Symbole im Alten Ägypten

 

Amulette oder Symbole spielten sowohl im alltäglichen Leben als auch bei der Götterverehrung und in Zusammenhang mit den Göttern eine  besondere Rolle. Symbole wurden von Lebenden getragen, wurden aber auch Toten mit ins Grab gegeben. Den Überlieferungen nach, führte die Kombination mehrerer Symbole zu einer stärkeren mythologischen und magischen Kraft. Demnach sollen hier nachfolgend einige der wichtigsten Symbole aufgeführt und erläutert werden.

 

Ankh-Zeichen

 

Das Ankh-Zeichen (= Henkelkreuz oder Lebensschlüssel) symbolisiert zunächst das Leben und den Lebensatem. Als Hieroglyphe bedeutet es Leben. So wird es beispielsweise in der Formel "Leben, Heil, Gesundheit " verwendet. Das Ankh war zunächst - so Jacq - ein Spiegel aus Kupfer der das Licht einfängt. Als ritueller Gegenstand stand er auch in Verbindung zu der Göttin Hathor, die die universelle Liebe darstellt, sowie die Göttin der Musik und des Tanzes. Als Symbol, bzw. als Amulett weist das Ankh auf das göttliche Leben hin.

 

Djed-Pfeiler

Der Djed-Pfeiler stellt als Symbol die "Dauer" und die "Stabilität" dar. Was das Zeichen an sich darstellt ist nicht sicher zu sagen. Möglicherweise war der Djed ursprünglich en Pfahl, um welchen Ähren gebunden wurden. Dieser Auffassung entsprechend spielte der Pfeiler auch bei Fruchtbarkeitsriten eine entscheidende Rolle. Daneben wurde der Djed-Pfeiler auch als Wirbelsäule des Totengottes Osiris gedeutet und in diesem Zusammenhang auch als Sieg des Osiris über seinen Bruder Seth, da der Djed Seth "auf die Seite gelegt hat" (vgl. Lurker 1998).

 

Ib

Das "ib-Zeichen" wird zunächst hieroglyphisch verwendet und beschreibt als Ideogramm das Herz. Da die Ägypter glaubten, dass die Fähigkeit zum Denken, Fühlen und Empfinden im Herzen liegt, stand das ib-Zeichen als Symbol für die Intelligenz und das Bewusstsein (Gros de Beler). 

 

Imiut

Der Imiut ist bereits auf den Denkmälern der 1. Dynastie belegt. Es ist ein auf einer Stange aufgehängtes kopfloses Fell. Bereits seit der Frühzeit diente es als Schutzsymbol und Machtzeichen des Pharaos. Als Personifizierung wurde es auch als Gott verehrt und verschmolz schließlich mit Anubis zu einer Person, da beide als "Sohn der Hesat-Kuh" benannt wurden (vgl. Lurker).

 

Sistrum der Hathor

Das Sistrum ist zunächst ein Musikinstrument, das seit dem Alten Reich belegt ist. Zwei Arten von Sistren können unterschieden werden: das Bogen und Naossistrum.  Letzteres ist eine Art große Rassel, mit langem Griff und schlaufenartigem Bügel. Auf dem Griff selbst war der Kopf der Hathor abgebildet, denn Hathor wurde auch als Göttin der Musik und des Tanzes verehrt. In früheren Zeiten spiegelte das Sistrum eine kultische Symbolik wider: es symbolisierte das Papyrusdickicht, in welchem sich Hathor mit ihrem Sohn einst verstecken musste (vgl. Tyldesley). 

Diesen Aspekt verlor das Musikinstrument schließlich und wurde nur noch als religiöses Symbol für das Leben gesehen, wonach es auch die „Beziehung“ und „Verbindung“ zu Hathor teilweise verlor. Diesbezüglich wurde das Sistrum im Verlauf der Zeit mit unterschiedlichen Göttinnen in Verbindung gebracht, wie etwa am Ende der dynastischen Ära mit Isis. Das Instrument ist  - so Bresciani – seit dem Alten Reich belegt. Seine Klänge sollten, als mythologische Charaktereigenschaft, insbesondere die Löwengöttin Sachmet beruhigen und besänftigen und diese anschließend in Hathor verwandeln. Es galt demnach als Symbol für die Musik, die Feste und heilige Riten.

 

Papyrus

Der Papyrus wurde zu aller erst als Schreibmaterial verwendet. Daneben hatte er aber auch eine symbolische Funktion. Er stand als Hieroglyphen und Zeichen für die Fruchtbarkeit und Lebenskraft sowie als Wappenpflanze Unterägyptens. Im künstlerischen Bereich war die Papyruspflanze Symbol für die aus dem Urwasser Nun entstandene Welt. Sie galt als Symbol der Göttin Uto, wonach diese (manchmal) als Zepter einen Papyrus in der Hand hält. 

