KV11   - Das Grab Ramses III

Kurzsteckbrief

Das Grab KV 11

Architektur und Ausschmückung

Übersicht über das Grab

Grabausstattung

 

 

Kurzsteckbrief

nach Reeves/Wilkinson 2000: Das Tal der Könige. Geheimnisvolles Totenreich der Pharaonen.

Nummer: KV 11
Lage: Wadi Biban el-Muluk (Tal der Könige)
Entdeckung: seit der Antike offen
Königsmumie: in der Antike entfernt, umgebettet in DB 320

 

Das Grab KV 11

Das Grab Ramses III. befindet sich wie alle Gräber des Neuen Reiches im Tal der Könige (Wadi Biban el-Muluk). Ramses Grab liegt unmittelbar neben KV 10 der letzten Ruhestätte Amenmesses. Ursprünglich hatte der Vater Ramses III. - Sethnacht - dieses Grab - das an die architektonische Tradition des Merenptah und Siptah anknüpft - für seine eigenen Bedürfnisse erbauen lassen, wandte sich später jedoch KV 14 zu, wo er auch bestattet wurde. KV 11 wurde von Sethnacht nicht fertig errichtet, da es zu unerwarteten Schwierigkeiten bei der Ausschachtung des dritten Korridors kam. Die Handwerker stießen dabei an das benachbarte Grab des Amenmesses (KV10), woraufhin die Arbeiten eingestellt wurden (vgl. Hornung 2002).

Ramses III. versuchte die vorhandenen architektonischen Schwierigkeiten zu überwinden, indem er einen zusätzlichen Raum zwischen dem zweiten und dritten Korridor einbauen ließ. Dieser zusätzliche Raum wurde mit Darstellungen des Sed-Festes (Erneuerungsfest) des Königs dekoriert sowie mit Abbildungen auf welchen Ramses III. Wasserspenden und Räucherungen vor Ptah-Sokar-Osiris opfert.

Nach Reeves/Wilkinson (1997) wurde das Grab KV11 bereits in griechisch-römischer Zeit für Touristen und Besucher geöffnet, so dass kein Entdecker angegeben werden kann. gelegentlich wird KV11 als "Bruces Grab" bezeichnet, da schottische Forschungsreisende James Bruce eine Kopie der Darstellung der blinden Harfner im Raum Cd anfertigte. 

 

Architektur und Ausschmückung

Das Grab selbst hat eine Gesamtlänge von 125 Metern (Jacq 2000) und besteht aus mehreren Kammern, Nebenräumen,  Säulenhallen, zwei Vorkammern und der eigentlichen Grabkammer. Auf Letztere folgt schließlich noch ein Endkorridor, welcher mit Szenen aus dem Buch der Tore geschmückt ist. Aufgrund der oben genannten Schwierigkeiten bei der Ausschachtung und der daraus folgenden Einbindung eines weiteren Raumes ergibt sich das einmalige Merkmal dieses Grabes: der vierte Korridor steigt an, um die darunter befindliche Kammer von KV10 zu überwinden. Danach fällt der Gang wieder zur Brunnenkammer ab.

Darstellung Ramses II. in seinem Grab; Q: Reeves/Wilkinson       Unmittelbar auf den Eingang des Grabes folgt ein Durchgang, der von zwei hathorköpfigen Säulen gebildet wird. Auf diesen folgt ein Korridor - mit Darstellungen Ramses III. vor Re-Harachte und mit Szenen des Amduats sowie Szenen aus der Litanei des Re - an welchen zwei Nebenräume angeschlossen sind. An diesen ersten Korridor wurden drei weitere erbaut, sowie darauffolgend eine Brunnenkammer und die erste Säulenhalle. Letztgenannte wurde mit Abbildungen und Texten aus dem Amduat - speziell die fünfte und sechste Stunde- bemalt, während die siebte Stunde des Amduats der Nebenkammer vorbehalten war, in dessen Eingang die beiden Göttinnen Neith und Selket den Eintretenden scheinbar willkommen heißen. 

Auf diese erste Säulen- oder Pfeilerhalle folgt der sogenannte "untere Korridor", bei welchem das Bildprogramm vom Ritual der Mundöffnung bildlich berichtet wird  und zwei Vorräume mit Darstellungen von Schutz- und Regenerationsgottheiten. Sodann führt der Weg den Verstorbenen in die Grabkammer, die von 8 Säulen getragen wird und welche mit Szenen aus dem Buch der Tore und aus dem Buch der Erde geschmückt ist. Hornung (2002) beschreibt die Dekoration der Grabkammer wie folgt:

 

Auf jeweils zwei Seiten erschien der König, auf den beiden anderen wechselnde Götter. Die Wände waren mit einigen Nachtsunden aus dem Pfortenbuch und Motiven aus dem Buch der Erde geschmückt. Ein letztes Mal ist eine Seitenkammer (rechts hinten) dem Buch von der Himmelskuh gewidmet.

Hornung 2002, 53

Das Buch der Himmelskuh erschien das erste Mal auf dem äußerten der vergoldeten Schreine, welche den Sarkophag Tutanchamuns umgaben und wurde das letzte Mal unter Ramses III. (kleine Ausschnitte wurden noch bei Ramses IV. verwendet) abgebildet. Hierbei geht es um die Beschreibung des Kosmos. So gibt das Buch der Himmelskuh exemplarisch eine Beschreibung bzw. Erklärung warum des nachts der Mondgott herrscht und am Tage der Sonnengott oder warum der Himmel nicht auf die Erde herabfällt.

In der Grabkammer wurde der Sarkophag - so Reeves/Wilkinson - scheinbar zum ersten Male entlang der Grabhauptachse errichtet. Leider wurde die Sarkophagkammer durch eingedrungenes Wasser schwer beschädigt, wonach nur vermutet werden kann, dass die Decke nicht die übliche Himmeldekoration besaß.

Das besondere an dem Dekorationsprogramm des Grabes sind die weltlichen Szenen die Ramses III. in verschiedenen Kammern abbilden ließ. Zu derartigen Bildprogrammen zählt beispielsweise die Darstellung des königlichen Waffenarsenals, einfache Krüge (Bild unten) oder eben die genannte Abbildung des blinden Harfners. Sethnacht - der Vater Ramses III. - wird bis hin zum dritten Korridor vor diversen Gottheiten bildlich dargestellt. Danach wechselt das Dekor zu Ramses III.

 

Übersicht über das Grab

 

Grabausstattung

Heutzutage sind nur wenig Fundstücke zu verzeichnen, die eindeutig als Grabbeigaben Ramses III. zu identifizieren sind. Unter zuordnungsfähigen Fundstücken befinden sich aber exemplarisch fünf Uschebtis aus Bronce, wovon sich eines im British Museum befindet, ein anderes in Turin, zwei im Pariser Louvre und das fünfte im Oriental Museum in Durham.

Die Mumie Ramses III. wurde im Königsmumienversteck von Deir el-Bahari entdeckt. Im ursprünglichen Sarkophag des Königs wurde jedoch die Mumie Amenhotep III. gefunden, da es aufgrund der Umbettungen zu Verwechslungen kam. Der Sarkophag wurde bereits in der Antike beschädigt, so dass der Deckel - der einst gewaltsam geöffnet wurde - heute verschwunden ist.