Die Zeitmessung im Alten Ägypten-

Vergangenheit und Ewigkeit

Einleitung: Grundlagen und Instrumente

Methoden zur Bestimmung der Tageszeit

Die Sternenuhren

Verschiedene Sonnenuhren

Wasseruhren

Literatur

An dieser Stelle zunächst ein herzliches Dankeschön an Herrn Karl Schwarzinger, für die Kooperation und das zusätzlich zur Verfügung gestellte Material!

 

 

Einleitung: Grundlagen und Instrumente

Die Zeitbestimmung im Alten Ägypten funktionierte zunächst durch die Beobachtung der Naturphänomene. Dazu zählen der Sonnenstand (und diesbezüglich die Messung des Schattens) sowie die Beobachtung der Sterne. Als weitere Methode zur Bestimmung der Tages- und Nachtzeit wurde das Ein- und Auslaufen von Wassermengen beobachtet. Aufgrund dieser drei Techniken  kam es zu der Entwicklung verschiedener Gegenstände, welche die Berechnung der aktuellen Tageszeit erlaubten. Hierzu zählen Sternenuhren, Sonnenuhren und Wasseruhren.

Der renommierte Ägyptologe Ludwig Borchardt untersuchte anhand von gefundenen Fragmenten und Artefakten altägyptische Uhren (wie oben genannte) und konnte diesbezüglich die Theorie der altägyptischen Zeitmessung analysieren (vgl. H. Rau).  Am Tage wurden vorwiegend verschiedene Modelle von  Sonnenuhren verwendet, während zu Nachtstunden Wasser- oder Sternuhren Anwendung fanden. Damit basiert die Zeitmessung im Alten Ägypten – neben dem Element Wasser -  vorwiegend auf astronomischen Beobachtungen. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Modelle der Zeitmessung vorgestellt.

 

Methoden zur Bestimmung der Tageszeit

 Ludwig Borchardt unterschied vier Methoden zur Bestimmung der Stunden. Eine nach dem Stand der Sterne und vier nach dem Sonnenstand kohärent mit der Messung des Schattens

  • Nach dem Sternstand
  • Messung der Schattenlänge ohne Instrument
  • Messung der Schattenhöhe bzw. –länge
  • Messung der Schattenlänge mit Instrument
  • Messung der Schattenrichtung

(nach H. Rau)

 

Die Sternenuhren

Da das gesamte Denken der Alten Ägypter auf kosmischen und göttlichen Vorstellungen beruhte, ist es nur verständlich wenn selbst die Zeitberechnung anhand der Gestirne errechnet wurde.  Die Nachtsunden wurden in 36 Gruppen heller Sterne eingeteilt, welche man auch als die 36 Dekaden bezeichnet. Ein derartiger Dekanstern war exemplarisch der Sothisstern (siehe „ägyptischer Kalender“) oder einzelne Sterne des Orion. Um die Nachtsunden zu bestimmen wurden Listen aus 36 Spalten – gemäß der Dekane – angelegt, so dass jedem der hellen Sterne eine Spalte zugeteilt wurde. Weiterhin wurden 12 Zeilen angelegt, welche die 12 Nachstunden angaben (vgl. Dr. Eyre). In diesen Zeilen oder Reihen wurden die Veränderungen der Dekansterne im Verlauf der 36 Dekaden des Jahres festgehalten.

Dieser sogenannte „diagonale Kalender“ funktionierte, indem jeder Dekanstern nach 10 Tagen eine Stunde früher aufgeht und diesbezüglich in der Liste - aus Zeilen und Spalten - diagonal ein Feld weiter rückte. Dieser Prozess wurde so lange fortgeführt, bis der Dekanstern schließlich nach 12 Dekaden verschwindet (Höber-Kamel).