 

Udjat-Auge

Das Udjat-Auge wird auch asl "Auge des Horus" bezeichnet. Es hat seinen Ursprung in dem Mythos von "Horus und Seth" bei welchem Horus durch die Hand des Seth sein Auge ausgeschlagen wurde. Dieses wurde schließlich durch den Gott Thot geheilt. Das Zeichen gilt seit dem als Schutz" vor dem bösen Blick", symbolisiert Gesundheit, Integrität und Wohlstand. 

 

Noub

Das Goldzeichen "Noub" symbolisierte die Unzerstörbarkeit des göttlichen Leibes.

 

Sema-Taui

Das Sema-Taui symbolisiert die Einheit der Beiden Länder, d.h. die Einheit von Ober- und Unterägypten. So wurde auch der Pharao als Einiger der Beiden Länder bezeichnet und in diesem Zusammenhang als König von Ober- und Unterägypten bezeichnet.  

 

Feder der Maat

Die Feder der Maat steht zunächst für die Gerechtigkeit, Ordnung und die Wahrheit. Sie verkörpert aber auch die allem Sein zugrundeliegenden Gerechtigkeit und steht damit im Gegensatz zu dem Chaos. Die Göttin Maat ist die Personifikation dieser Gerechtigkeit, wonach diese auch in Form der Feder geschrieben werden kann. In den meisten Fällen wird die Göttin mit der Feder auf dem Kopf abgebildet.

 

Obelisk

Das Urbild des Obelisken wurde als benben bezeichnet. Dieser heilige Stein wurde in Heliopolis aufbewahrt und soll dem Mythos nach als erste Offenbarungsform des Urgottes Atum-Chepre erklärt worden sein. Die ersten Sonnenstrahlen sollen auf die Spitze dieses Steines gefallen sein, wodurch der Obelisk durch alle Dynastien eine besondere Rolle einnahm. Die meisten der Pharaonen - exemplarisch Thutmosis I. oder Hatschepsut - ließen Obelisken errichten. Der vierkantige, spitz nach oben zusammenlaufende Stein symbolisiert den Sonnenstrahl im Sonnenkult.

 

Pavian

Bereits im Alten Reich gab es einen Gott namens "der Große Weiße", der in Form des Pavian verehrt wurde. Dieser galt seit dieser Zeit als eine weitere Erscheinungsform des Gottes Thot. 

 

Binse und Biene

Die Binse und die Biene symbolisieren zunächst den Pharao als König von Ober- und Unterägypten. Demnach bilden sie auch das wesentliche Element in der Königstitulatur. Der Legende nach soll der Sonnengott Re einmal angefangen haben zu weinen. Seine Tränen fielen auf die Erde und wurden dort zu Bienen.

 

Cheker-Zeichen

Cheker-Zeichen oder -Friese wurden meist zu Dekorationszwecken verwendet. Sie bilden das obere Abschlussornament an Wandflächen und fanden demnach an Gräber-, Tempel- und Palastwänden Anwendung. Sie bestehen aus einer kontinuierlichen Abfolge von gebündelten und geknoteten Fransen oder Schilfbündeln. Die ältesten Cheker-Friese finden sich aus der Epoche des Djoser (vgl. Arnold 2000). Neben dem dekorativen Aspekt besitzen sie aber auch einen symbolischen: Sie sollen auf das Gotteshaus der Vorzeit hindeuten bzw. auf die Herrschaft der Götter auf Erden, sowie auf das Reichsheiligtum.

 

Chepre

    Der Skarabäuskäfer bezeichnet den Urgott als "Chepre". Dieser Käfer weist demnach auf die Singularität des Urgottes Atum hin, der sich aus sich selbst erschuf. 

Damit symbolisiert er auch die Existenz schlecht hin. Er nimmt aber auch eine besondere Rolle im Jenseitsglauben ein, denn im Totenbuch Kapitel 83 heißt es: "Zu Chepre werde ich, in den Urstoff tauchend; ich keime durch die Weltallkraft des Keimens" zitn. n.: Lurker 1998, 61.

 

Ei

Das Ei spielt eine bedeutende Rolle in den Schöpfungsmythen des Alten Ägypten. Nach einer dieser Vorstellungen wurde aus dem Urei die Welt erschaffen, denn der erste Gott ist aus dem Ei hervorgegangen. Im Totenbuch wird das sogenannte Ei "des großen Schnatterers" gesprochen.

 

Ischedbaum

Der Ischedbaum war ein heiliger Baum, der insbesondere - so Lurker - als "heilige Isched im Obeliskenhaus" (zu Heliopolis verehrt wurde. Als Lebensbaum erhielt der Ischedbaum eine besondere Bedeutung. Der Legende nach sollen die Göttin Seschat und der Gott Thot auf die Blätter des baumes die Regierungsjahre des amtierenden Pharaos geschrieben haben. 

