, den der Pharao schließlich antrat, liefert uns der Kriegsbericht an den Wänden des Totentempels des Königs – Medinet Habu. Ramses III. gelang es für das Erste die angreifenden Feinde zurückzuschlagen. Diesbezüglich nennt der Kriegsbericht – so Schneider - jedoch zweifelhaft hohe Zahlen von getöteten Gegnern. Die Gefangenen wurden in Unter- und Mittelägypten in Militärkolonien angesiedelt. Nur 6 Jahre später wagten die Libyer, einen erneuten Vorstoß gegen Ägypten. Unter der Herrschaft des Sohns des Keper, des Fürsten Meschascher der Meschesch und einer Vereinigung aus 12 Stämmen des libyschen Volkes fielen die Feinde Ägyptens im westlichen Delta ein und verwüsteten den Gau Xios (Sacha am kanopischen Nilarm) (vgl. Schneider; Höber-Kamel). Ramses III. griff die Feinde vor den Mauern seiner Festung Hat-scho an (vgl. Breasted), wonach die Schlacht zwischen der Hauptstadt Pi-Ramesse und einem Ort namens „Sandburg“ ausgetragen wurde. Im Papyrus Harris wird berichtet, dass viele Gefangenen mitsamt ihren Familien nach Ägypten verschleppt wurden und dass sie in Mittelägypten und im Delta angesiedelt und der Armee zugeführt wurden. Ihre Habe, wie etwa Vieh, wurde an den großen Amun-Tempel von Karnak überstellt. Laut J. H. Breasted (1957) fielen 2175 libysche und meschweschische Krieger und 2052 gerieten in ägyptische Gefangenschaft. Im pHarris heißt es dazu:
Die Schlacht gegen die SeevölkerDie Seevölker werden sowohl in den ägyptischen, als auch in den hethitischen Quellen als überaus rohe, grausame und kriegerische Völker beschrieben. Laut Breasted spielten insbesondere zwei große Gruppen innerhalb der Seevölker eine herausragende Rolle: die Peleset und die Zekel. Die Peleset sind wohl mit den uns bekannten Philistern zu identifizieren. Sie waren einer der ältesten Stämme von Kreta und eroberten Städte und weite Teile des vorderasiatischen Raumes, wie etwa Chatti (das Hethiterreich), Karkemisch oder Arzawa. Von ihrem Lagerplatz Amurru ausgehend zogen sie weiter bis nach Palästina und schließlich Ägypten. Unter den Zekel vermutet
Breasted einen anderen Zweig der vorgriechischen Sikuler oder Sizilier.
Neben diesen beiden Gruppen die zu den Seevölkern gehörten, zählt
Clauss (2001) weiterhin die Danuna (die Danaer der Ilias) sowie die
Tjekker (Teukrer) dazu. Im Jahr 8 der Regierungszeit Ramses III. kommen die Seevölker dem ägyptischen Grenzgebiet bedrohlich nahe. Im Kriegsbericht von Medinet Habu heißt es zu dem Vorrücken und zu den Seevölkern selbst:
Die Seevölker drangen zu Lande und zu Wasser im westlichen Delta ein, doch schon hier konnte Ramses III. die Feinde zurückschlagen. Über seine Kriegsvorbereitungen heißt es im Kriegsbericht:
Im Mündungsgebiet des Deltas
kam es schließlich zu der Schlacht zwischen den Ägyptern unter der Führung
des letzten großen Pharaos und den linbysch-meschweschichen Feinden.