Zum besseren Verständnis wird dies nun beispielhaft dargestellt (Beispiel aus der Kemet 4/2000):

Mit S x (mit x = 1,2,3,4,...) wird der Dekanstern bezeichnet, die Zahlen 1, 2, 3, 4 geben die Stunde an

 

Dekanstern 3 Dekanstern 2 Dekanstern 1 Stunde
S3 S2 S1 1
S4 S3 S2 2
S5 S4 S3 3
... S5 S4 4

 

Erläuterung:

Der Dekan S3 (hier als Beispiel verwendet) zeigt in der einen nacht die 3. Nachtstunde an. Nach 10 Tagen – wobei 10 Tage einer Dekade entsprechen – befindet sich dieser Stern in der Zeile der 2. Nachstunde und zeigt demnach auch diese Stunde an. Nach einer weiteren Dekade (also erneut nach 10 Tagen) zeigt der selbe Stern S3 die 1. Nachstunde an.

Der Stern S1 zeigt beim Aufgang die 1. Nachtsunde an. Geht der Stern S2 auf, beginnt die 2. Nachstunde. Dies bedeutet, dass sowohl durch die Beobachtung der Bewegung eines einzigen Sternes, als auch durch den Aufgang verschiedener Sterne in einer bestimmten Reihenfolge die Nachstunden bestimmt und gemessen werden konnten.

Besonders in der 1. Zwischenzeit und während des Mittleren Reiches wurden diese „diagonalen Kalender“ verzeichnet. Als beliebtes Grundobjekt galt diesbezüglich die Innenseite der Sarkophagdeckel. Dieser Entschluss lag dem Jenseitsdenken zugrunde, denn auch in der jenseitigen Welt – in den Gefilden des Jaru – sollte der Tote sich zeitlich zurechtfinden.

 Neben diesem Kalender gab es nach Borchardt des weiteren den sogenannten Visierstab und den Lotgriff. Beide wurden zum Anvisieren der Sterne genutzt (vgl. Rau).

 

Die Sonnenuhren

Durch die astronomischen Beobachtungen konnten die Ägypter – neben den Dekanuhren – auch Sonnenuhren konstruieren. Diese zeigen sowohl eine eher banale als auch komplexe Technik auf, welche sich die Ägypter zur Bestimmung der Zeit zu Nutze machten. Alleine schon aufgrund der Bezeichnung erkennt man, dass diese Uhren lediglich bei Sonnenlicht Anwendung fanden. Einige dieser Sonnenuhren sollen im Folgenden vorgestellt werden.

 

Die horizontale Sonnenuhr

Modell 1 

Die horizontale Sonnenuhr war der einfachste Gegenstand zur Zeitmessung. Ein Stab, der eine konstante Länge aufwies, wurde senkrecht in den Boden gesteckt. Bei Sonnenlicht wirft dieser Stab einen Schatten mit bestimmter Länge auf den Boden. Die Länge des geworfenen Schattens wird hierbei gemessen und anhand einer Tafel ausgewertet. Die dazu notwendige Tafel beinhaltete die einzelnen Stunden des Tages und zeigte die unterschiedlichen Schattenlängen der Tagesstunden eines jeden Monats auf. Mit diesem System war es möglich die entsprechende Tagesstunde  - mit Sonnenlicht als bedingende Voraussetzung – zu ermitteln.

 

Modell 2:

Das zweite Modell einer horizontalen Sonnenuhr besteht beispielsweise aus einer Art Lineal an dessen einem Ende eine vierkantige Vergrößerung befestigt ist, auf welche der Schatten fällt. Auf der oberen Seite des Lineals sehen wir fünf Löscher (siehe Bilder unten), bzw. Kreise, welche die Skala darstellen und für die fünf Stunden einer Tageshälfte stehen. Einige werden sich jetzt wahrscheinlich fragen, warum nur fünf Kreise abgebildet wurden.

Die Antwort ist eigentlich ganz logisch: Da dieses Instrument die horizontale Schattenfläche misst, muss als hinreichendes und bedingendes Element überhaupt Schatten vorhanden sein. Da die Sonne aber in der Mittagsstunde – die quasi die sechste Stunde und demnach den sechsten Kreis bilden würde -  im Zenit steht, wirft sie keinen Schatten. Aus diesem Grund wurden lediglich 5 Kreise zur Messung genutzt.

