Das Versteck der Königsmumien -
oder die Entdeckung durch die Ziege
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Emile Burgsch im Grab der Könige
| Die Entdeckung
Die Entdeckung des Grabes DB 320 in Deir el-Bahari ist wohl eine der bedeutendsten in der Geschichte der Ägyptologie. Emile Burgsch gilt als Entdecker der Cachette (Grab mit mehreren Mumien und Beigaben), in der die größten Pharaonen der Weltgeschichte für ihren ewigen Schlaf gebettet wurden. Doch ist diese Aussage nicht ganz korrekt, denn diese zufällige Entdeckung wurde im Jahre 1881 (nach Reeves) [nach Tyldesley 1871] durch eine Ziege ausgelöst!
Die Ziege von Achmed Abd el-Rassul lief an den Felsen von Deir el-Bahari entlang, nahe dem großen Felsentempel der Hatschepsut. Irgendwie geriet sie durch Zufall in eine der unzählig vielen Spalten im Gelände, wo ihr Besitzer sie suchte. Um etwas zu sehen und sich orientieren zu können zündete Achmed Abd el-Rassul eine Kerze an und erblickte etwas erstaunliches: Um ihn herum standen unzählige Artefakte, Sarkophage, Papyri,...Aber es waren keine gewöhnlichen Sarkophage, sondern diejenigen der bedeutendsten Herrscher des Alten Ägypten.
Viele stellen sich wohl die Frage: warum liegen viele der Pharaonen in nur einem Grab, wo sich doch fast jeder sein eigenes erbauen ließ? Diese Frage beschäftigte auch die Fachwissenschaftler. Weiterhin warfen die Zustände bzw. die Qualität der Särge und das Fehlen vieler Grabbeigaben Fragen und Spekulationen auf. Hinweise auf die Gründe der Umbettung aus deren eigenem Grab in eine Art "Sammelgrab" gaben Aufschriften auf einigen der Särge. Die Särge an sich waren auch weniger eines Pharaos würdig, da es sich teilweise um einfache Holzsärge handelte die eine einfache kurze Beschriftung über die darin bestattete Mumie hatten (also ganz anders als die uns bekannten großzügig mit Bildern, Graphiken und Inschriften ausgestatteten Gräber des Tals der Könige). Eine Aufschrift besagt beispielsweise, dass sich in dem Sarg die Mumie Ramses II. befindet, der aus seinem ursprünglichen Grab zunächst in das Grab seines Vaters Sethos I. umgebettet wurde, einige Jahre später in die Cachette. Durch die Inschriften und Datierungen fand man heraus, dass die Cachette als die Familiengruft des thebanischen Hohepriesters Pinnodjem II. identifiziert wurde, da auch viele seiner Verwandten in dem Grab bestattet wurden. Bedauerlicher Weise wurden viele der königlichen Mumien in falsche Särge umgebettet, so dass eine Identifizierung mehr Schwierigkeiten bereitete als ursprünglich angenommen. Für Gaston Maspero, Direktor der ägyptischen Altertümerverwaltung, lag der Grund in der Umbettung der königlichen Mumien in dem verstärkten Grabraub damaliger Zeiten (Reeves 2000). Die heutige Forschung geht indess von der Annahme aus, dass das Fehlen der Grabbeigaben auf den wirtschaftlichen Niedergang zurückzuführen sei, indem der Staat sich an den Reichtümern alter Pharaonen bediente und nicht durch die Aktivitäten der Grabräuber (Reeves 2000; Tyldesley 1999).