Ramses III. ging erneut als Sieger aus dieser Schlacht hervor. Den Sieg hatte er – wie sollte es auch anders sein – eindringlich an den Wänden seines Totentempels in Stein festgehalten. Ramses, als überdimensional großer König, hält den Bogen auf die Feinde gerichtet. Die Bilder berichten von Chaos und Ordnung. Das Chaos wird an Hand der Feinde dokumentiert, die Kopf über von ihren Schiffen fallen, von Pfeilhagel übermannt werden und von Panik erfasst werden. Die Ordnung spielt sich auf der Seite des Pharaos und seiner Getreuen ab, die links unten im Bild (an ihren Perücken zu erkennen) bereits Gefangene abführen. BaupolitikDie wohl berühmtesten baulichen Projekte Ramses III. sind zum Einen in der Tempelstadt von Karnak zu finden, zum Anderen in Medinet Habu, wo der zweite Pharao der 20. Dynastie seinen Millionenjahrtempel errichten ließ. Der Stationentempel im Amun-Bezirk von KarnakNeben einem eigenen kleinen Tempel für den Mondgott und Sohn Amuns und Muts ließ Ramses III. ein Stationenheiligtum errichten, an welchem die Götterstatuen während der Prozession eine Zwischenstation einlegen konnten. Tempel Ramses III in Karnak: Osirispfeiler. © http://www.greatdreams.com/thebes/ramiii.htm
Der Stationentempel befindet sich rechts im ersten Hof des Amun-Tempels und hat eine Größe von 24 x 62 Metern. Durch seinen architektonischen Aufbau entspricht dieser kleine tempel im vollen Sinne einem altägyptischen Tempel. Das Stationsheiligtum besitzt einen Eingangspylon mit zwei Statuten des Königs auf welchen eine Säulenhalle folgt. An diese Säulenhalle schließt sich wiederum ein höher gelegener Säulenhof an, über welchen man zum Hypostyl (ein weiterer Säulensaal mit 2 x 4 Säulen) gelangt. Im Innersten des Stationsheiligtum befinden sich die Sanktuare für die Göttertriade von Theben: Amun, Mut und Chons. Medinet Habu
Von zwei Pylonen ausgehend erreicht man zwei Höfe, den Säulensaal und das Pronaos. Darauffolgend konnte der Pharao und die dazu befähigten Priester das Sanktuar betreten, an welches sich Nebenräume anschließen (ebd). In seinen späteren Regierungsjahren ließ der König seinen Tempel auf die doppelte Größe erweitern. Das ganze Heiligtum wies nun eine Größe von 205 x 315 Metern auf (vgl. Höber-Kamel) und besaß zwei Umfassungsmauern: die ältere Innere und die jüngere Äußere, die während der zweiten Bauphase errichtet wurde. Zu dem Komplex selbst zählten weiterhin ein Tempelpalast, Wohnhäuser für die Priester sowie Verwaltungsgebäude. Ramses III. in Medinet Habu:
Die
innenpolitische Situation unter Ramses III. Betrachtet man die uns überlieferten Quellen bezüglich der innenpolitischen Lage unter Ramses III., so scheint zunächst alles in bester Ordnung. Es wird der Eindruck suggeriert, dass es der Staat eine wirtschaftliche Blüte erlebte und das Land vor Reichtum nur so strotze. Doch der äußere Schein trügt. Exemplarisch sollen hier zwei Beispiele vorgestellt werden, welche einerseits den Reichtum der Tempel, andererseits die Lage des Landes darstellen sollen: Der Reichtum der Tempel, am Beispiel des Ptah-Tempels von Memphis:
Die Lage innerhalb des Landes:
Der Reichtum der Tempel kann – so Höber-Kamel – nicht angezweifelt werden, da nach Bericht des pHarris eindeutige Tempelstiftungen stattfanden. Die oben beschriebene Lage des Landes - die scheinbar stabil und sicher geschildert wird - kann, auf der Basis der uns vorliegenden Ereignisse und Textquellen, nicht als solche gesehen werden. Insbesondere während der zweiten Hälfte der Regierungszeit Ramses III. kam es zu wirtschaftlichen und administrativen Schwierigkeiten. Dies verdeutlicht exemplarisch die Tatsache, dass der Pharao seinen Wesir aus Athribis absetzen musste und stattdessen seinen zweiten Wesir namens Ta in beiden Landesteilen im Amt bestätigte. Es scheint als wären die Beamten gegenüber ihrem Herrscher unloyal, dass Korruption, Verbrechen und Verschwörungen an der Tagesordnung waren. Ein weiteren Hinweis auf eine innenpolitisch ungünstige Lage gibt die Niederlegung der Arbeit der Nekropolenhandwerker im 30. Herrschaftsjahr, welche Höber-Kamel sogar als „den ersten Streik der Weltgeschichte“ beschreibt. Das