Die Funktionsweise war folgende: Der Schatten des vierkantigen Aufsatzes fiel auf das Lineal, wonach an den Ringen die entsprechende Stunde abgelesen wurde. Bei Messung der Nachmittagsstunden wurde die Konstruktion einfach um 180° gedreht (Höber-Kamel).

 

© H. Rau (s.u.) Inv. Nr. 19743 , 1000-600 B.C

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© H. Rau( s.u.) Inv. Nr. 19744, 1501-1447 B.C.

 

Die hier abgebildete Konstruktion (H. Rau)  zeigt ganz deutlich die fünf Vertiefungen zum Abmessen der Tagesstunde. Sie wurde aus grünem Schiefer hergestellt.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die dazu notwendige Skala zur Berechnung der Zeitstunde (© ebd.): Die Schattenlänge wird in mm angegeben, die Sonnenhöhe in °.

  Schattenlänge und Sonnenhöhe
  Inv. No 19744 Inv. No 19743
Stunde mm ° mm °
12. 0 0
1./11. 162 9 188 9
2./10. 108 13 125 13,5
3./9. 66 21 75 22
4./8. 32 8 37 39
5./7. 11 66 12 68
6. 0 90 0 90

   

Die Streiflichtsonnenuhr

Die Streiflichtsonnenuhr fing den Schatten durch eine schräge Auffangfläche auf. Sie besteht aus einem Sockel auf dem sich wiederum ein vierkantiger Aufsatz befindet. Dieser Aufsatz ist das wesentliche Element. An diesem wird ein Lot befestigt, durch welches der Schatten geworfen wird. Die sogenannte Auffangfläche – die in diesem Fall eine Schräge ist – ist mit einer Skala versehen. Auf dieser befinden sich die unterschiedlich langen Tagesstunden für jeden Monat (vgl. Höber-Kamel).

[Streiflichtsonnenuhr: Museum Kairo. Inv. Nr.: 42927; zur Verfügung gestellt von K. Scharzinger]

Wenn man die Tagesstunden ermitteln will, so muss man den Zeitmesser mit Hilfe des Lotes und des Aufsatzes waagerecht in Richtung Sonne wenden. Das heißt, der Klotz mit quadratischen Querschnitt wurde der Sonne zugewandt. Dabei darf die gegenüberliegende Seite des Lotes keinen Schatten auf den Aufsatz werfen, denn nur so ist gewährleistet, dass die Längsseiten vom Sonnenlicht gestreift werden. Der Schatten des Aufsatzes, der durch das Streiflicht entsteht, wird auf die schräge Auffangfläche projeziert. Die Stelle die nun vom Schatten auf der Stundenskala des entsprechenden Monats getroffen wird, gibt die aktuelle Stunde an.

Wie wir sehen ist diese Methode der Zeitbestimmung bereits viel komplexer als die horizontalen Sonnenuhren und zeugen demnach auch von einem komplexeren Denken.

Die hier abgebildete Streiflichtuhr (Inv. Nr. 22824) stellt einen Teil des ursprünglichen Instrumentes dar. Deutlich erkennt man die Oese um das Lot durchzuziehen. Diese Sonnenuhr wurde aus schwarzem Stein hergestellt.

 

 

Die treppenförmige und kombinierte Sonnenuhr 

Die treppenförmige Sonnenuhr hatte – im Gegensatz zu oben genannten – eine treppenförmige Schattenauffangfläche. Hier stellen die Treppen die Skala dar, auf welchen der Schatten in den ersten 6 Stunden des Tages hinabsteigt, am Mittag unten angelangt und in den Nachmittagsstunden wieder hinaufsteigt. Weiterhin gab es eine „kombinierte Sonnenuhr“ die sowohl die Eigenschaften der Streichlichtuhr, der treppenförmigen als auch der horizontalen Sonnenuhr aufzeigt.