 

Tet (Isisblut)

Das Tet-Symbol oder auch Isisblut bzw. Isisknoten genannte Zeichen ähnelt der Lebensschleife, wobei die Seiten aber hinuntergeklappt sind. Die Beziehung zu der Göttin Isis, der Gemahlin des Osiris und Mutter des Horus, ist erst seit dem Neuen Reich belegt. In Verbindung mit dem Djedpfeiler bedeutet das Symbol die "Vereinigung der polaren Weltkräfte" und in diesem Zusammenhang auf die Unendlichkeit des Lebens.

 

Kuh

Die Kuh stand insbesondere im Zusammenhang mit der Göttin Isis und der Göttin Hathor.  Sie war deren Symbol und heiliges Tier, so dass Hathor (in späteren Zeiten auch Isis) mit Kuhhörnern dargestellt wurden (Bild).  Daneben wurde Hathor selbst in Kuh-Gestalt verehrt und ihre heiligen Tiere als "Zentet-Tiere" verehrt (vgl. Lurker). Die Kuh spielt aber auch eine bedeutende Rolle im Mythos der göttlichen Geburt des Pharaos, denn die sogenannte Hesat-Kuh soll den neugeborenen König genährt haben. Sie galt als Symbol für die Hoffnung auf ein weiterleben.

 

Lotos

Der Lotos war wie das Urei am Schöpfungsmythos beteiligt. Der Legende nach entsieg der Lotos dem Nun (Urgewässer) und wurde so auch als "die Blüte, die im Anfang stand" bezeichnet. Aus dem Lotos seinerseits entsieg der Sonnengott, so dass die Blüte auch in diesem Zusammenhang eine bemerkenswerte Rolle spielte. Mit dem Lotos selbst wurde der Gott Nefertem identifiziert und steht für die Einheit der beiden Länder. 

 

Löwe

Die Ikonographie des Löwen war in vielen orientalischen Kulturen ein Sonnensymbol und Archetypus der Königswürde (Lehner). Daneben wurde die Gestalt des Löwen auch von verschiedenen Göttinnen angenommen, wie etwa der  Sachmet oder der Mehit von This. In Ägypten - wie auch in Mesopotamien - galt der Löwe als solares Tier. Von daher verwundert es nicht, wenn der Gott Harachte mit Löwenkopf dargestellt wurde. Als Sinnbildnis der Sonne symbolisiert der Löwe den Tod am Abend und die Wiedergeburt am Morgen. Aufgrund seiner majestätischen und teilweise auch erschreckende Gestalt wurde er Wächter der Tempeltore und des majestätischen Throns. Der bekannteste Teil des Löwen - sein Körper - vereinigt sich wohl in der gestalt des Sphinx von Giseh.

 

Maat

Unter der Maat wird zum Einen die Göttin selbst verstanden, zum Anderen die Gerechtigkeit, die Wahrheit und das Recht. Maat ist die Schutzgöttin des Gerichtswesens und Verkörperung der Weltordnung, die auf Wahrheit, Recht und Gesetz beruht und für alle Gültigkeit besitzt. Der Begriff Maat stand somit für die strukturierte Welt, d.h. für Ausgewogenheit, Ordnung, Kultur, Schöpfungskraft und ethische Werte. Maat war damit der Gegenpol zu allem, was ungeordnet, zerstörerisch, ungerecht und chaotisch, aber mächtig war.  Die Hautaufgabe jedes Königs war es , die Maat zu garantieren  und so die Welt zu erhalten.  Die Göttin Maat war die Personifikation dieses Prinzips. Sie wurde menschengestaltig mit einer Feder auf dem Kopf dargestellt. Ihr Haupttempel befand sich in Karnak.

 

Naos

Das Naos ist ein Götterschrein oder eine Art Tabernakel in dem die heilige Figur des Gottes im Tempel aufbewahrt wurde. Während verschiedener Prozessionen wurden die Götterbildnisse aus ihrem Schrein genommen und auf Barken mitgetragen. Der Naos hatte im Tempel einen eigenen Raum zu welchem nur der Pharao und entsprechende Priester Zutritt hatten.

 

Ohr

Als Symbol bedeutet das Ohr das Gehörtsein. Dies bedeutet zum Einen, dass die Götter den Betenden erhören werden, zum Anderen deutet es auf die geistige Bereitschaft des Beters.

