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Topographie des
Tals der Könige
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| Das Tal der Könige liegt am
Westufer des Nils, an jenem Landstrich, den die alten Ägypter
theologisch mit dem Tod und der sinkenden Sonne verbanden. Der Westen
war dem zur Folge an das Jenseits bzw. die Unterwelt angelehnt. Das Tal
liegt ungefähr 5 Kilometer vom Nil entfernt, an
dem thebanischen Gebirge. Seit Thutmosis I. (18. Dynastie) ließen
sich alle Pharaonen dort beisetzen, mit Ausnahme der Amarnafamilie.
Mit Beginn der 18. Dynastie befand sich die Hauptstadt des Neuen Reiches in Waset (Theben). Eine neue Anlage einer Nekropole (Friedhofarsenal) war somit unvermeidbar. Das abseits liegende Wadi Biban el-Moluk (Tal der Tore der Könige) war nicht weit entfernt von der Stadt, durch enge Zugänge gut zu bewachen und entsprach dem "Sicherheitsbedürfnis" der königlichen Ruhestätten (vgl. M.Seidel 1997). Neben diesen eher praktischen Gründen wurde das Tal möglicherweise durch weitere symbolische Konditionen gewählt. Nach Reeves (2000) war besonders der "Ausblick" von Theben in Richtung Westgebirge ausschlaggebend, denn hier erkennt man im Bergmassiv die Hieroglyphe für "Horizont", stellvertretend für das ägyptische Symbol der auf- und untergehenden Sonne. Dem zur Folge bildet das Tal einen topographischen Horizont (achet). Als Reminiszenz an die traditionellen Pyramidengräber wurde möglicherweise auch die natürliche Erhebung (450 m) des Gebirges verstanden. Diese Erhebung ähnelt sehr einer Pyramide und wurde einst dehenet genannt. Heute trägt die pyramidenförmige Erhöhung den Namen el-Qurn. Zunächst war sie der Göttin Hathor geweht, später der Berggöttin Meretseger. Durch diese natürliche Pyramide waren die Königsgräber des Neuen Reiches mit den Pyramidengräbern früherer Epochen verbunden. Topographisch gesehen besteht das Wüstenwadi aus zwei getrennten Tälern. Im Osten befinden sich die meisten gefundenen Königsgräber. Dieser Teil wurde von den Ägyptern ta sat aat genannt ("Großer Platz") oder einfach nur ta int ("Das Tal") und beschreibt heute eigentlich das Wadi Biban el-Moluk. Im westlichen Zweig wurden nur wenige Gräber gefunden. Im mittleren Teil befindet sich eine enge, flache Talschlucht oder Talkern (Reeves 2000), der weiteren Platz und Schutz für Königsgräber bietet. Die Konzentration auf den östlichen Arm des Tals geht womöglich auf das Tal in der frühen 18. Dynastie zurück, wo aufsteigende Felsformationen das Ausheben besonders verdeckter Gräber ermöglichten. Die Geheimhaltung des königlichen Nekropolentals beschreibt unter anderem der Beamte Ineni zur Zeit Thutmosis I.: "[...] Ich sah, wie man das Felsgrab seiner Majestät grub in der Einsamkeit, niemand sah es, niemand hörte es." (M. Seidel 1997).
Hymne an Meretseger: "Lobpreiset den Gipfel des Westens, küsset den Boden zu seiner ka [...]Denn wer sie anruft, besänftigt des Gipfel des Westens" (Reeves 2000). |