Die Abbildung zeigt die Lage der Cachette DB 320 zum Tempel der Hatschepsut:
Achmed Abd el-Rassul und seine Familie wohnten in Qurna , am Rande der Nekropolis wo einige Häuser auf ehemaligen Gräbern der pharaonischen Zeit erbaut wurden. Viele der Bewohner besserten ihren Lebensunterhalt mit dem illegalen Verkauf gefundener Artefakte auf. Dies hatte auch Achmed unter Mithilfe seiner Brüder vor, nachdem er durch seine Ziege die königliche Cachette entdeckte. Um andere Menschen von diesem Versteck fern zu halten, warfen die Brüder Abd el-Rassul einen toten Esel in den Schacht, damit der Verwesungsgeruch andere Sucher abschrecken sollte. Obwohl viele der Grabbeigaben bereits in der Antike entwendet wurden, fanden die Brüder Papyri und Uschabtifiguren die sie verkaufen konnten. Das plötzlich steigende Angebot bedeutender Objekte auf dem Antiquitätenmarkt - exemplarisch Papyri aus der 21. Dynastie und Fundstücke aus den Gräbern der Thebanerzeit (Desroches-Noblecourt 1997)- musste irgendwann zwangsweise auch an die Altertümerverwaltung herantreten, die schließlich Untersuchungen über den Ursprung der Objekte anstellte. Die Spur führte unmittelbar zu den Brüdern Abd el-Rassul die brutal befragt und gefangengenommen wurden. Dennoch konnte den Brüdern nichts bewiesen werden. Die ständige Beobachtungen durch die Polizei führten zu Auseinandersetzungen und Streitigkeiten der Brüder Rassul, so dass einer von ihnen - Mohammed - schließlich den Grabraub gegen Straffreiheit gestand. Am 6. Juli 1881 führte Mohammed die Beamten der Altertümerverwaltung zu dem Grab, das der Pharaonen, hinter dem Tempel der Hatschepsut. Mohammed Abd el-Rassul erhielt eine Belohnung von 500 Pfund und eine hohe Stellung in der Altertümerverwaltung. Emile Burgsch im Grab der Könige
Nach 7,50 Metern bog ein 60 Meter langer Gang in einem Winkel von 90 Grad rechts ab. Dieser Gang führte über 5 Treppen in eine acht Meter lange Sargkammer, die nichts mit den uns bekannten prachtvoll ausgestatteten Gräbern der Königen gemein hatte. Die Kammer war völlig schmucklos und eines Pharaos kaum würdig (Desroches-Noblecourt 1997). Später berichtet Burgsch:
Die mehr als 50 Mumien und mehr als 6000 weitere Objekte wurden innerhalb von 48 Stunden (Desroches-Noblecourt 1997) aus dem Grab evakuiert und auf einem museumseigenen Dampfer über den Nil (deklariert als Trockenfisch!!!) nach Bulaq transportiert. Die Nachricht des königlichen Transports breitete sich unter der ägyptischen Bevölkerung wie ein Lauffeuer aus. Als der Dampfer des Nil entlang fuhr versammelten sich die ehrfürchtig staunenden Menschen am Rande des großen Flusses zwischen Luxor und Kuft um den Vorfahren die letzte Ehre zu erweisen, ähnlich wie damals die Menschen bei den Begräbnissen der Königen. Als das Schiff vorbeifuhr fingen Hunderte von Bäuerinnen an sich aus Trauer (wie die Frauen vor 3000 Jahren) die Haare auszureißen und Staub auf den Kopf streuten, während ihre Männer Salutschüsse abfeuerten, vielleicht um den großen Pharaonen Respekt zu zollen oder aber auch weil dem Volk ein Jahrtausende alter Schatz "gestohlen" wurde (Desroches-Noblecourt 1997). Nach Jahrtausenden erfuhren die großen Könige erneut die Ehrerweisungen ihres Volkes. Nach dieser emotionalen fahrt war die Reise der Mumien jedoch noch nicht zu Ende. nachdem sie zunächst in dem Bulaq Museum ausgestellt wurden, wurden sie nach Giseh und 1902 in das neu eröffnete Museum in Kairo transportiert. In den 30er Jahren wurden sie erneut aus politischen Gründen verlegt. Heute sind einige der Mumien großer Pharaonen im Mumiensaal des Kairoer Museums ausgestellt.
(weniger bedeutende Personen sowie Priester und Privatpersonen sind nicht aufgeführt)
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