[Museum Kairo; Inv. Nr. E33401: Zur Verfügung gestellt von K. Schwarzinger]

Das Bild stellt dies deutlich dar. Auf der oberen Fläche befindet sich der Aufsatz, welcher dem Stab der horizontalen Sonnenuhr entspricht. Auf der rechten Seite (wenn man auf das Bild draufschaut) sieht man die Stufen, auf welchen der Schatten auf-, als auch absteigen kann, während die linke Seite die schräge Auffangfläche der Streiflichtuhr repräsentiert. Die schräge Auffangfläche besitzt jedoch keine Markierungen zum Abmessen der Zeit. Diesbezüglich vermutet Schwarzinger, dass die Uhr nicht fertiggebaut wurde.

  

Die Wanduhr 

Die alten Ägypter kannten selbst Uhren die an der Wand befestigt wurden, ähnlich unseren Wanduhren. Die Wanduhren wurden mit einer Schnur befestigt. Sie sind halbförmig – wie nebenstehendes Bild demonstriert – und besaßen eine senkrechte Schattenauffangfläche. Die notwendige Skala zum Ablesen der Zeit wurde in Form von strahlenförmigen Linien angebracht, die vom Mittelpunkt aus in gleichmäßigen Abständen zum Außenrand führten. Das wesentliche Element wird von einem Stab dargestellt, der sich im Mittelpunkt befand und senkrecht nach vorne hinausging. Warf der Stab den Schatten, so viel dieser auf einen (oder zwischen zwei) dieser 12 Linien, woran man schließlich die Tagesstunde erkennen konnte. 

  "Wanduhren" (Neues Reich): Brüssel: Inv. Nr.: E.7330. Zur Verfügung gestellt von K. Schwarzinger.

Wasseruhren

Neben den Sonnenuhren in den unterschiedlichsten Ausführungen gab es auch Wasseruhren, bei welchen man nicht an den Lichteinfall oder die Tages- bzw. Nachtzeit gebunden war. Sie wurden so konstruiert, dass man entweder das Wasser beim Auslaufen oder beim Einlaufen beobachten konnte. Diesbezüglich existierten Ein- und Auslaufuhren.

Auslaufuhr; Quelle:http://www.stk.tu-darmstadt.de/jcal/zeitmessung.htm Bei den sogenannten Auslaufuhren (Bild) wurde eine bestimmte Menge von Wasser in einem blumentopfförmigen Behälter gefüllt.  Am unteren Ende befand sich eine kleine Öffnung aus welcher das Wasser tropfenförmig hinaustropfen konnte. Die Tages- bzw. Nachtsunde wurde anhand einer Skala im Inneren des Topfes abgelesen. Da die Länge der Tages- und Nachtstunden nicht jeden Monat konstant war, wurden verschiedene Skalen – für jeden Monate eine gesonderte – angebracht (vgl. Höber-Kamel).

Daneben gab es noch die Einlaufuhr, bei welcher das Wasser aus einem gesonderten Behälter in ein zylindrisches Gefäß eintropfte. Hier wurde die aktuelle Stunde eben genau umkehrt gemessen, indem das Wasser stetig anstieg, während bei Auslaufuhren, der Wasserpegel konstant sank.

  

Literatur 

1)

RAU, Herbert: Berliner Instrumente der altägyptischen Tageszeitbestimmung. In: Homepage   von Schwarzinger, Karl: http://members.aon.at/sundials/

 

2)

HÖBER-KAMEL, Gabriele: Astronomie im Alten Ägypten. In: Kemet 4/2000

3)

Dr. EYRE, Christopher: Die Grenzen des Wissens. Die Welt der Natur. In: P. Silverman (Hrsg.): Das Alte Ägypten. (1997).

4) SCHWARZINGER, Karl: Kairoer Instrumente der altägyptischen Zeitbestimmung. Rundbrief 17/1999
5) SCHWARZINGER, Karl: Altägyptische Sonnenuhren in Brüssel.
6) BORCHARDT, Ludwig: Die altägyptische Zeitmessung. (1920).

 

Bildnachweis der Konstruktionsbilder: ©Herbert Rau. In: http://members.aon.at/sundials/ (Hp von Karl Schwarzinger). Bilder des Ägyptischen Museums Berlin.