Attentat und das Ende einer Ära Im Laufe der Regierungszeit Ramses III. fand – wohl auch aufgrund der ungünstigen innenpolitischen Lage – ein Attentat auf den König selbst statt. Wann dieses Attentat genau verübt wurde kann nicht genau gesagt werden. Diesbezüglich vermuten Breasted und Goedicke die Ansicht, dass der Mordversuch an das Ende der Regierungszeit zu datieren ist, dass der Phaao dabei schwer verletzt wurde und unmittelbar darauf starb. Allerdings wurden an der Mumie selbst keine Hinweise auf einen unnatürlichen Tod oder äußere Einwirkungen festgestellt (vgl. Höber-Kamel). Aus den Gerichtsakte selbst geht keine einzige Datumsangabe hervor, so dass nicht mit Sicherheit gesagt werden kann ob Ramses während des Mordanschlags starb oder nicht. Fest steht allerdings, dass das Attentat von mehreren Personen – die Gerichtsakten sprechen von 28 Männern und mehreren Frauen (vgl. auch pTurin) – geplant wurde. Ausgangspunkt des Attentats war – so Höber-Kamel – die Tatsache, dass zu jener Zeit noch kein Nachfolger von dem Pharao ernannt wurde und dass demnach verschiedene Harimsdamen bzw. Nebenfrauen ihren eigenen Sohn auf dem thron Ägyptens sehen wollten. Zu derartigen Nebenfrauen zählt exemplarisch Tiji, die eine Verschwörung anzettelte um ihren Sohn Penta-weret auf den Thron zu bringen. Obwohl so viele Frauen und
Männer an der Verschwörung gegen Ramses III. beteiligt waren, misslang
der Mordversuch (ob Ramses nun nach wenigen Tagen starb – Breasted
spricht von 21 Tagen – oder ob er überlebte). Die Täter wurden vor
Gericht gestellt und erhielten ihre gerechte Strafe, wobei die hohen Würdenträger
– wie etwa der genannte Sohn der Tiji: Penta-weret – sich selbst das
Leben nehmen mussten und andere Nase und Ohren abgeschnitten bekamen. Der Tod Ramses III. – ob
nun durch das Attentat hervorgerufen oder natürlich – trat nach
Breasted zu Beginn seines 32.
Regierungsjahres, im dritten Monat der schemu-Jahreszeit ein. Er wurde im
Tal der Könige im Grab KV 11 beigesetzt und später von Priestern in die
Cachette von Deir el-Bahari DB320 umgebettet. Auf
Ramses III. Folgte schließlich sein Sohn Ramses IV. Nach Ramses III. Tod ging Ägypten immer zielstrebiger dem Verfall entgegen. Dies bedeutet insbesondere, dass keiner der nachfolgenden Pharaonen Ägypten jemals wieder zu einem derartigen Reichtum der 18. und 19. Dynastie brachte und dass kein Nachfolger auch nur annährend an die großen Taten Ramses III. und seiner Vorgänger herankam. Aus diesem Grund kann man zum Einen von Ramses III. als „dem letzten großen Pharao“ sprechen zum Anderen von dem Ende einer Ära.
Bitte hier klicken LiteraturArnold, Dieter: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Düsseldorf:
Albatros, 2000. Beckerath, Jürgen von: Chronologie des pharaonischen
Ägyptens. Mainz: Zabern, 1997. Breasted, J.H.: Geschichte Ägyptens. Lizensausgabe
2001. Köln: Parkland Verlag. Clauss, Manfred: Das Alte Ägypten. Berlin: Fest
Verlag, 2001. Höber-Kamel, Gabriele: Ramses III., Biographie des
letzten großen Pharaos. In: Kemet 2/2001. Hornung, Erik: Das Tal der Könige. München, Beck, 2002. Jacq, Christian: Das Tal der Könige. München, Knaur, 2000. Reeves/Wilkinson: Das Tal der Könige. München: Econ Verlag, 1997. Schneider, Thomas: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf: Albatros, 2002.
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