Der Sphinx von Giseh

Der Sphinx - Geologie und Ikonographie

Die Tunnel unter dem Sphinx

Der Sphinxtempel

Die Traumstele Thutmosis IV.

 

Der Sphinx - Geologie und Ikonographie

Der Sphinx von Giseh wurde während der 4. Dynastie, ca. 2550-2500 v.Chr. erbaut (Wildung). Er besteht aus einem Löwenleib mit Menschenkopf, der die Gesichtszüge des Pharaos Chephren birgt. Die Ikonographie des Löwen war in vielen orientalischen Kulturen ein Sonnensymbol und Archetypus der Königswürde (Lehner). Der Pharao in Sphinxfigur stellt demnach die Erscheinungsform des Königs als "Sohn des Sonnengottes Re" dar. Andere Meinungen gehen davon aus, dass der Löwe hier die Funktion der Wächtergestalt ausübt und demnach die Pyramiden bewachen sollte.

Quelle: Welt der Pharaonen

Der Kopf des Sphinx zeigt die Gesichtszüge des Pharaos Chephren, dessen Kopf mit einem Nemes-Kopftuch bekleidet ist. Das königliche Kopftuch ersetzt damit die Mähne des Löwen. Weiterhin hatte sie das königliche Attribut des Pharaonenbartes, das heute aber nicht mehr vorhanden ist (Giovanni Battista Caviglia fand 1817 ein Stück des Bartes). Die Figur hat eine Größe von 73,5 Metern Länge und ist damit das monumentalste Bauwerk im Alten Reich. Derartige große Bauwerke sollten erst wieder in der Epoche des Neuen Reiches errichtet werden. Der Körper wurde in einem Verhältnis 22:1 errichtet, der Kopf im Verhältnis 30:1. Sie wurde aus weichen Gesteinsschichten gehauen und anschließend - mit Ausnahme des Halses und Kopfes - mit Tura-Kalkstein überzogen (ähnlich wie die Pyramide des Chephren).

Pharao Chephren. Quelle: Lehner 1997

Pharao Chefren

Der Begriff "Sphinx" entstammte nach Hawass dem ägyptischen Wort Schesep-Anch, was soviel wie "lebendes Bild" bedeutet. Bei genauem Betrachten des Sphinx scheinen, die Proportionen nicht ganz schlüssig und nicht in einander verwoben. Der Grund hierfür war das Felsgestein aus welchem der Sphinx gehauen wurde. Geologische Untersuchungen fanden heraus, dass zwei der drei Schichten, aus welchen der Sphinx gehauen wurde, Risse aufzeigen. Dieses Problem dürfte den Ägyptern aufgefallen sein und verlängerten schließlich den Rumpf um die Risse zu kompensieren.

 

Die Tunnel unter dem Sphinx

Viele Legenden und Geschichten berichten und erzählen von Geheimgängen unter dem Sphinx. Einige Gelehrte machten sich demnach auf den Weg diese geheimen Tunnel und Gänge zu finden, die unmittelbar in die Chephren-Pyramide führen sollten. So auch Giovanni Battista Caviglia. Doch seine Grabungen und Forschungen mussten ohne positives Ergebnis bleiben. Selbst in jüngster zeit schrieben einige Zeitschriften, dass sich Gänge dort befinden würden. 

Es kursiert das Gerücht, dass alle Aufzeichnungen zum Bau der Pyramiden - die bis heute nicht gefunden wurden, und falls es sie überhaupt gab - unter den Pranken der Sphinx versteckt wären und dass der Sphinx dieses Geheimnis bewachen würde. Beweise hierfür gibt es - so Hawass - keine. 

Die Egyptian Antiquities Organization führte - in Zusammenarbeit mit Mark Lehner - Grabungen rund um den Sphinx durch. Bei diesen Grabungen wurden drei Tunnel entdeckt, die aber bereits von früheren Archäologen entdeckt und begangen wurden, deren Ergebnisse aber nie veröffentlicht wurden. 

Der erste Tunnel befindet sich unmittelbar hinter dem Kopf des Sphinx und erreicht eine Länge von 5 Metern. Der zweite Gang liegt im Schwanz und  erstreckt sich über 9 Meter. Der dritte Tunnel wurde bereits 1926 von M. R. Bariaize entdeckt und liegt an der Nordseite des Monumentalbauwerkes. Alle Gänge entstammen des pharaonischen Ägypten, allerdings ist der Zweck unklar. Hinweise zum Bau der Pyramiden wurden nicht gefunden. 

 

Der Sphinxtempel

Der sogenannte Sphinxtempel befindet sich unmittelbar neben dem Taltempel des Chephren. Er wurde in harten Fels gehauen und liegt etwa 2,5 Meter unter der eigentlichen Terrasse. Allerdings wurde der Tempel nie vervollständigt, was die äußere fehlende Granitverkleidung zeigt. Er besteht aus 24 Rosengranitsäulen, welche eine Kolonnade und einen Wandelgang um einen Zentralhof bilden (vgl. Lehner). Des weiteren waren Statuen des Königs aufgestellt. Insgesamt gab es zwei Heiligtümer, von denen sich eines im Osten befand, das andere im Westen. 

Da es keine Texte oder Dokumente über die Symbolik des Tempels gibt, ist es schwer dessen Sinn zu ermitteln. Herbert Ricke schloss, aufgrund gegebener Parallelen zum Neuen Reich, dass die 24 Kolonnadenpfeiler die 24- Tages- und Nachtstunden repräsentieren (vgl. ebd.).

Lehner selbst fiel auf, dass an dem Tag der Tagundnachtgleiche (21./22. März und September), dass die Sonne - vom Sphinxtempel ausgesehen - am südlichen Teil der Chephren-Pyramide, entlang der Verbindungsgerade zwischen Sphinx und Tempel untergeht. Möglicherweise hatte der Sonnenuntergang an diesen Tagen ein Kultbild eines Gottes beim Untergehen angestrahlt. Obwohl die ersten Sonnentempel erst in der 5. Dynastie erbaut wurden, könnte diese Tatsache auf den ersten aller Sonnenheiligtümer hindeuten.

Quelle: Lehner 1997  

Rekonstruktion des Sphinx mit Sphinxtempel

 

Die Traumstele Thutmosis IV.

Zwischen den Pranken des Sphinx befindet sich eine rote Granitstele auf der der Traum des Thutmosis IV. erzählt wird. Es geht - kurz gesagt - darum, dass Thutmosis IV., der selbst kein direkter Thronerbe war, nach einer anstrengenden Jagd zwischen den Vorderfüssen des Monumentalbauwerks einschlief. Im Traum erschien im der Sphinx und klagte, dass sein Körper, der fast vollständig mit Sand bedeckt war, verfalle. Der Sphinx versprach ihm, wenn er ihn von dem Sand befreie, die Königsherrschaft. Und so kam es auch.

Die vollständige Erzählung der Traumstele Thutmosis IV. findest du hier: Traumstele Thutmosis IV.

Traumstele als Bild:

Quelle: Lehner 1997