Das Tal der Königinnen
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"Die Stätte der Vollkommenheit" Neben dem berühmten Tal der Könige gibt es auf dem thebanischen Westufer noch eine weitere Begräbnisstätte des Neuen Reiches: Das Tal der Königinnen. Die heutige arabische Bezeichnung lautet "Biban el-Harim" (die Tore der Königinnen), während der altägyptische Name "Ta-set-Neferu" lautete. Bis in die jüngste Zeit wurde der Begriff "Ta-set-Neferu" mit der schönen Übersetzung "Stätte der Vollkommenheit" wiedergegeben. Allerdings scheint diese Translation nur ungenau, denn in neuester Zeit wird - so Kampp-Seyfried (1997) - doch eher für die Bezeichnung "Stätte der (königlichen) Kinder" plädiert, welche weitaus näher an die altägyptische Bedeutung herankommt.
Das Tal der Königinnen liegt unweit des Tals der Könige, in einem 1,5 km südlich davon gelegenen Wüstental. Es befindet sich nicht wie die Nekropole der Pharaonen abgelegt und versteckt zwischen dem Felsengebirge, sondern erstreckt sich breit und ausladend am Rande des libyschen Tafelgebirges. Da es weiter im Süden liegt, ist die Stätte der Arbeiter "Deir el-Medina" nicht weit entfernt und noch heute durch einen Fußpfad über niedere Hügel miteinander verbunden. Biban el-Harim ist in Ost-Wset-Richtung angelegt und erstreckt sich im Mittelteil auf 250 m Länge und 140 m Breite. Die Gräber liegen beidseitig und offensichtlich entlang des trockenen Wadi (siehe Bild oben), welches vom fruchtbaren Nilland aus leicht zu erreichen war und den ursprünglichen Wasserverlauf darstellte. Die Bezeichnung "Tal der Königinnen" ist leicht irreführend, da sie einen bestimmten "Besitzerkreis" vortäuscht. Es wurden im Neuen Reich jedoch nicht nur Königinnen hier bestattet, sondern auch Prinzessinnen, Prinzen und hohe Würdenträger. Aus diesem Grund ist der Begriff bzw. die Übersetzung "Stätte der (königlichen) Kinder" eher zutreffend auch wenn hier wiederum die Gemahlinnen und Privatpersonen außen vor gelassen werden. Die ersten Beisetzungen königlicher Gemahlinnen gehen auf die Zeit Amenhotep III. zurück. Aber erst zu Beginn der 19. Dynastie wurde das Tal zu der bevorzugten Nekropole für königliche Familienmitglieder und Privatpersonen.
Typologie der Gräber: Heutzutage sind im Tal der Königinnen 98 Gräber bekannt. Leider sind jedoch bei über mehr als 50% die Besitzer nicht bekannt oder nicht eindeutig zuzuordnen. Dieser Umstand geht zum Einen auf die Anlagen selbst zurück (da sie entweder keine Dekoration aufweisen oder einfach unvollendet blieben), zum Anderen auf weil es keine Artefakte zu finden gab, die eventuell auf einen Besitzer schließen lassen würden. Der Grund warum so viele Gräber unvollendet blieben, liegt in der schlechten Qualität des Felduntergrundes. Dennoch können einige Gräber laut Kampp-Seyfried (1997) in etwa zugewiesen werden, was durch spezifische Merkmale im architektonischen Konzept des Grabes und durch Grundrisstypen bewerkstelligt werden kann. Die Gräber können zunächst in zwei große Gruppen eingeteilt werden:
Die Gräber der 18. Dynastie: Diese Gräber lassen sich unter anderem durch ihren spezifischen Aufbau erkennen. Sie weisen zunächst einen quadratischen (teilweise auch rechteckigen) Eingang auf, auf welchen ein absteigender Korridor folgt. Dieser endet wiederum in einer oder mehreren Grabkammern. Leider gibt es nur in den seltensten Fällen vorhandene Dekorationen oder Grabschmuck.
Die Gräber der Ramessidenzeit: Die Gräber der Ramsessidenzeit unterschieden sich in verschiedenen Grabtypen:
Die Gräber der Prinzessinnen bestehen lediglich aus einem Hauptraum und einigen wenigen Nebenkammern, während die korridorartigen Prinzengräber durch zwei langgezogene Räume (Längsräume) charakterisiert sind. Diese Längsräume enden jeweils in einer rechteckigen bzw. quadratischen Kammer. Weitere Räume können von den Kammern abzweigen. Als Beispiel für ein derartiges Korridorgrab steht das Grab des Amunherchepeschef:
Die Gräber der Königinnen sind ihrerseits aufwendig dekoriert. Als Beispiel steht das Grab der Nefertari, der (Lieblings-)Ehefrau Ramses II.
Das Grab der Nefertari Meri-en-Mut ist eines der größten und schönst dekoriertesten im Tal der Königinnen. Nefertari war die - wie sie oft bezeichnet wird - Lieblingsgemahlin von Ramses II. Ihr wurde auch der kleine Tempel von Abu Simbel geweiht. Das Grab der Nefertari (siehe Abbildung unten) ist bei weitem komplexer und prunkvoller ausgestattet, als die Gräber der Prinzen oder der Prinzessinnen. Entdeckt wurde das Grab 1904 von Ernesto Schiparelli. Es besteht aus hintereinander gelegten Räumen von denen insgesamt fünf weitere Seitenkammern abzweigen. Eine Treppe führt in den ersten Vorraum, von welchem eine große Nebenkammer abgeht. An diesen Vorraum schließt sich wiederum eine zweite Treppe, die zum Hauptraum der Grabstätte führt. Dieser Hauptraum beinhaltet vier aus dem Fels gehauene Pfeiler und drei weitere Nebenräume.
Texte aus den Unterweltsbüchern finden sich im Grab der Nefertari nicht, da hier- so M. Seidel (1997) - private wie auch königliche Jenseitsvorstellungen gleichermaßen akzentuiert werden und demnach die Unterweltsbücher lediglich für rein königliche Jenseitsvorstellungen Verwendung fanden. Diese wurde im Grab durch die Thematik der Totenbuchvignetten ersetzt. Im Verbindungsgang zur eigentlichen Grabkammer wird die stufenweise Vollendung der Königin zu Osiris abgebildet, so dass im Sargraum die Verwandlung vollzogen ist und Nefertari die Unsterblichkeit erreicht hat.
Viele der Gräber im Tal der Königinnen sind ihren Besitzern nicht mehr zuzuordnen. Zu diesen anonymen Gräbern zählen etwa QV 31, 34, 40, 58 und 74. Weiterhin gibt es ca. 1/3 der Gräber die unvollendet blieben (QV 24, 41, 45, 49, 54, 56, 57, 84, 85, 86 und 95. Der Rest kann aufgrund gefundener Gegenstände und Grabdekorationen zugeordnet werden:
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