Rituelle Spiele im Alten Ägypten

Schlagballspiel Thutmosis III.

Ballritual des Taharqa

Von Boxern und Stockfechtern

Ringkämpfe in Medinet Habu

 

 

Schlagballspiel Thutmosis III.

Das sogenannte "Schlagballritual" ist erstmals bekannt aus der Zeit Thutmosis III. (18. Dynastie). Die dafür benötigten Utensilien sind ein Ball und ein Schlagstock. Der Ball steht dabei symbolisch für das Auge der bösen Unterweltsschlange Apep oder Apophis. Der Schläger oder Schlagstock hingegen wird mit dem "Auge des Re" gleichgesetzt (vgl. Teeter, 165; Decker, 123). Durch das Schlagen des Balles mit dem Schlaginstrument, das meist gerade oder keulenartig geformt ist, vertreibt der Pharao symbolisch die Feinde Ägyptens und die Dämonen der Unterwelt.

Thutmosis III. wurde erstmals im Kontext dieses religiösen Spiels vor der Göttin Hathor im Tempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari dargestellt. In seiner rechten Hand hält er das gewellte Schlaginstrument aus Olivenholz und in der linken Hand den Ball. Links unten im Bilde wurden zwei Priester dargestellt, die dem Pharao scheinbar nach und nach neue Bälle reichen. Hierbei sei angemerkt, dass die Priester lediglich in dieser Abbildung erscheinen. Von ihnen heißt es in der darüber stehenden Inschrift:

Fangen (der Bälle) seitens des Gottesdieners, nachdem er (der König) die weggeschlagen hat.

zit. n.: Decker, 123

Abbildungen des "Schlagballrituals" finden sich überwiegend an den Wänden der Tempel der griechisch-römischen Epoche. Dieses Ritual wurde insbesondere innerhalb dieser Spielerubrik aufgeführt, da die Inschriften an den ptolemäischen Tempeln zusätzlich von einem "kindlichen vergnügen" des Pharaos sprechen (vgl. Teeter).

 

Thutmosis III. beim Schlagballritual vor Hathor, Deir el-Bahari

ebd. 123

 

Ballritual des Taharqa

Das Ballritual, das lediglich unter Pharao Taharqa (25. Dynastie) durchgeführt wurde, diente dem Schutz des Osiris. Taharqa, im Laufschritt dargestellt, warf hierbei vier Bälle in die vier Himmelrichtungen. Laut Decker hat dieser Ritus sein Pendant im "Schießen der vier Pfeile" durch die Gottesgemahlin des Amun.

 

Taharqa beim Ballritual, Karnak; Kiosk des Taharqa (ebd.)

 

Von Boxern und Stockfechtern

Im Grab es Cheruef  (Haushofmeister der Königin Teje, 18. Dynastie) in Theben-West findet man eine Szene in der sich zwei Stockfechter einander gegenüberstehen, eine andere in der sechs Männerpaare sich im Boxkampf gegenüberstehen. Man würde zunächst eine konventionelle Kampfszene vermuten, doch die Inschriften belehren eines besseren. In der Nähe eines der Boxer steht geschrieben:

Horus hat in Wahrheit gesiegt!

zit. n.: Teeter, 164

Die Inschrift lässt vermuten, dass der rituelle Kampf zwischen Horus und Seth nachgespielt wurde. Dabei übernahm ein Spieler oder Boxer die Rolle des Horus (der schließlich auch den Kampf gewann) und der Mitstreiter die des Seth. Bei diesem rituellen Spiel ging es demnach um den Kampf zwischen Gut und Böse der in Form eines Boxkampfes ausgetragen wurde.

In der Szene in der die Stockfechter die Protagonisten sind, werden zwei dieser Männer als "Männer von Pe" bezeichnet. Pe war ein altes Kulturzentrum in nord-westlichen Deltagebiet. Die Erklärung für diese Abbildung und ihren rituellen Charakter liefern die Pyramidentexte, indem sie davon erzählen, dass Männer aus Pe - anlässlich des Begräbnisses des Osiris - Stöcke für Osris aneinander schlugen.

 

Stockfechter; aus dem Grab des Cheruef in Theben-West (18. Dynastie)

Teeter, 164

 

Ringkämpfe in Medinet Habu

Am Totentempel Ramses III. in Medinet Habu gibt es das sogenannte "Fenster für öffentliche Auftritte", das unter anderem mit Ringern verziert ist. Die Ringergruppen setzen sich zum Einen aus Ägyptern zusammen, zum Anderen aus Besuchern bzw. Ausländern. Dabei kam es während verschiedener Anlässe oder Feierlichkeiten anscheinend zu einem rituellen Kampf zwischen den beiden Parteien. Teeter vermutet, dass diese Spiele nicht nur zum Vergnügen gedacht waren, sondern ebenso symbolischen und rituellen Charakter besaßen. Der Sinn der diesbezüglich hinter den Kämpfen stand, zielte wahrscheinlich auf einen symbolischen Sieg Ägyptens über die Feinde des Landes. Allerdings müssten dafür die Ägypter stets gewonnen haben, was die Vermutung zulässt, dass Ägypter sowohl den Part der Einheimischen als auch der Fremdländer übernahmen. 

 

ritualisierte Schlacht; Medinet Habu; 20. Dynastie

ebd., 164