 

Öl

Öl wurde in vielerlei Arzneimitteln verwendet. Dabei sollte das Öl bzw. die Salbung mit Öl - so Lurker - über das diesseitige Leben hinaus Kräfte entwickeln. In Verbindung mit der Mumifizierung bedeutet das Öl den Zusammenhalt der Körperteile. Das Öl war die Essenz, welche die "Glieder verknüpft, die Knochen verbindet, das Fleisch zusammenfügt" (ebd.)

 

Phallus

Der Phallus ging zunächst einmal in das Schriftbild mit ein. Als besonderes Symbol dient es bei dem Fruchtbarkeitsgott Min, dessen Penis steif dargestellt wird. Im Tempel der Hathor von Dendera finden sich exemplarisch viele Darstellungen von Phallus-Nachbildungen vor welchen die Liebesgöttin steht. Diese sollen vor allem die Fruchtbarkeit bezeugen.

 

Phönix

Der Phönix ist der heilige Vogel von Heliopolis. Er wurde Benu genannt, was eben griechisch Phönix heißt. neben dem Sonnengott Re, erhielt er den stärksten Kult in Heliopolis, wo er dem Mythos nach auf heiligen Weidenbäumen wohnte. Er galt als Ba des Re und jeder Tote hatte folgenden Wunsch : " wie ein Phönix die Gebiete des Jenseits durchlaufen" (Lurker).

 

Pylon

Als Pylon wurden die ägyptischen Tortürme der Tempel bezeichnet, die es meistens in zweifacher Darstellung gab. Sie wurden mit Isis und Nephthys in Verbindung gebracht, die den Sonnengott Re am Horizont emporhoben. Im Tempel von Karnak sind bisweilen 10 Pylone gezählt worden

 

Sa-Schleife

Die Sa- Schleife ist das charakteristische Attribut des Gottes Bes und der Göttin Thoeris (Bild links), das magischen Schutz verleihen sollte. Als selbständiges Symbol findet sich die Sa- Schleife auch auf den sogenannten Zauberstäben des Mittleren Reiches, welche das Neugeborene beschützen sollten.

 

Scheintür

Scheintüren gibt es zunächst einmal in fast allen Gräbern. Die Tür dieser Scheintüren war jedoch geschlossen und stellte demnach eine symbolische Tür dar, die für die Verbindung des Leben und des Todes galt. Durch diese Tür soll insbesondere der Ka des Mensche das Grab verlassen können.

 

Schesemetgürtel

Der Schesemgürtel war ein Gürtel der mit Perlengehänge verziert war. Die Perlen dienten dabei als Machtsymbol. Er wurde vorwiegend während der Frühzeit getragen, etwa bei Narmer oder Djoser. 

 

Sechem

              Das Wort "sechem" wurde zur Bezeichnung der Macht verwendet. Daneben bezeichnete es aber auch die Wesen die zwischen den Menschen und den Göttern stehen (vgl. Lurker). Das Sechem ist eine Art Herrscherstab, in dessen oberen teil oft ein Augenpaar abgebildet wurde. Das nebenstehende Sechem war der Hirtenstab des Tutanchamun. 

 

Skorpion

In Gestalt des Skorpions wurde insbesondere die Göttin Selket (Bild) verehrt. Der Legende nach sollen sieben Skorpione der Selket gegen Feinde verholfen haben. Daher trägt die Göttin Selket auch den Skorpion als Symbol auf ihrem Kopf.

 

Sonnenauge

Das Sonnenauge war das Pendant zu dem Mondauge des Horus. Demnach galt auch das Sonnenauge als Auge des Gottes Horus, des Sohns der Isis und des Osiris. Schließlich wurde es aber als "Auge des Re" benannt, so dann zwei Augen - "das Auge des Horus" und "das Auge des Re" - als magische Augen galten. 

 

Sothis

Unter Sothis oder Sopet wird zunächst einmal eine Göttin verstanden. Daneben war der Sopet oder Sothis/Siriusstern der entscheidende Stern des Jahres. Denn wenn der Sirius nach 70 Tagen der Unsichtbarkeit wieder aufging, kündigte er gleichzeitig (zumindest meistens) die Nilflut an, die den Reichtum Ägyptens zum größten Teil ausmachte. Denn nur wenn die Felder mit dem mineralienhaltigen Schlamm überlagert wurden , konnten Ernten eingefahren werden.

 

Westen

Der Westen ist jene Himmelsrichtung in der die Sonne untergeht. Für die Ägypter hatte der Westen diesbezüglich eine ganz besondere Bedeutung: Im Westen lag das Reich der Toten. So wurden die Gräber in Theben (Luxor) auf der westlichen Nilseite angelegt, während das tägliche Leben auf der Ostseite stattfand. Dieser Westliche Bezug zeigte sich auch in dem Namen des Gottes der Nekropole von Abydos: Chontamenti, der als "Herr des Westens" bezeichnet wurde.